Interview: Axel von Kakkmaddafakka

"It's More About The Feelings"

Mit 'Hus' hat die norwegische Indie-Band mittlerweile schon ihr fünftes Album veröffentlicht. Wir haben mit Axel Vindenes, dem Sänger von Kakkmaddafakka über sein neues Trap-Projekt, seine Heimatstadt Bergen und gestohlene Motorräder geredet.
Axel Vindenes aka Wild Nature am Haus Auensee.

'Hus' ist norwegisch und bedeutet ins Deutsche übersetzt: Haus. Genau diesen Titel trägt auch das fünfte Studioalbum von Kakkmaddafakka. Bedeutet das etwa, dass die Bergener nach 14 Jahren Bandgeschichte ruhig und gesetzt geworden sind? Wohl kaum! Auf Konzerten machen Kakkmaddafakka ihrem Ruf als Indie-Partyband immer noch alle Ehre. Das Album hat die fünfköpfige Band in einer alten Villa in Bergen aufgenommen – daher auch der Name.

Auf 'Hus' finden sich Kakkmaddafakka-typische Partysongs wie 'Neighbourhood', in denen die Band auch mal die Nase voll vom Kleinstadt-Flair in Bergen hat. Aber auch zart-melancholische Balladen wie 'Holding Me Back', die von zerbrochenen Beziehungen erzählen. Das Cover von 'Hus' hat Axel Vindenes, Sänger und Gitarrist von Kakkmaddafakka selbst gemalt.

Ob sich bei Axel eine Karriere als Maler anbahnt, er sich je vorstellen könnte, Bergen zu verlassen und was er schon alles so geklaut hat, können Sie hier im Interview hören:

Musikredakteurin Sophie Boche im Gespräch mit Axel Vindenes von Kakkmaddafakka.
 

Malereien und Trap

Axel, du hast ja das Cover von eurem neuen Album 'Hus' gemalt – hast du jemals über eine Karriere als Maler nachgedacht?

Ja, ich male immernoch sehr viel. Ich liebe das sehr. Ich verkaufe auch ein paar Bilder. Das ist ein ziemliches Abenteuer für mich.

Also quasi deine zweite Leidenschaft neben der Musik?

Ja, auf jeden Fall. Es ist die perfekte Kombination mit Musik, weil für mich Malerei sehr konkret ist. Es ist etwas, dass du anfassen kannst. Während Musik unantastbar ist. Deswegen ist sie so magisch. Malereien sind auch magisch, aber in einer anderen Art und Weise. Für mich sind diese beiden Dinge gut kombinierbar.

Dein Bruder Pish hat letztes Jahr zwei Songs solo veröffentlicht – habt ihr in der Band eigentlich noch mehr Soloprojekte geplant?

Ja, Pish veröffentlicht sein Soloalbum im März. Und ich werde ein Rapalbum veröffentlichen. Ja, ich habe auch angefangen zu rappen und das liebe ich auch.

An was orientierst du dich da so?

An Trap-Rap. Die Atlanta-Szene ist da sehr inspirierend für mich.

Außer der Musik – was hält dich und die anderen aus der Band beschäftigt?

Manche von uns haben Kinder und das nimmt für sie sehr viel Zeit in Anspruch. Außerdem gibt es sehr viele Dinge, die wir gerne tun – In den Bergen wandern gehen, manche studieren, andere organisieren Konzerte und spielen in verschiedenen Bands. Fast jeder von uns hat noch andere Bands, in denen er spielt.

 

Hus
Das Albumcover zu Hus hat Axel selbst gemalt.

"It rains a lot"

Deine Heimatstadt Bergen ist ziemlich bekannt für die Musikszene dort. Es gab ja zum Beispiel eine eigene Bewegung, die die Medien 'New Bergen Wave' nannten. Ist gerade in Bergen musikalisch eigentlich immernoch so viel los?

Ja, so viel wie noch nie. Nicht so viele Bands, aber wir haben zwei sehr gute Solokünstler Sigrid und Aurora aus Bergen. Außerdem gibt es Kygo, den DJ. Alan Walker ist aus Bergen. Und außerdem ein Haufen anderer Bands. Es passiert gerade sehr viel in Bergen, es ist ein sehr besonderer Ort.

Warum denkst du, ist es so besonders dort?

Keine Ahnung. Vielleicht wegen dem Regen. Die Leute haben viel Zeit drinnen zu bleiben.

