#Diskriminierungist...

Integration als Teil der Vereins-DNA

Nicht jeder kann so einfache Sport genießen – egal ob im TV oder live vor Ort. mephisto 97.6 Redakteur Linus-Benedikt Zosel hat mit Jörg Augsburg, dem dem Pressesprecher der BSG Chemie Leipzig darüber gesprochen.
Heimspiel der BSG Chemie im Alfred-Kunze-Sportpark
mephisto 97.6 Redakteur Linus-Benedikt Zosel im Gespräch mit Jörg Augsburg, Pressesprecher der BSG Chemie Leipzig.
2506 IV BSG

mephisto 97.6: Wie weit setzt sich der Verein denn für Inklusion und Integration ein?

Jörg Augsburger: Das sind ja zwei verschiedene Themen. Also Inklusion muss man ganz klar sagen, ist für uns kein großes Thema. Ich meine, wir sind ja im Wesentlichen ein Fußballverein und haben tatsächlich mit dem Thema bisher relativ wenig Berührungspunkte gehabt. Bei der Integration sieht das natürlich ganz anders aus. Also gerade wenn wir die Situation von Migranten in der Stadt sehen, dort haben wir etliche in den Nachwuchsmannschaften drin und es gibt auch einige Initiativen, die sich mit dem Thema beschäftigen, was uns natürlich auch am Herzen liegt. Das liegt in unserer Verein-DNA begründet. Unsere Leitlinien sagen ja aus, dass wir eine solidarische Gemeinschaft im Umfeld haben wollen. Wir stehen für Offenheit und Toleranz und auch für Antirassismus und da gehört das Thema Integration natürlich auf jeden Fall mit rein.

Sie sagten ja, Integration spielt eine große Rolle, mit der Inklusion hätten sie jedoch weniger Berührungspunkte. Gibt es denn Bemühungen, diese beiden Aspekte in Zukunft stärker zu fördern?

Man muss ja auch verstehen, wie wir als Verein arbeiten, das wird ja alles ehrenamtlich gemacht. Das heißt, wir bearbeiten zuerst das, was dringend anliegt. Das Problem Inklusion ist uns als Thema noch gar nicht so untergekommen. Also wir haben jetzt keine aktiven Bemühungen, Menschen mit Benachteiligung zu integrieren. Wir hatten aber auch noch nie einen Fall, wo wir uns mal richtig Gedanken machen mussten, wie wir das machen wollen. Das liegt einerseits natürlich an der Sportart Fußball die wir betreiben. Und wir sind im Prinzip ein reiner Fußballverein. Das heißt wir haben keine Sportarten, bei denen körperlich behinderte Menschen tatsächlich mitspielen würden. Allerdings bei unserem Nachwuchs kann natürlich auch jeder mitspielen. Also es gibt da keine Grenzen oder sowas. Wir haben den Leistungsgedanken, der dann ja den Gedanken der Inklusion erst nötig macht. Der fängt bei uns ja erst mit den U17 und U19-Mannschaften an. Also in den kleineren Mannschaften kann jeder kommen und mitspielen der Lust und Zeit hat.

Jetzt nochmal kurz weg von den Mitgliedern in ihrem Verein und hin zu den Fans. Es gibt ja sicher einige Fans mit einer Sehbeeinträchtigung. Andere Leipziger Sportvereine bieten da ja Audiodeskription an, um das Spielerlebnis im Stadion besser zu ermöglichen. Wäre das vielleicht in Zukunft für den Verein ein interessanter Punkt?

Scheitern kann das natürlich immer an den Kapazitäten, die unser Verein hat. Wir sind schon der Amateurverein in Leipzig, der das größte Medienteam hat. Aber jede weitere Aktivität in diesem Bereich muss natürlich auch mit Leuten besetzt werden und das ist tatsächlich ein Problem. Bei uns ist eben alles ehrenamtlich und das muss auch gestemmt werden. Wir hatten aber auch solche Anfragen bislang noch nicht und wir sind ja auch nicht im Zentralstadion, wo man auf den obersten Plätzen nichts mehr sieht. Bei uns ist ja alles nah dran und wir haben ja auch Rollstuhlplätze, die direkt am Rasen sind. Aber solche konkreten Anliegen hatten wir tatsächlich noch nicht. Aber wenn jemand sowas hat, dann soll er natürlich zu uns kommen und wir versuchen da, die Situation auch zu verbessern.

Finden Sie denn, dass neben den beiden großen Themen Inklusion und Integration jetzt auch die Gleichstellung von Mann und Frau mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte?

Inklusion, Integration und Gleichstellung sind wünschenswerte Anliegen aber es gibt da noch große Unterschiede was den Stand angeht. Ich denke, dass der Sport in Sachen Inklusion schon sehr viel weiter ist als in Sachen Integration und Gleichberechtigung ist da ein ganz anderes Thema. Da sind wir ganz klar noch nicht so weit. Da nehme ich uns selbst als Verein auch nicht aus. Auch bei uns sind die Gremien vorwiegend männlich besetzt und wir haben auch keine Frauenmannschaft. Aber natürlich wäre es wünschenswert, dass der Anteil an Frauen deutlich höher ist, als er das im Moment ist. Gerade im Fußball ist das auch ein drängendes Problem.  

 

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