Satire ohne Witz

Jugend ohne Gott aber auch ohne Zukunft

Der demografische Wandel erhebt die Urnenform zur Metapher für die Gesellschaft. Nach diesem tiefgreifenden Satz werde ich mich kurz selbst anfassen. Weiter unten können Sie trotzdem gerne lesen, dass die Politik das verstärkt und das ist schlecht.
Kinderarmut bleibt weiterhin Thema in Deutschland

Ein internes Papier des Wirtschaftsministeriums warnt vor einer ungleichen Lohnverteilung in Deutschland! Lohnungleichheit, ein Thema für die reiche Industrienation Deutschland? Schauen wir uns das doch mal genauer an. Ich male Ihnen ein Bild mit meinen Worten:

Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosigkeit ist auf einem Tiefstand und die CDU will Vollbeschäftigung bis 2025!

Das Problem ist nur, dass dieser Zustand auf die falschen Kosten geht. Schon im Mai kritisierte der IWF die ungleiche Vermögensverteilung. Deutschland solle doch mal einen echten Kampf gegen die Ungleichheit anfangen. Und die deutsche Bundesbank sagte das schon im März 2016 und der Historiker Hans-Ulrich Wehler sagte das schon drei Jahre früher. Der beobachtete „eine drastische Steuersenkung zugunsten der Neureichen und eine rasante Aufwärtsbewegung der Einkommen und Vermögen zugunsten der oberen zehn Prozent, wobei es unten stagniert“. Also das klassische „die oben kriegen immer mehr und die unten weniger!“

Ungleiche Verteilung

Dass es trotzdem so gut läuft, liegt an Gering- und Durchschnittsverdienern. Und zwar so sehr, dass die ganzen Menschen von gerade eben das kritisieren.Nehmen wir also mal an, dass es diesen Zustand von ungleicher Verteilung gibt und das auch schlimmer wird. Wie das im Detail aussieht oder welcher Vorstand das wievielhundertfache vom Durchschnitt verdient, ist erstmal egal. Das kann man einmal googlen, dafür braucht es keinen, der das macht und hier noch einmal hinschreibt.

Fakten, Fakten, Fakten

Es geht um die Frage von Fakten und deren Darstellung. Im Mai vermeldete die Tagesschau, dass die CDU die Vollbeschäftigung bis 2025 möchte und drei Tage später kam eine Kurzmeldung: „Deutschland hat EU-weit den höchsten Zuwachs an Menschen, die arm sind, obwohl sie arbeiten.“ Die Erwerbsarmut habe sich in den Jahren unter Merkel auf 9,6 Prozent verdoppelt. Also Hauptsache jeder kehrt irgendwo, sitzt im Büro seine Zeit ab oder macht irgendwas mit Medien – wer auf dem Papier Arbeit hat, hat kein Problem. Folge sind unter anderem das sogennante „Bore Out“, also Depression aus Unterforderung und Artikel hipper Jugendseiten darüber, dass Einhörner böse sind und der Hype unberechtigt.

Regierungsberichte

Die Armuts- und Reichtumsberichte der Regierung sind auch öfter mal unbrauchbar. Wenn im Bericht steht, dass die Reichen vor allem profitieren, wird das einfach rausgestrichen – beispielsweise unter Philip Rösler. Das wäre ja nicht gut, deshalb sagt man das nicht. Die Politik hat einen Anteil an der Entwicklung. Ein Zitat aus dem aktuellen Länderbericht der EU-Kommission zu Deutschland: „Im Zeitraum 2008-2014 hat die deutsche Politik in hohem Maße zur Vergrößerung der Armut beigetragen.“

Angst vor dem sozialen Abstieg

Der Professor für Politikwissenschaft Christoph Butterwegge sagt das drastischer und behauptet, Armut werde politisch gefördert. Das beweise beispielsweise der Steuerpolitik der GroKo, die die Reichen weniger und den Rest mehr belastet. Der Soziologe Stefan Schulz folgert, die Politik regele heute vieles über Ängste vorm sozialen Abstieg. Also Angst als ein bewusstes Instrument. Butterwegge sagt, die Gesellschaft brauche Armut als Abschreckung. Die Drohkulisse vom sozialen Abstieg halte die Leistungsgesellschaft zusammen. Dieses Phänomen nennt er "funktionale Armut".

Wo sind die Aufstiegschancen?

Aber was sind die Folgen? Die Zukunft eines Menschen hängt von seiner Bildung ab und die vom Geld. Es geht also um Chancengleichheit und die Zukunft, die die deutsche Regierung damit erst einmal außen vorlässt. Dorothee Spannagel von der Hans-Böckler-Stiftung gibt an, die Aufstiegschancen für die untere Mitte der Gesellschaft hätten sich verringert, die Abstiegsrisiken sich dagegen vergrößert. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung des Bundesministeriums schlussfolgerte vor drei Jahren: Es habe eine Verlagerung oder Umverteilung von Beschäftigungsrisiken hin zu jüngeren Beschäftigten stattgefunden.

Jeder fünfte Deutsch unter 30 ist von Armut bedroht.

Da bin ich doch gespannt, wie die Zukunft aussieht.

Ein Nachschlagbeitrag mit zwei Witzen von Matthias Weinzierl
Lohnungleichheit in Deutschland

 

 

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Matthias Weinzierl
01.09.2017 - 21:39