Beschäftigungsquote nicht eingehalten

Inklusion fehlgeschlagen?

In Deutschland gibt es eine Beschäftigungsquote für schwerbehinderte Menschen von fünf Prozent. Die wenigsten Unternehmen in Sachsen halten diese ein. Was kann dagegen unternommen werden?
Die Beschäftigungsquote für Menschen mit Behinderung wurde in Sachsen nicht eingehalten.
Die Beschäftigungsquote für Menschen mit Behinderung wurde in Sachsen nicht eingehalten.

Laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit fand 2016 nur knapp jeder fünfte schwerbehinderte Arbeitslose einen neuen Arbeitsplatz.Obwohl es eine gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquote für schwerbehinderte Arbeitnehmer von fünf Prozent gibt, halten nur wenige Unternehmen diese ein. In Sachsen liegt die Quote durchschnittlich bei 4,1 Prozent, in Leipzig sogar nur bei 3,5 Prozent. Wenn diese gesetzliche Quote nicht erfüllt ist, muss der betreffende Arbeitgeber eine Strafe, die Ausgleichsabgabe zahlen. So entsteht der Eindruck, dass sich einige Unternehmen lieber frei kaufen, als Menschen mit Behinderung einzustellen. 

Vorurteile unter den Arbeitgebern

Aber woran liegt das? Sowohl Astrid Jaehn, Sprecherin des Unternehmensforums als auch Silvia Helbig vom Deutschen Gewerkschaftsbund betonen, dass es dafür mehrere Gründe gibt. Zum einen scheuen sich viele, vor allem mittelständische Unternehmen, vor dem damit verbundenen bürokratischen Aufwand. Größere Konzerne sind sogar gezwungen sogenannte Behindertenbeauftragte einzustellen. Des Weiteren haben die meisten Arbeitgeber noch immer große Vorurteile gegenüber behinderten Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen. Das Sozialministerium möchte mit diesen Vorurteilen aufräumen:

Ganz im Gegenteil. Aus unserer Erfahrung heraus wissen wir, dass viele Menschen mit Behinderung besonders engagierte Arbeitnehmer sind, die mitunter auch sehr lange dafür gekämpft haben einen Arbeitsplatz zu bekommen. […] Sie sind wertvolle Fachkräfte für Unternehmen.

Annett Hofmann, Sozialministerium

Strengere Regelungen

Sabine Zimmermann, Bundestagsabgeordnete der Linken findet, dass genau da angepackt werden muss. Es solle mehr Klarheit darüber herrschen, dass auch Menschen mit Behinderung eine vollwertige Ausbildung genossen haben und gleichwertige Arbeit leisten können, wie Angestellte ohne Behinderung. Vor allem aber sollten die Gesetze strenger geregelt werden:

Hier, glaube ich, muss man diese gesetzliche Beschäftigungsquote wieder neu regeln. Wir brauchen sechs Prozent und die sogenannte Ausgleichsabgabe muss natürlich erhöht werden.

Sabine Zimmermann (Die Linke)

André Wendt, Landtagsabgeordneter der AfD - hat jedoch Einwände gegen die Erhöhung der Ausgleichsabgabe und bevorzugt ein weniger hartes Vorgehen:

Ich weiß nicht, ob man mit Zwang in den privaten Arbeitsmarkt eingreifen sollte und hier auch die Ausgleichsabgabe erhöhen sollte. Man sollte erstmal versuchen andere Maßnahmen greifen zu lassen.

André Wendt, AfD

Redakteurin Joana Sulikowska mit weiteren Informationen zu diesem Thema: 

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Joana Sulikowska.
 
 

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Luise Tasler
24.08.2017 - 20:32