Euer Song Neighboorhood handelt ja auch von Bergen – und ihr singt darüber, dass euch alle in der Stadt kennen, nachdem ihr jahrelang dort wohnt. Habt ihr eigentlich jemals darüber nachgedacht, Bergen zu verlassen?

Ich glaube, niemand verlässt Bergen für immer, aber es gibt ein starkes Bedürfnis nach einem Ort mit viel Sonne, besonders für mich. Deswegen werde ich nach Italien gehen und ein Haus da haben und eben auch Zeit in Italien verbringen.

"We want to make good songs - We need to use the strongest feelings"

Die Lyrics in 'Hus' handeln vor allem von Liebe – sind die Liebesprobleme etwas, was euch die ganze Zeit beschäftigt oder hängt es damit zusammen, dass Bergen so klein ist und man bestimmte Leute immer und immer wieder trifft?

Wenn es zu den Songs kommt – Was macht einen guten Song aus? Du kannst versuchen einen guten Song über etwas anderes als Liebe zu machen. Und ich bewundere dich dafür, wenn du es schaffst einen guten Song zu machen. Aber ich versuche über starke Gefühle zu singen. Das ist es, was wir versuchen zu machen. Gar nicht so sehr über Liebe oder Liebesprobleme, sondern mehr über Gefühle. Und die sind oft verbunden mit Liebe. Und deswegen wird es am Ende so. Wir wollen gute Songs machen, also müssen wir die stärksten Gefühle dafür nutzen.

Es gibt einen Song auf eurem Album, der den Titel 'Summer Melancholy' trägt. Ist Sommermelancholie in Norwegen ein sehr präsentes Thema, weil die Winter dort so lang und dunkel sind?

In Bergen hatten wir keinen richtigen Sommer seit zwei Jahren. Im Juli waren es 13 Grad. Und traurige Dinge sind passiert. Deswegen war es auch eine traurige Zeit für mich.

Beeinflusst das kalte Wetter eure Kreativität als Künstler?

Es ist schwer sich da selber einzuschätzen. Aber vielleicht ja. Wenn das Wetter schön ist, musst du keinen traurigen Song schreiben. Und du hast auch gar nicht die Zeit dafür, weil du willst einfach nur nach draußen und rumhängen. Und das beeinflusst dann wieder die Kunst, denke ich.

"We had to teach people how to be at a Kakkmaddafakka concert"

Heute ist euer allerletzter Stopp auf eurer Tour durch Mexico, Spanien und Deutschland – Nehmt ihr eigentlich immernoch neue Erfahrungen auf euren Touren mit oder ist das meiste schon Routine nach all den Jahren?

Es gibt schon eine Routine, das muss ich zugeben. Aber es passieren trotzdem jedes Mal viele neue Sachen. Du siehst bestimmte Dinge von einer anderen Seite und es ist auch ein gutes Gefühl nicht total beeindruckt von allem Neuem zu sein – du fühlst dich normal und wohl. Und das macht es einfacher dich zu fokussieren auf die Shows. Jeden Tag kommen neue Erfahrungen dazu.

Was waren die neuen Erfahrungen, die du dieses Mal dazugewonnen hast – Gab es da ein Highlight?

Für mich ist es ein Highlight, dass neue Leute kommen und sie eine Verbindung zum neuen Album haben. Auf den Konzerten singen die Leute schon zu allen Songs. Und für mich ist das etwas Magisches. Wir haben Leute, die kommen zu Konzerten sechs-, siebenmal und auch Leute, die zum ersten Mal da sind. Das schafft eine wirklich gute Energie. Denn alle, die schon öfter auf unseren Konzerten waren, zeigen den neuen Leuten, wie man auf einem Kakkmaddfakka-Konzert ist. Am Anfang von Kakkmaddafakka mussten wir einige Jahre den Leuten zeigen, wie man auf einem Kakkmaddafakka-Konzert ist. Und jetzt wissen das viele Leute.

Gab es jemals einen Plan B, falls die Band nicht geklappt hätte?

Ich nehme jeden Tag als eine Möglichkeit, ich denke nie über die Zukunft nach. Ich galube daran, dass ich alles tun kann, was ich will. Aber wir haben nunmal die coole Sache gewählt – und das ist die Band. Bands sind eine sehr coole Sache. Aber ich mag das Malen sehr. Deswegen werde ich das den Rest meines Lebens machen.

Kakkmaddafakka
Die Jungs von Kakkmaddafakka in ihrer Heimatstadt Bergen.

Von Grillhühnchen zu Motorrädern

Was ist das komischste, das ein Fan jemals vor die getan hat?

Weinen

Was ist das komischste, das du je gestohlen hast?

