Erste Hilfe

Im Ernstfall richtig handeln können

Alleine im März sind vier Sporttreibende an einem plötzlichen Herzstillstand verstorben. Die Initiative "Sportler retten Leben" hat es sich zum Ziel gesetzt, über Aufklärung und Erste-Hilfe-Kurse die Zahl der Todesfälle zu reduzieren.
Nicky Adler und Andreas Schmitz (v.l.) zeigen eine Reanimation

10 Prozent - so gering ist der Anteil der Sportler, die einen plötzlichen Herzstillstand überleben. In so einer Situation kommt es auf die ersten Augenblicke nach dem Herzstillstand an - in dieser Zeit ist die Wahrscheinlichkeit zu überleben immer noch sehr hoch.  

Das Thema plötzlicher Herzstillstand beim Sport ist zwar bekannt, allerdings wird wenig dagegen unternommen. Schon 2012 forderte sportmedizinisches Fachpersonal bei FIFA-Turnieren Defibrillatoren an den Spielfeldrändern. Denn jedes Jahr kommt es sowohl im Hobby- als auch im Leistungssport zu tödlichen Zwischenfällen, bei denen Sporttreibende Herzanfällen erliegen. Prominentestes Beispiel war der Spieler Davide Astori, der ehemalige Kapitän des AC Florenz. Er wurde nur 31 Jahre alt. In Berlin verstarb vor zwei Wochen ein 24-jähriger Amateursportler an einem plötzlichen Herzstillstand.

Eine Initiative mit persönlichem Hintergrund

Eine gesunde und sportliche Lebensweise schützt also nicht zwangsläufig vor Herzanfällen. Aus diesem Grund wurde von Sportler Nicky Adler und Notfallmediziner Andreas Schmitz die Initiative Sportler retten Leben gegründet. Für Schmitz hat dies einen persönlichen Hintergrund, denn sein Vater verstarb aufgrund eines Herzstillstands. Ein Defibrillator war zwar vorhanden, allerdings war er nicht funktionstüchtig. Adler kritisiert, dass allgemein zu wenig Defibrillatoren zur Verfügung stehen würden.

Also es gibt schon hier und da Defibrillatoren. Das Problem ist die Einstellung der Meisten. Es ist eine Thematik 'die uns ja gar nicht betrifft. Ach das passiert hier nicht', das sind so die typischen Dinge, die man hört. 'Passiert hier nicht, brauchen wir nicht, kostet Geld.' Der Punkt ist, der plötzliche Herztod ist die Todesursache Nummer eins in Deutschland, in Europa, in der ganzen Welt.

Nicky Adler, Initiator von Sportler retten Leben

Jeden Tag sterben in Deutschland 350 Menschen an einem plötzlichen Herzstillstand. Da ist so, als würde jeden Tag ein Passagierflugzeug abstürzen würde.

Durch den Bezug zum Sport soll die Thematik mehr in den öffentlichen Fokus rücken. Daher engagieren sich viele prominente Sporttreibende für die Aktion, unter ihnen sind auch viele aus Leipzig zum Beispiel Kugelstoß-Weltmeister David Storl (DHfK), Leipziger Marco Rose (Trainer von RB Salzburg).

Schnellere Hilfe, mehr Selbstvertrauen

Die Initiative hat es sich vor allem als Ziel gesetzt, die Versorgung im Falle eines Herzstillstandes zu verbessern und damit die Zahl der Todesfälle deutlich zu minimieren. Zu diesem Zweck sollen zum einen Schulungen für Sporttreibende, Übungsleitende und andere Interessierte angeboten werden. Der Plan der Initiative sieht vor, insgesamt 100.000 Sporttreibende online und 10.000 Sporttreibende in Seminaren zu schulen. Viele haben zwar einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, allerdings liegt der lange zurück. Online können Interessierte vor allem die Reanimation wiederholen. Außerdem veröffentlicht Sportler retten Leben ein kurzes Video mit den drei wichtigsten Schritten in Notsituationen:

Das erste ist 112 anrufen, das zweite ist, mit der Druckmassage zu beginnen und das dritte ist, wenn möglich, einen Defibrillator zu holen, der das ganze unterstützt.

Nicky Adler, Initiator von Sportler retten Leben

Beteiligte Vereine haben außerdem die Möglichkeit, kostengünstige Defibrillatoren zu erhalten. Diese können mit einer Website verbunden werden, die darüber informiert, sollte der Defibrillator ausfallen. Außerdem können Sportvereine Kurse vor Ort beantragen.

Den Beitrag zum Nachhören:

Ein Studiogespräch von Redakteurin Nicole Franz mit Moderator Nico van Capelle
2903 nicole
 

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