Kinostart von "Fences"

Im Gefängnis der geplatzten Träume

Mit vier Nominierungen steigt die Theaterverfilmung "Fences" in das diesjährige Oscar-Rennen ein. Inszeniert wurde das packende Drama von keinem geringeren als Denzel Washington.
Viola Davis und Denzel Washington in "Fences"
Denzel Washington und Viola Davis als verzweifeltes Ehepaar

Fences basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von August Wilson und ist Teil seines zehnteiligen "Pittsburgh-Zyklus". In ihm erforscht er in je einem Stück für jedes Jahrzehnt das Leben der afroamerikanischen Bevölkerung im 20. Jahrhundert. Die Handlung von Fences ist in den 50er Jahren angesiedelt und dreht sich um die Familie von Troy Maxson (Denzel Washington). Troy hatte früher den Traum, ein professioneller Football-Spieler zu werden. Doch sein Traumberuf wurde ihm aufgrund seiner Hautfarbe verwehrt und als es Schwarzen endlich erlaubt war, Football zu spielen, war er bereits zu alt für eine Karriere. So versucht Troy nun als Müllmann, seine Familie über Wasser zu halten. Trotz der Bestrebungen, seiner Frau Rose (Viola Davis) ein guter Ehemann und ein fürsorglicher Familienvater zu sein, trauert er seiner eigenen Vergangenheit nach und zerstört so unbewusst seine Familie. Er sabotiert die Karriere seines Sohnes, weil er nicht will, dass dieser erfolgreicher wird als sein Vater - auch seine Beziehung zu Rose verschlechtert sich zunehmend.

Eine weitere Rassismus-Geschichte?

Hört man die Handlung des Films, klingt Fences zunächst nach einem weiteren Rassismus-Drama. Solche Filme sind besonders bei den Oscars in nahezu jedem Jahr dominant. Erst 2014 gewann mit 12 Years a Slave, ein solcher Vertreter, in der Kategorie "Bester Film". Während der Großteil dieser Filme die Charaktere als bemitleidenswerte Opfer der rassistischen Gesellschaft inszeniert, schlägt Fences eine überraschend andersartige Richtung ein. Hier dient der Rassismus nur als Aufhänger für die Geschichte. Natürlich haben die gesellschaftlichen Umstände die Charaktere geprägt und sie zu dem gemacht, was sie sind. Jedoch sind die Charaktere in Fences vielmehr Opfer ihrer eigenen Handlungen. Besonders Troy Chandler als Familienvater ist so ambivalent gezeichnet, dass man als Zuschauer kaum weiß, ob man ihn lieben oder hassen soll. An Denzel Washingtons Seite brilliert Viola Davis als dessen Ehefrau. Beide schlüpfen nun schon zum zweiten Mal in ihre Rollen, nachdem sie bereits 2010 in der Broadway-Fassung des Stückes zu sehen waren. Viola Davis bleibt dabei lange Zeit in ihrer stillen Mutterrolle. Wenn jedoch schließlich der angestaute Frust aus ihr herausbricht und das Paar verzweifelt um seine Ehe kämpft, nimmt der Film tragische Ausmaße an, die wohl niemanden kalt lassen dürften. Eine eindringlichere Charakterstudie war lange nicht mehr auf der Leinwand zu erleben!

Nicht nur für Theaterfans!

Man merkt Fences an, dass der Text ursprünglich für die Bühne verfasst wurde. So spielt sich fast die ganze Handlung im Hinterhof des Hauses der Familie ab. Gerade dieser begrenzte Schauplatz macht das Geschehen jedoch so intensiv. So wirkt das Grundstück der Maxsons immer mehr wie ein Gefängnis, in dem sich die Figuren ihren bisherigen Lebenslügen stellen müssen. Man muss sich als Zuschauer natürlich darauf einlassen, die Dialoge bzw. Monologe in den mitunter etwas anstrengenden 140 Minuten zu verfolgen. Nichtsdestotrotz ist das Drehbuch von August Wilson so überragend geschrieben, dass man den Film auch uneingeschränkt Leuten empfehlen kann, die nicht so oft ins Theater gehen. Allein wegen der starken schauspielerischen Leistungen lohnt sich der Gang ins Kino.

Fences ist das einzige der zehn Theaterstücke, zu dem Wilson selbst eine Drehbuchfassung geschrieben hat. Denzel Washington plant jedoch, auch die anderen Stücke von Wilsons Zyklus zu verfilmen.

Redakteur Janick Nolting hat die Fakten über den Film zusammengefasst:

mephisto 97.6 Redakteur Janick Nolting im Gespräch mit Moderator Thilo Körting
1602 SG Cinemascope

Fazit

Fences ist ein herausragendes Drama über Familie und geplatzte Träume, das mit seinem tiefgreifenden Drehbuch und den großartigen schauspielerischen Leistungen ein großer Konkurrent für große Oscar-Favoriten wie La La Land ist.    

 

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Janick Nolting
16.02.2017 - 17:47
  Kultur