Filmrezension: Jigsaw

John, das Kunstblut ist aus!

Die "Saw"-Reihe gilt als erfolgreichste Horrorfilm-Reihe aller Zeiten. Nach dem Finale der Reihe geht die Metzel-Saga nach sieben Jahren Pause in die unglaubliche achte Runde und zersägt sich dabei wenig überraschend selbst.
Szene aus Jigsaw
Ich bin ein Star, holt mich hier...Nein, eigentlich bin ich kein Star.

Alles begann in einem dreckigen Badezimmer im Jahr 2004. Zwei Männer sind in eben diesem Raum an den Füßen angekettet und finden sich in einem perversen Spiel wieder. Angefangen als Studentenprojekt wurde der finstere Psychoschocker zu einem Sensationserfolg und zog sechs Fortsetzungen nach sich. SAW war damals eine Revolution für das Horrorgenre und der Durchbruch für das Torture Porn Genre. Eigentlich überraschend, wenn man bedenkt, dass Teil 1 nicht etwa wegen expliziter Gewalt funktionierte, sondern mit einer perfiden Versuchsanordnung und cleverer Erzählweise zu begeistern wusste, gekrönt von einer der wohl verstörendsten und überraschendsten Schlusspointen der Horrorfilmgeschichte.

Die sechs Fortsetzungen konnten dem leider wenig entgegensetzen und konzentrierten sich eher auf breit ausgewälztes Massaker, während sich die eigentliche Geschichte mit ihren konstruierten Wendungen und tausendfach verschachtelten Zeitebenen immer weiter zu einem einzigen Logikloch entwickelte. Nachdem die Reihe 2010 mit SAW 3D: Vollendung eigentlich ihr Ende fand, hat wohl niemand so wirklich erwartet, dass ein achter Teil nach so langer Pause noch einmal an das Erfolgsrezept anknüpfen kann.

Neue Folterspielchen

John Kramer alias "Jigsaw" (Tobin Bell), ein verrückter Serienkiller mit einer Vorliebe für ausgefallene Foltermaschinen, ist seit SAW III bekanntlich tot. Wie kann es also sein, dass immer noch Leichen mit der Handschrift des Killers gefunden werden? Gibt es einen Nachahmungstäter? Einen weiteren Gehilfen? Während die Polizei vor einem Rätsel steht, erwacht eine Gruppe von Leuten in einem Raum mit Metalleimern auf dem Kopf. Um ihren Hälsen befinden sich schwere Ketten, die sie unaufhaltsam gegen eine mit Kreissägen gespickte Wand ziehen. Irgendjemand möchte erneut "ein Spiel spielen"...

Wer nach dieser Beschreibung auch nur irgendwie glaubt, Jigsaw würde mit seinen Charakteren zum Mitfiebern einladen, der irrt gewaltig. Die Figuren sind mal wieder lediglich Kanonenfutter für die neuen ausgefallenen Todesapparaturen. Beim Casting scheint man nur darauf geachtet zu haben, wie gut die Darsteller schreien können, mehr bekommt man nämlich kaum geboten.

Szene aus "Jigsaw"
In diesem Raum beginnt zum achten Mal ein brutaler Todesparkour.
Wenig Hirn in der zersägten Rübe

Wenig Hirn in der zersägten Rübe

Eigentliche Hauptattraktion der vergangenen SAW-Filme waren die Fallen und Todesmaschinen. Selbst die enttäuschen aber in Jigsaw fast durchweg und man sollte es mit der Logik lieber nicht so genau nehmen, wie solche Gerätschaften überhaupt von einer einzigen Person gebaut werden könnten. Wenn eine bestimmte Figur vor einer fünf Meter hohen Todesturbine steht und behauptet, sie hätte sie mit bestellten Metallteilen aus dem Internet zusammengebaut, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Generell ergibt kaum etwas Sinn in Jigsaw. Nach sieben Jahren Pause haben die Macher nichts dazugelernt. Splatterfans wird Jigsaw ebenfalls enttäuschen. Zwar hat der Film sein FSK 18 verdient, ist im Vergleich zu allen Vorgängern aber deutlich harmloser ausgefallen. Die Kamera blendet häufig ab, der dreckige Look der Reihe fehlt komplett und auch das Kunstblut scheint den Machern in einigen Szenen dann doch zu teuer gewesen zu sein.

Das Ende und der Anfang

Natürlich darf auch in Jigsaw eine große Wendung zum Schluss nicht fehlen. Es bleibt einigermaßen interessant, wer denn jetzt der neue Mörder ist, aber jedem Kenner der Reihe wird schon nach der Hälfte auffallen, in welche Richtung sich der Film entwickeln wird. Letztendlich ist die obligatorische Pointe genau die gleiche, die dem Publikum schon in mehreren Teilen der Reihe aufgetischt wurde. Will man tatsächlich eine neue Trilogie starten, ist das doch ein äußerst ernüchternder Auftakt. Jigsaw ist ein erbärmlicher Versuch, einer bereits toten Reihe neues Leben einzuhauchen und präsentiert dabei nur ein Worst Of dessen, was alle sechs Vorgänger falsch gemacht haben.

 

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Janick Nolting
07.11.2017 - 18:02
  Kultur

SAW VIII: Jigsaw

Kinostart: 26.10.2017

Regie: Michael und Peter Spierig

Laufzeit: ca. 91 Minuten

FSK 18

Cast: Laura Vandervoort, Tobin Bell, Matt Passmore und viele mehr