Psyche

"Ja, mit mir stimmt was nicht"

Physisch werden die Menschen immer gesünder. Um die Psyche steht es aber nicht so gut. Wie eine Studie der Krankenkasse Barmer herausgestellt hat, leidet jeder vierte junge Erwachsene in Sachsen unter psychischen Erkrankungen.
Depressionen Grafik
Depressionen abstrakt

27 Prozent der 18 bis 25 Jährigen leiden in Sachsen an einer psychischen Erkrankung. Wie die Krankenkasse Barmer mittels einer Studie herausfand, liegt Sachsen damit sogar über dem Bundesdurschnitt. Am häufigsten diagnostiziert wurden dabei vor allem organische Krankheiten wie Bauch- oder Kopfschmerzen, die einen psychologischen Hintergrund haben. Außerdem treten oft Panikattacken und Depressionen auf. Die Zahlen waren noch nie so hoch; Depressionen seien sogar um 80 Prozent gestiegen.

Dunkelziffer wird hoch vermutet

Es ist aber unbedingt zu beachten, dass nur die Zahlen der Diagnosen beleuchtet werden. Es gibt also noch eine hohe Dunkelziffer von jungen Erwachsenen, die sich noch keine Hilfe gesucht haben. Lisa studiert und hat jahrelang unter ihren Depressionen gelitten. Sie wünscht sich bis heute, sie hätte sich früher Hilfe geholt. Doch der Schritt ist nicht immer leicht. Lisa denkt, dass viele sich keine Hilfe holen, da es erstmal eine Überwindung sei, sich einzugestehen: "Ja, mit mir stimmt was nicht", und dann nochmal eine viel größere, dass es oft mit Charakterschwäche identifiziert werde. Und die Zahl derjenigen, die sich nicht trauen, oder es einfach nicht schaffen, sich von alleine Hilfe zu holen sei hoch. Der Meinung ist Andrea Walters. Sie ist Wissenschaftliche Referentin der Ostdeutschen Therapeutenkammer. Ihr zufolge sucht sich nur einer von fünf Betroffenen Hilfe. Das Angebot an Psychotherapeuten ist bekanntlich begrenzt. Da bleibt vielen oft nichts anderes übrig, als sich woanders Rat einzuholen. Dafür gibt es zum Beispiel die Psychologische Beratung an der Universität Leipzig. Psychologische Sozialarbeiterin Beatrix Stark, agiert hier als Vermittlerin. Sie kann zwar keine Therapie geben, aber sie sorgt dafür, dass Betroffene an die richtigen Experten weitergeleitet werden.

Und wenn’s jemandem nicht gut geht, dann schau ich natürlich, dass der mit nem besseren Gefühl rausgeht."

Beatrix Stark, Psychologische Sozialarbeiterin des Studentenrates der Universität Leipzig

Dann wird häufig stundenlang rumtelefoniert, bis der Student einen Platz bei einem Therapeuten erhält. Hilfe benötigen vor allem Studenten im höheren Semester. Denn mit zunehmenden Alter der Studierenden, wächst auch die Anzahl der psychischen Erkrankungen. Andrea Walter, Wissenschaftliche Referentin der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer erklärt, dass je länger das Studium dauert, umso mehr Probleme würden sich anhäufen. Seien es finanzielle, familiäre, oder soziale Probleme. Die Existenzängste würden schneller zunehmen.

 

Zu wenig Hilfe für Nicht-Studierende

Bei den jüngeren Personen erkranken vor allem Nicht-Studierende. Dabei geht man davon aus, dass der Umschwung von Schule auf Arbeit viel Stress verursacht. Und nur wenige Betriebe bieten eine psychologische Beratung an. Wer dann keinen Platz beim Therapeuten findet, dem bleibt nur noch die Tagesklinik. Hier wird man in einer geschlossenen Psychiatrie von morgens bis nachmittags therapiert. Auch Lisa ist diesen Weg gegangen. Sie beschreibt ihre Erfahrungen als den "anstrengendsten Monat ihres Lebens". Sie würde es aber immer wieder tun und kann es nur jedem empfehlen. Durch die Therapie hat sie gelernt, wo ihre Toleranzgrenze liegt und dass sie diese respektieren muss.

 

Psychische Gesundheit = Körperliche Gesundheit

Generell würde sie sich wünschen, dass man sich mehr mit seiner Seele beschäftigt. Man soll sie als Organ sehen. Wenn man einen gebrochenen Arm hat, geht man ja schließlich auch zum Arzt.

Solange es keine offene, klaffende Wunde ist oder Arm abgefallen ist, denken alle du bist gesund“.

Lisa, Studierende

Wichtig ist, dass psychische Erkrankungen nicht mehr stigmatisiert werden. Man sollte schon im Kindesalter anfangen, präventiv darüber aufzuklären. Dann wären die Zahlen der psychisch Erkrankten im Alter vielleicht auch niedriger.

 

Den Beitrag finden Sie hier zum Nachhören:

Junge Erwachsene erkranken immer häufiger an psychischen Erkankungen - ein Beitrag von Lena Jansen
1505 Psyche bei jungen Erwachsenen

 

 

 

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