Konferenz für Europäische Medienfreiheit

"Journalismus ist kein Verbrechen"

In Leipzig findet diese Woche eine Konferenz statt, auf der Journalisten aus ganz Europa unter anderem über soziale Medien, Zensur und Datenschutz diskutieren.
Konferenz für europäische Medienfreiheit 2016, Jane Whyatt
Jane Whyatt auf der Konferenz am 06.10.2016

Das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (European Centre for Press and Media Freedom, kurz: ECPMF) ist eine Leipziger Organisation. Wie der Name schon sagt, setzt sich die Organisation für Medienfreiheit ein und hilft Journalisten. So werden etwa gefährdete Journalisten in sicheren Unterkünften untergebracht – aber auch Weiterbildungen werden angeboten, zum Beispiel in "digitaler Selbstverteidigung". Dieses Jahr hat das Zentrum zum zweiten Mal in Folge die Konferenz für europäische Medienfreiheit ausgerichtet. Auf der Konferenz vernetzen sich Journalisten aus ganz Europa und diskutieren über Pressefreiheit. Der Journalismus befinde sich aktuell ökonomisch in keiner guten Lage, so Jane Whyatt. Sie ist die Projektmanagerin des Zentrums für Presse- und Medienfreiheit. Dafür gebe es verschiedene Gründe. Einer sei das Misstrauen gegenüber der Presse und die wachsende Präferenz für soziale Medien als Informationsquelle.

Konzentration von Macht in den Medien

Am ersten Tag der Konferenz wurde sich unter anderem damit auseinandergesetzt, was passiert, wenn viel Macht über Medien in einer Hand liegt – wie etwa aktuell in Irland. Aber auch Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch sind passende Beispiele für diese Problematik. Auch der britische Journalismus wurde betrachtet, und unter anderen eine Podcast-Reihe um den ungeklärten Mord an dem Detektiv Daniel Morgan vorgestellt. Medien des Murdoch-Medienimperiums sollen in diesen Fall verstrickt gewesen sein.

Die Teilnehmer sprachen außerdem über die Situation von Journalisten mit Migrationshintergrund sowie den Schutz von Quellen.

Zensur sozialer Medien in der Türkei

Die sozialen Medien spielten nicht nur in Bezug auf die Konsumenten eine Rolle. In der Türkei etwa werden in Bezug auf soziale Medien aktuell zwei Ausprägungen von Zensur kritisiert: Einerseits können Journalisten auf Anfrage der Regierung zum Beispiel auf twitter gesperrt werden, wenn sie sich zu kritisch äußern. Andererseits setzt die Regierung so genannte Internet Blackouts ein:

Blackouts are a form of censorship that cuts off the whole country during emergency incidents. So this might be, say, a terror attack – or let's say the coup recently – where the whole country is cut off from social media: twitter, facebook, YouTube as well. And this is often used to control the narrative. This lasts somewhere from 2 to 5 to 10 hours, and during that period the whole country can't access social media.

Alp Toker, Journalist

Der Journalist Alp Toker arbeitet für das türkische Medium "Turkey Blocks", das in Echtzeit über genau diese Blackouts informiert. Zu der Situation in der Türkei folgten heute, am zweiten Konferenztag, weitere Programmpunkte, wie eine Solidaritätsbekundung mit eingesperrten Journalisten.

Einsatz für Pressefreiheit

Das Zentrum bezieht klar Stellung zum Thema Pressefreiheit – nicht nur im Bezug auf die Türkei. Medienfreiheit brauche freie Journalisten. So eröffnete etwa Jane Whyatt die Konferenz mit folgenden Worten:

I'd like to extend a very special welcome in particular to all the journalists living under severe threat who have been brave enough to join us here. We want you to feel save and to know that you are among friends who offer you support and solidarity. Journalism is not a crime. And we stand together with all those who are persecuted for being journalists, writers, bloggers, whistleblowers, and the legal teams and campaign groups who help them.

Jane Whyatt, Journalistin und Projektmanagerin des ECPMF

Außerdem wurde ein call for action in Form eines Dokumentes unter dem Titel "Leipzig List" bzw. "Securing Press Freedom Across Europe" vorgestellt, das verschiedene Forderungen beinhaltete: unter anderem der Schutz von Whistleblowern, mehr öffentliche Debatten um Pressefreiheit sowie redaktionelle Verantwortung von Plattformen, Bekämpfung von Korruption in den Medien und Transparenz von Staatswerbung. Die "Leipzig List" wurde in Zusammenarbeit mit der European Magazine Media Association (kurz: EMMA) entwickelt. 

Konferenz für europäische Medienfreiheit 2016, Jane Whyatt, Max von Abendroth
Jane Whyatt und Max von Abendroth (EMMA) bei der Vorstellung der "Leipzig List"
 

Die Veranstaltung soll in Zukunft weiterhin stattfinden, vielleicht auch in anderen Formen als einer Konferenz.

 

Was Jane Whyatt noch über die Nutzung von sozialen Medien als Informationsquelle gesagt hat, hören Sie hier:

mephisto 97.6-Redakteurin Kaja Weber über die Konferenz zu europäischer Medienfreiheit

Voiceovers gesprochen von: Philine Kreuzer, Tim Vogel

mephisto 97.6-Redakteurin Kaja Weber über die Konferenz zu europäischer Medienfreiheit
 

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Am 07.10. wird auch der türkische Journalist Can Dündar anwesend sein. Sein Kollege Erdem Gül und er werden mit dem "Prize for the Freedom and Future of the Media" der Sparkasse Leipzig Media Foundation geehrt.

Weitere Informationen zur Konferenz finden Sie hier.