Wohnraumangebot

Immer weniger Wohnraum in Leipzig

In Leipzig wird der Wohnraum nach wie vor knapper, die Wohnungspreise und -Mieten steigen weiter. In einem Positionspapier hat sich der Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt zu Ursachen und Lösungsansätzen der Wohnungsknappheit geäußert.
Ein Bagger bei der Arbeit
Die Stadt setzt auf sozialen Wohnungsbau um für niedrigere Mietpreise zu sorgen.

Leipzig erfreut sich auch weiterhin großer Beliebtheit – das spiegelt sich auch in den hohen Zuzugszahlen wieder, welche der Stadt jüngst wieder den Titel der am größten wachsenden Großstadt Deutschlands einbrachten. Die wachsende Bevölkerungszahl Leipzigs ist begleitet von kontinuierlichem Wohnungsbau.

Das beständig wachsende Wohnraumangebot kann mit der noch schneller ansteigenden Nachfrage allerdings nicht mithalten. Seit Jahren schlägt sich die größer werdende Schere zwischen Angebot und Nachfrage auch in den Mietpreisen nieder: Laut Berichten der LVZ sind die Mietpreise in Leipzigs Neubauten im Zeitraum 2013 bis 2016 im Durchschnitt von sechs auf zehn Euro pro Quadratmeter gestiegen. Die Mietpreissteigerung stellt die Stadt vor große Herausforderungen – denn Bedarf besteht insbesondere im unteren Preissegment.

Hauptursachen "Versingelung" und Landflucht

Hauptgrund für den Nachfrageüberschuss auf dem Leipziger Wohnungsmarkt ist die hohe Zahl der Zuzügler. Diese kommen etwa aus westdeutschen Großstädten, oder aber, einem Trend der Reurbanisierung folgend, der ländlichen Region in die Stadt. Neben den Wanderungsgewinnen tragen auch standortunabhängige gesellschaftliche Trends zur Knappheit des Wohnungsangebotes bei.

In ihrem Positionspapier zum Thema nennt der Bauindustrieverband unter anderem den demografischen Wandel sowie die „Versingelung“ deutscher Haushalte als Gründe der zunehmenden Schere zwischen Wohnraumnachfrage und -angebot. So würden Haushalte hinsichtlich ihrer Bewohnerzahl immer kleiner, während der durchschnittliche Wohnraum einzelner Bewohner immer größer würde. Laut Berichten der LVZ machen Ein-Person-Haushalte in Leipzig bereits 53,6 Prozent aus.

Lösungsansätze – sozialer Wohnungsbau

Die Wohnungsknappheit stellt die Stadt vor eine große Herausforderung: Bezahlbarer Wohnraum muss her. Dem Bedarf an Wohnraum im unteren Preissegment begegnet die Stadt mit ihrem wohnungspolitischen Konzept. Dieses sieht die Umsetzung eines landesweiten Förderprogrammes sozialen Wohnungsbaus vor. Dadurch soll langfristig die Angebotsmiete gesenkt werden. Im Zuge der sozialen Wohnraumförderung der Stadt sollen innerhalb der nächsten drei Jahre insgesamt 20 Millionen Euro in Sanierungs- und Neubauprojekte investiert werden. Im Rahmen dieses Projektes können Bauherren Zuschüsse für den Wohnungsneubau oder die Sanierung leer stehender Mietwohnungen beantragen, welche anschließend mietpreis- und belegungsgebunden angeboten werden.

Laut dem Positionspapier wurde lange auf den sozialen Wohnungsbau als preisminderndes Instrument zurückgegriffen. Erst seit 2006 seien derartige Instrumente stark vernachlässigt worden. Statt der Wohnungsschaffung sei die qualitative Anpassung bestehender Wohnungen an zeitgemäße Bedürfnisse in den Vordergrund gerückt. So habe der Anteil an Wohnungen mit Sozialbindung in Sachsen im Zeitraum von 2010 bis 2016 um 91,6 Prozent abgenommen.

Mehr zum Thema erfahren Sie im Studiogespräch zwischen mephisto 97.6-Redakteur Thomas Tasler und Moderatorin Eva Wittekind:

Moderatorin Eva Wittekind im Gespräch mit mephisto 97.6 Redakteur Thomas Tasler.
1508 SG Wohnungsbau
 

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Justus Jost
16.08.2017 - 16:07