#Diskriminierungist...

Jusos für mehr Vielfalt in Pornos

Die Berliner Jusos wollen feministische Pornos staatlich fördern. Ferike Thom, Vorsitzende der Pankower Jusos, und Karoline Heyne, Sexualpädagogin, haben mit uns über die Implikationen dieses Antrags gesprochen.
Ferike Thom - Vorsitzende der Pankower Jusos
Ferike Thom - Vorsitzende der Pankower Jusos

Kinder und Jugendliche schauen Pornos. Weil sie es können - dank des Internets. Und dann haben sie natürlich Fragen: Ist das real? Gefällt das der Frau? Dauert das immer so lang? Was macht man davor und was danach? Muss ich das auch mögen? etc.

Gleichzeitig ist es aber ziemlich schwierig für sie diese Fragen beantwortet zu bekommen, die wenigsten werden zu ihren Eltern gehen - schon gar nicht, wenn diese sagen, dass man Pornos nicht gucken darf. Karoline Heyne, die seit 12 Jahren als Sexualpädagogin arbeitet, weiß, dass Pornos ein wichtiges Instrument des sexuellen Lernens sein können:

Alles was wir lernen, lernen wir durch zugucken. Das Thema Sexualität ist ein wichtiges, da können wir selten zugucken. [...] Wenn Bilder zur Verfügung stehen im Internet, ist es auch logisch, dass Kinder und Jugendliche damit mehr oder weniger bewusst in Kontakt treten

 

Ist das Kunst oder kann das weg?

Problematisch wird es dann, wenn das vermittelte Bild von Sexualität und Geschlechtern von den Jugendlichen als real akzeptiert wird. Denn Mainstream Pornografie zeigt Sex wie Leistungssport, sie zeigt leicht verfügbare und immer willige Frauen. Männer sind in diesen Pornos auf den Unterleib und ihren Samenerguss beschränkt. Alles, was aus der heterosexuellen "Norm" fällt, wird kategorisiert und damit auch stigmatisiert. Emanzipation, Offenheit und Toleranz werden so nicht gefördert, weiß Heyne.

Dieses Problem haben auch die Pankower Jusos erkannt. Ihre Vorsitzende, Ferike Thom, sagt dazu:

Uns geht es darum, dass Jugendliche, wenn sie ihre eigene Sexualität entdecken, nicht nur den Mainstream Porno im Internet finden, sondern auch andere Pornographie. Wir definieren das als feministische Pornographie. (Wir wollen) dass es eine Vielfalt gibt: an Körperformen, an ethnischem Hintergrund, an Sexualpraktiken, eine Vielfalt an Geschlechtern. 

 

Skandinavische Vorreiter

Die Idee kommt aus Schweden, dort hat das Filminstitut bereits 2009 mit den "Dirty Diaries" eine Filmsammlung feministischer Pornos staatlich gefördert. Würde man das Konzept hier in Deutschland übernehmen könnte man damit feministische Pornos leichter zugänglich machen. Sie könnten so zu einer neuen Aufklärungsquelle für Jugendliche werden. Diese Pornos könnten den Jugendlichen eine außerschulische Informationsquelle bieten. Sie könnten aber auch zu einer wertvollen Ergänzung des Aufklärungsunterrichts werden, dem laut Lehrplan (Sachsen) ca. 5 Unterrichtsstunden gewidmet werden und der sich bis jetzt nur mit der biologischen Seite von Sexualität auseinandersetzt.

 

Wie kommts?

Die Berliner Jusos haben verschiedene Möglichkeiten der Förderung vorgeschlagen:

Man kann das über Preisverleihungen machen. Dann würden die Künstler ein Preisgeld bekommen und man könnte das an die Bedingung koppeln, dass sie das online zugänglich machen - auf ihren eigenen Websiten. Man kann auch schauen, ob man es über die Zentrale für gesundheitliche Aufklärung zugänglich macht oder über die Online-Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender. - Ferike Thom

Im Angesicht der medialen Entwicklung gibt es in der Bevölkerung durchaus sehr viel Sorge hinsichtlich des Jugendschutzes. Damit man der herrschenden Unsicherheit darüber was angemessen ist, wann und wie man mit Kindern und Jugendlichen reden sollte, entgegen treten kann, ist ein gesellschaftliches Umdenken nötig. Wir brauchen eine offene Debatte, so Karoline Heyne. Genau diese könnte vom Antrag der Jusos angestoßen werden. Je mehr das Thema in die Öffentlichkeit rückt, desto mehr werden PolitikerInnen, aber auch Eltern und LehrerInnen Stellung beziehen müssen. Der gestellte Antrag ist und wird nicht nur auf positive Reaktionen stoßen, das weiß auch Ferike Thom:

Es gibt halt leider immer noch Parteien, die der Auffassung sind es gehört in die Schmuddelecke und wir sollten am besten gar nicht mehr drüber reden. Gerade PolitikerInnen die für #MeToo wenig übrig haben und glauben sexuelle Belästigung ist eigentlich nur ein Kompliment. Von denen erwarte ich keinerlei Unterstützung.

 

Was solls?

Dennoch könnte er den Ausgangspunkt für ein gesamtgesellschaftliches Umdenken bieten. Was passiert, hängt zum einen vom weiteren Vorgehen der Jusos ab, ob sie die Bevölkerung und die anderen Parteien von ihrem Antrag überzeugen können. Die Mehrheit der SPD hat sich bereits dafür ausgesprochen. Eine schnelle und kompromisslose Entscheidung wird es aber wahrscheinlich nicht geben. Selbst wenn die SPD geschlossen zustimmt, ist das nicht genug um den Antrag durchzubringen.

So oder so – am Ende werden wir sehen, wie wichtig unserer Politik, aber auch unserer Gesellschaft ein offenerer Umgang mit Sexualität ist.

 

Den Beitrag zum Nachhören gibt's hier:

Bericht von Elisabeth Winkler zum Antrag der Jusos auf staatliche Förderung feministischer Pornos
Dirty Diaries

 

 

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