Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

Integrieren für die Wirtschaft

Während einige glauben ihr Arbeitsplatz sei in Gefahr, stellt sich auf dem Arbeitsmarkt gleichzeitig ein Fachkräftemangel ein. Die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt bietet Chancen, bleibt aber eine Herausforderung.
Gut ein Drittel aller Geflüchteten war im vergangenen Jahr beschäftigt

Für Frank Basten ist es ein Glücksfall. Der Geschäftsführer der Unternehmensberatung RealLab schafft 2018 eine Ausbildungsstelle – und kann sie gleich besetzen: mit Abdul aus Syrien.

Abdul ist aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Nach einem Praktikum im kaufmännischen Bereich absolviert er bei RealLab nun eine Ausbildung zum Mediengestalter. Abduls Fluchthintergrund hat bei der Einstellung für seinen Chef Frank Basten keine Rolle gespielt.

Wir haben nach einer geeigneten Person gesucht und, dass das ein Flüchtlingshintergrund ist war zweitrangig.

Frank Basten, Geschäftsführer RealLab UG

Immer mehr Geflüchtete finden wie Abdul über eine Ausbildung den Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt. Von Oktober 2017 bis September 2018 waren mehr als 38.000 Geflüchtete als Bewerbende für eine Berufsausbildung gemeldet, 45 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Dennoch bleibt die Arbeitsmarktintegration schwierig.

Sprache als Hindernis

Dr. Yuliya Kosyakova ist Wissenschaftlerin am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Sie beschäftigt sich unter anderem mit den Hürden, auf die geflüchtete Menschen immer wieder stoßen. Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft seien ihrer Meinung nach Sprachkenntnisse. Investitionen in diesem Bereich seien besonders wichtig. Außerdem müsste Unterstützung in Bezug auf Qualifikationen und Bildung geleistet werden.

Doch selbst wenn Geflüchtete eifrig Deutsch lernen: Neben einem Beschäftigungsverbot in den ersten drei Monaten bleibt der Aufenthaltsstatus während des Asylverfahrens unsicher. Dies erschwert den Zugang zum Arbeitsmarkt zusätzlich - und damit auch den Weg zur finanziellen Unabhängigkeit.

Ein Arbeitsplatz kann auch zur gesellschaftlichen Integration beitragen, findet Yulia Kosyakova. Zwar könne nicht gesagt werden, dass mit einem Arbeitsplatz die gesellschaftliche Integration Kausal gegeben sei, jedoch bestehe durchaus ein positiver Zusammenhang.

Ein Arbeitsplatz ist eine Erleichterung für eine gesellschaftliche Integration.

Yuliyas Kosyakova, Wissenschaftlerin IAB

Es fehlt an Personal

Zum gesellschaftlichen kommt außerdem ein wirtschaftlicher Faktor: Prognosen der Hochschule Coburg gehen von über 250.000 Fachkräften aus, die der deutschen Wirtschaft in Zukunft jährlich fehlen werden. Frank Basten sieht in der Zuwanderung eine Chance, diesem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Er glaubt, dass es in Zukunft deutlich schwerer werden wird für Unternehmen Mitarbeiter zu finden.

Es wird mit Sicherheit auch schwerer werden zukünftig für viele Unternehmen überhaupt Mitarbeiter zu finden. Insoweit liegt es uns auch am Herzen gesellschaftspolitisch was machen zu wollen.

Frank Basten, Geschäftsführer RealLab UG

Diese Arbeitsmarktsituation hat auch in den letzten Jahren schon dafür gesorgt, dass mehr Geflüchtete Arbeit gefunden haben, als zuvor angenommen. Gut ein Drittel aller Geflüchteten war laut Arbeitsagentur im vergangenen Jahr beschäftigt: Tendenz rapide steigend. Laut Yulia Kosyakova hätten verschiedene Studien verschieden starke positive Effekte auf den Arbeitsmarkt festgestellt. Wichtiger als das sei aber ohnehin was die Gesellschaft bei einer Nichtintegration verliere.

Am Ende des Tages geht um eine humanitäre Migration. Die gegebenenfalls wichtigere Frage ist: Was verlieren wir durch eine Nichtintegration?

Yuliyas Kosyakova, Wissenschaftlerin IAB

Um mehr Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integrieren zu können, müssen aber zunächst einige Hindernisse überwunden werden. Dazu gehören Sprachbarrieren und mangelnde Bildung. Von einer Arbeitsmarktintegration könnten letztlich alle profitieren: Wirtschaft, Gesellschaft – und nicht zuletzt die Geflüchteten selbst.

Der Beitrag zum Nachhören:

Die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten - ein Beitrag von Finn Sasse
Arbeitsmarkt Integration von Geflüchteten
 

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