Literaturrezension

Johnny Ruin

Oft ist es eine große Herausforderung, Trauer und Depression zu überwinden. Letztendlich liegt es an jedem selbst, den Weg zurück ins Leben zu finden. Autor Dan Dalton erzählt eine solche Geschichte in seinem Buch Johnny Ruin.
Johnny Ruin Buch
Johnny Ruin - Dan Dalton

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Eine Rezension von Jenny Becker
 

In dem Buch Johnny Ruin begibt sich ein Mann auf einen Roadtrip von Kalifornien nach New York. Er befindet sich allerdings viel mehr auf einer Reise durch seinen eigenen Kopf. Depressiv und auf Ketamin begegnet er nicht nur alten Erinnerungen und verlorenen Gefühlen. Er muss sich gleichzeitig unerledigten Aufgaben und vertanen Chancen stellen. Als Unterstützung stellt ihm sein Verstand sein früheres Idol Jon Bon Jovi als mentalen Begleiter zur Seite.

Stell dir deinen Geist wie eine Landkarte vor, sagt Jon. Verschiedene Dinge liegen an verschiedenen Orten. Erinnerungen, Gedanken, Gefühle.

Dan Dalton, "Johnny Ruin"

Neben Erinnerungen an seine verlorene Liebe konfrontiert Autor Dan Dalton die Hauptfigur mit dem Verlust seines besten Freundes und der zerbrochenen Beziehung zu seinem Bruder.

Vermischen von Erinnerung und Einbildung

Die Personen, mit denen der Protagonist auf seiner Reise zu tun hat, treten nur in seinem Kopf auf. Trotzdem wirken seine Erlebnisse sehr real. Dalton versucht, vieles unklar zu lassen und zu verwirren. Ob real oder eingebildet, in New York angekommen muss er sich dem größten Hindernis seines Weges stellen. Sich selbst.

Vor uns der Ort, wo alles endet: Das Chrysler Building. Eine Silhouette hält Wache davor, eine gesichtslose schwarze Gestalt, deren Umriss ihn verrät. [...] Mein vielgesichtiges Ich.

Im Verlauf der Handlung begibt sich der Protagonist nicht nur in andere US-Staaten. Er gelangt außerdem in eine neue Gefühlslage, die er versucht, zu überwinden. Dabei sind Gewalt, Eifersucht und Lust unter anderem die Überschriften der einzelnen Kapitel.

Spannung durch Flashbacks

Dalton schafft es trotz der eher rückblickenden, sachlichen Handlung, Spannung aufzubauen. Während der Protagonist sich immer mehr seinen Schuldgefühlen und verdrängten Erinnerungen stellt, erfährt auch der Leser mehr über die Hintergründe seiner Situation.

So habe ich mich oft gefühlt - als würde ich untergehen und niemand kommt mir zur Hilfe. Wahrscheinlich ist es schwer zu sagen, ob jemand ertrinkt, wenn man selbst auf dem Trockenen steht.

In Johnny Ruin vermittelt Dan Dalton auf etwas verzerrte Art und Weise die Hilflosigkeit, die einen Menschen dazu bringen kann, sein eigenes Leben nicht mehr wertzuschätzen. Er thematisiert ein Problem, mit dem sich viele Menschen identifizieren können.

 

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