Ich habe echt viel Zeug gestohlen.

Ok, dann deine Top 3?

Hühnchen. Ich hab mal Hausverbot bekommen, weil ich Hühnchen geklaut hab.

Aber kein lebendes Huhn, oder?

Nee, Grillhühnchen. Das war peinlich. Da war ich erst 13.

Aber ich hab hauptsächlich coole Sachen geklaut. Ich hab mal ein Motorrad geklaut.

Aber haben sie dich erwischt danach?

Nee, ich hab es geschrottet bei einem Unfall. Ich bin fast gestorben. Ich hatte keinen Helm und hab die Straße außer Acht gelassen. Bin einfach geradeaus auf eine Hauptstraße gefahren und jemand ist von der Seite in mich reingefahren. Ich bin ungefähr fünf Meter geflogen und dann wurde ich ohnmächtig. Und lag auf dem Boden. Seitdem schiele ich manchmal.

Und dann bist du im Krankenhaus aufgewacht?

Nein, ich bin auf der Straße aufgewacht. Und dann musste ich rennen, weil ich ja nicht alt genug war ein Motorrad zu fahren.

Und das Motorrad war gestohlen?

Und das Motorrad war gestohlen! Also bin ich weggerannt und musste meinen Eltern erzählen, ich bin auf Eis ausgerutscht.

Und sie haben dir geglaubt?

Ja, aber ich war ziemlich hart verletzt.

Wie alt warst du da?

Ich war erst 14.

Und du wusstest, wie man das fährt?

Ja, ich hab mein erstes Moped bekommen, als ich acht war. Und ich hab auch mit acht gelernt, wie man ein Auto fährt.

Wow, ich konnte das noch nicht mal richtig mit 18.

Ich bin durch meine Führerscheinprüfung durchgefallen. Ich musste es zweimal machen – Theorie und Praxis. Scheiß Mathe.

Ich bin auch durchgefallen. Ich bin am Stoppschild vorbeigefahren.

Ich bin in eine Straße gefahren, in die Einfahrt verboten war. Wir haben fast das Gleiche gemacht.

Wer war dein Kindheitsheld?

MacGyver.

"I wear and tear"

Dein liebstes Kleidungsstück, das du nie weggeben würdest?

Ich verliere alles. Ich habe nichts, woran ich sehr hänge. Aber ich habe eine Cap, die ich beim ersten Kakkmaddafakka-Konzert getragen habe.

Warum verlierst du die Sachen immer?

Weil sie mir nicht wichtig sind. Es ist nicht so, dass ich es verliere, ich nutze es ab. Schau meine Hosen an, sie sind voller Farbe.

Was ist die schlimmste Wette, die du jemals verloren hast?

Ich habe einiges an Geld verloren bei einer Fußball-Wette. Das waren um die tausend Euro. Bei einem Spiel. Aber hätte ich es gewonnen, hätte ich so um die zehntausend Euro bekommen. Aber ich habe nicht gewonnen.

"I'm a nice guy"

Was ist das verrückteste, was du jemals betrunken getan hast?

Ich mache viel verrücktes Zeug, wenn ich betrunken bin. Das hier ist Jahre her, ich mache das nicht mehr, aber ich bin früher viel in Häuser eingebrochen. Einmal gab es diesen Türsteher, den wir nicht mochten. Und wir haben ziemlich viele Eier gekauft und sie auf diesen gefährlichen Typen geworfen. Dann mussten wir rennen. Sonst hätte er uns in den Arsch getreten. Ich bin ein schneller Läufer, ich bekomme nie Schwierigkeiten. Aber das ist Jahre her. Jetzt bin ich ein erwachsener Mann. Ich bin ein netter Typ.

Was ist dein liebster Guilty Pleasure Song?

Ich habe keine Guilty Pleasures – ich habe nur Pleasure. Ich weiß wie der Begriff gemeint ist, aber alle meine Lieblingssongs sind 'Guilty Pleasures'. Ich mag Forever Young von Alphaville. Ist das ein Guilty Pleasure?

Guilty Pleasure ist wirklich eine schwierige Bezeichnung, weil -

Es funktioniert nicht mehr.

Stimmt.

Es ist eine 10 Jahre alte Bezeichnung – out of fashion. Alles hat sich geändert in der Art und Weise, wie Leute Musik hören. Sie hören einfach gute Musik. Und es ist egal, ob es Techno ist oder ein Song von einem Trickfilm oder etwas Klassisches. Solange es gut ist, ist es gut.

 
 

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