Filmrezension: Jungle

Im Dschungel hört dich niemand schreien

Daniel Radcliffe hat sich mit Filmen wie "The Woman in Black" oder "Swiss Army Man" längst von seinem Harry Potter - Image verabschiedet. In "Jungle" liefert er sich ein brutales Duell mit Mutter Natur.
Szene aus "Jungle" mit Daniel Radcliffe
Daniel Radcliffe kämpft im Dschungel ums Überleben.

Der israelische Backpacker Yossi Ghinsberg (Daniel Radcliffe) hat sein letztes Geld zusammengekratzt und ist nun nach Bolivien gereist. Sein großer Traum ist es, dort den Dschungel zu erkunden. Ghinsbergs Reisegefährten sind von dieser Idee nicht begeistert, immerhin ist der bolivianische Dschungel kaum erschlossen und für Touristen äußerst gefährlich. Natürlich lassen sich am Ende doch alle von einem zwielichtigen Reiseleiter von dem Unterfangen überzeugen und so bricht die Gruppe per Holzfloß in den Dschungel auf. Die Mission geht - Sie ahnen es sicherlich schon - ordentlich schief, das Floß wird im reißenden Fluss zerstört und Yossi wacht meilenweit von der Zivilisation entfernt auf einer Lichtung auf. Um ihn herum gibt es nichts außer wilder, ungezähmter Natur...

Drei Wochen Dschungel

Jungle basiert auf dem autobiografischen Roman Dem Dschungel entkommen (im Original: Lost in the Jungle) von Yossi Ghinsberg, der darin von seiner gefährlichen Mission in den 1980er Jahren erzählt, in deren Folge er drei Wochen lang allein im bolivianischen Dschungel überlebte. Ob sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, wurde in der Vergangenheit oft angezweifelt, nichtsdestotrotz ist der Stoff wie gemacht für eine filmische Adaption.

Auf dem Regiestuhl durfte Gred McLean Platz nehmen. Der Australier konnte sich bei Horrorfans schon mit dem Outback-Schocker Wolf Creek und dessen Fortsetzung einen Namen machen. Im Sommer 2017 war sein Thriller Das Belko Experiment im Kino zu sehen und wurde leider zu einem ziemlichen Flop. Davon ist Jungle zum Glück weit entfernt, die Intensität und den brutalen Realismus von Wolf Creek erreicht McLean in seinem neuesten Werk aber wieder nicht.

Raue Natur und Ekel-Getier

Gedreht wurde nicht an Originalschauplätzen, sondern in der Heimat des Regisseurs. Das fällt nicht weiter auf, denn Greg McLean beweist ein glückliches Händchen dafür, den eigentlichen Hauptdarsteller, nämlich den gefährlichen Dschungel, bildgewaltig und gleichzeitig Furcht einflößend in Szene zu setzen. Wenn Daniel Radcliffes Figur eines Morgens durch einen Parasitenbefall mit einer großen Beule auf der Stirn aufwacht, die nun natürlich ausgedrückt werden muss, glänzt Jungle mit einer guten Portion Körperhorror.

Fazit

Am Ende bleibt man als Zuschauer aber leider unbeeindruckter als befürchtet. Das ist zu einem Großteil der Tatsache geschuldet, dass einem die Hauptfigur relativ egal bleibt, von seinen Kumpanen ganz zu schweigen. Radcliffe gibt sich schauspielerisch alle Mühe und man kauft ihm jeden Schmerzensschrei ab, aber es will einfach keine Spannung aufkommen, da der Ausgang der Geschichte ja im Grunde genommen eh bekannt ist. Jungle ist ein solider Abenteuerfilm, als Survivalreißer hat er mit Klassikern wie Cast Away oder jüngst Inarritus The Revenant einfach eine zu große Konkurrenz, um längerfristig im Gedächtnis zu bleiben.

Trailer:

 

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JUNGLE

Regie: Greg McLean

FSK: 16

Laufzeit: ca. 111 Minuten

Cast: Daniel Radcliffe, Thomas Kretschmann, Alex Russell, Joel Jackson und viele mehr

"Jungle" lief im Rahmen des Fantasy Filmfest 2017 in sieben deutschen Städten im Kino und ist seit dem 27. Oktober 2017 im Vertrieb von Splendid Film auf Blu Ray und DVD erhältlich.