HIV-Selbsttest

Jens Spahn fordert Selbsttest

Jährlich erkranken etwa 1.000 Menschen in Deutschland an HIV. Doch die Hemmschwelle, sich ärztlich behandeln zu lassen, ist immer noch hoch. Ein Selbsttest soll das jetzt ändern.
Spahn will HIV-Selbsttests frei verkäuflich zulassen
Spahn will HIV-Selbsttests frei verkäuflich zulassen

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts leben rund 90. 000 Menschen in Deutschland mit dem Human Immunodeficiency Virus (zu Deutsch: menschliches Abwehrschwäche Virus). Etwa 13.000 davon wissen nicht, dass sie infiziert sind. Allerdings lassen sich nur wenige auf HIV testen – zu groß ist die Angst vor sozialer Ausgrenzung und Zurückweisung, so Holger Wicht, Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe.
Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert daher einen Selbsttest, der ab Herbst in den Apotheken frei erhältlich sein soll. Die Deutsche AIDS-Hilfe begrüßt diesen Vorschlag. Spahn erhofft sich, dass die Hemmschwelle, sich ärztlich beraten zu lassen, gesenkt werde. In Australien, wo es den Test schon länger gibt, würde dies bereits gut funktionieren, so Holger Wicht. Es sei wichtig, dass die Infektion so früh wie möglich erkannt werde. Nur so können rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden, um eine schwerwiegende Immunschädigung zu verhindern. Mithilfe von Medikamenten und Therapien lässt sich die Krankheit eindämmen. Demzufolge ist HIV keine Todesdiagnose mehr.

HIV-Test für den Hausgebrauch

Der Selbsttest funktioniert ähnlich wie der Blutzuckercheck bei Diabetes. Mithilfe einer Stechhilfe wird ein Bluttropfen gewonnen, der anschließend auf eine kleine Plastikschüssel gegeben wird. Das Ergebnis wird in Linienform angegeben: Zwei Linien bedeuten, dass möglicherweise eine Infektion vorliegt. Allerdings kann eine Infektion erst etwa zwölf Wochen nach einer Ansteckung festgestellt werden. Zudem ist der Test sehr empfindlich eingestellt, sodass es zu falsch Diagnosen kommen. Aus diesem Grund sollte das Ergebnis noch mal ärztlich abgesichert werden.

Apotheken in Leipzig geteilter Meinung

In der Frage, wie die Apotheken die Einführung des Selbsttestes finden, spalten sich die Meinungen:

Felix Müller, von der Central Apotheke betont, dass man es von zwei Seiten betrachten sollte. Auf der einen Seite würde es der bzw. die Betroffene erst mal nur für sich wissen. Auf der anderen Seite sei die Selbstdiagnose zunächst eine starke psychische Belastung.

 Ich würde das nicht befürworten, (…) weil nicht die psychologische Betreuung vorhanden ist.

Felix Müller

Robert Hagendorf findet, dass der Selbsttest ein „guter Schritt in die richtige Richtung“ sei. Auch er hebt hervor, dass der erste Schritt am schwierigsten ist, sich selbst einzustehen, dass man einen Verdacht auf eine mögliche HIV-Infektion hat. Hagendorf könne sich gut vorstellen, dass man nach einem Selbsttest eher für einen Nachfolgetest bereit ist. Kritisch sieht Hagendorf dagegen vor allem die Preisfrage.

 

Man fühlt sich sicher zu Hause.

Robert Hagendorf

Vom Virus zur Krankheit

Der HI-Virus ist in der Regel schwer übertragbar. Übertragen wird der Virus über infektiöse Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit – insbesondere beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. Über Speichel, Tränen und Urin besteht keine Ansteckungsgefahr.  
Die Viren befallen Zellen, die für das Immunsystem essenziell sind. Die körpereigenen Abwehrkräfte werden dadurch so geschwächt, dass Bakterien, Pilze oder andere Viren nicht mehr bekämpft werden können. Somit kommt es zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie zum Beispiel Lungenentzündung.  Erst nach dem Auftreten des Krankheitsbildes spricht man von AIDS (Acqired Immune Deficiency Syndrom: erworbenes Abwehrschwäche Syndrom). Der HI-Virus bleibt nach der Infektion im Körper.

 

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Louisa Grübler
08.06.2018 - 21:08