Kommentar

Im Drehkreisel der Stadtpolitik

Leipzig wächst und gedeiht und da muss auch die Infrastruktur hier und da erweitert werden. Nun hat die Leipziger SPD eine Ringbahn für Leipzig ins Gespräch gebracht. Sinnvoller Vorschlag oder eine blöde Idee - ein Kommentar.
Eine Ringbahn für Leipzig?
Eine Ringbahn für Leipzig?

Direkt mit der S-Bahn an den Cospudener See. Ach, das wäre doch mal ne feine Sache. Vor allem für einen wie mich, der im Westen der Stadt wohnt, eine bequeme Alternative, um an einem so schönen Spätsommertag wie heute, schnell und einfach an den Strand zu gelangen. Denn aktuell gleicht die Fahrt dorthin noch einer halben Weltreise. Da kommt der Vorschlag der Leipziger Sozialdemokraten doch gerade richtig.

Das bestehende Bahnnetz etwas ausbauen, hier und da ein paar neue Haltestellen und schon kann der Spaß auf der Ringbahn losgehen. Ich meine, was Berlin kann, das kann Leipzig doch schon lang.  Ja ne, ganz so einfach ist das dann wohl doch nicht. Denn selbst die SPD hat eingeräumt, dass ihr Vorschlag noch ein ziemlich unausgegorener Entwurf ist. Weder für die Finanzierung noch für die von der SPD selbst als „Achillesferse“ bezeichnete fehlende Verbindung durch den Auwald haben die Lokalpolitiker einen praktikablen Lösungsvorschlag parat. Aber immerhin, für eine schöne Schlagzeile in der LVZ hat es ja doch wieder gereicht.

Sollte das wirklich alles sein, was die Stadtpolitik in punkto Verkehrsplanung auf die Schiene kriegt, na dann Halleluja.

Nur mal angenommen, der Vorschlag des S-Bahn-Rings wäre tatsächlich umsetzbar, frage ich mich, warum die Sozialdemokraten immer wieder mit großspurigen Zukunftsprojekten um die Ecke kommen, die vielleicht in einigen Jahrzehnten mal für eine Entlastung der Verkehrswege in Leipzig sorgen. Noch vor einem halben Jahr war der Ost-West-Tunnel der heiße Scheiß und jetzt soll es auf einmal rundgehen?

Warum macht ihr euch nicht endlich mal Gedanken, wie ein zukunftsfähiges Konzept für den gesamten Nahverkehr aussehen könnte. Die steigenden Bevölkerungszahlen Leipzigs werden sich nicht nur in den S-Bahnen, sondern eben vor allem in den Fahrgastzahlen bei Bussen und Straßenbahnen bemerkbar machen.

Aber auch die Entwicklung eines guten Radwegenetzes durch die Stadt ist weiter überfällig, weil es lange Zeit schlicht und ergreifend verschlafen worden ist. Auch die für März groß angekündigte Mobilititässtrategie 2030 hat den Weg aus dem Stadtrat bis heut noch nicht gefunden. So gesehen ist es nicht nur schade, sondern vor allem ärgerlich, dass die Leipziger Sozialdemokraten statt die Verkehrssituation im Kleinen zu verbessern, ständig neue prestigeträchtige Großprojekte ausbaldowern, aus denen am Ende dann doch wieder nichts wird.

Der Kommentar zum Nachhören:

EIn Kommentar von Thomas Tasler.
SBahnRing_fr_Leipzig_ein_Kommentar
 

Kommentare

Sehr geehrter Herr Tassler,

Ihr beißender Kommentar trifft meiner Meinung nach die falschen. Nach meiner Erinnerung kam der Aufschlag zum Ost-West-Tunnels von der FDP und wurde von der CDU zum Prüfantrag im Stadtrat erhoben (Vgl.: https://www.l-iz.de/wirtschaft/mobilitaet/2018/03/Die-Stadt-Leipzig-wird...). OBM Jung hat dann das Beste draus gemacht und kann die Prüfung nun nutzen um verschiedene Teilabschnitte wie die Tieferlegung der Straßenbahn auf der Jahnallee einem Realitätscheck zu unterziehen...

Der SPD und zumal dem angesprochenen AK mangelnde Auseinandersetzung mit Mobilitätsthemen vorzuwerfen übersieht, dass der sich seit Jahren, zum Teil auch schon öffentlich mit den Mobilitätsszenarien auseinandersetzt (Vgl. u.a.:
https://www.facebook.com/events/408564366249103/)
Die Befassung zu den Mobilitätsszenarien scheiterte dagegen im Rat n.m.K. zuletzt an der Union...

Meines Erachtens lohnt die Auseinandersetzung mit dem S-Bahn-Ring gerade jetzt, denn noch könnte dieser mit weitgehend bestehenden Schienen realisiert werden. Wenn deren Grundstücke aber erst mal an Immobilieninvestoren veräußert wurden, ist es zu spät dafür.

Herzlichen Gruß

Holger Mann, Landtagsabgeordneter (SPD)

P.S.: Was ich persönlich vom Tunnel halte, habe ich bereits 2016 in einer PM zum 1. April verpackt, aber auch auf der Veranstaltung am 7. Februar 2018 deutlich gemacht. Ich halte den für zu teuer, baulich schwer realisierbar und gemessen an anderen Mobiltätsprojekten für nachrangig.

https://holger-mann.de/aktuelles/weitere-bauverzoegerung-am-paulinum-oep...

Kommentieren