Interview: Sam Vance-Law

"Ich will fancy sein!"

Von Kanada über Oxford bis nach Berlin: Der Musiker Sam Vance-Law ist schon viel herumgekommen. Wir haben ihn in Leipzig getroffen.
Sam Vance-Law
Sam Vance-Law

Ein Dandy soll Sam Vance-Law sein. Für alle, die nicht wissen, was ein Dandy ist, hier nochmal die Definition des Oxford Dictionary: „A man, especially in the past, who dressed in expensive, fashionable clothes and was very interested in his own appearance“. Auf Deutsch: ein Dandy ist ein arroganter Schnösel, der sich selbst ziemlich geil findet. Dass der Kanadier, der an diesem Tag auf dem Sofa sitzt, kein Dandy ist, wird sehr schnell klar. Er trägt Jeans, ein schwarzes Shirt und eine dunkle Bomberjacke. Er selbst findet den Ausdruck „Dandy“ lustig, ist sich aber selbst nicht sicher was das bedeuten soll.

„Ich trage einen Anzug auf der Bühne, weil ich für die Leute fancy aussehen will. Leute werden kommen, um unsere Musik zu hören und ich will nicht in einem verschwitzten Shirt dastehen.“

Sam Vance-Law im Interview

Sam Vance-Law

Sam Vance-Law hat gerade den Preis für Popkultur als „Hoffnungsvollster Newcomer“ gewonnen. Das findet der gebürtige Kanadier dann doch ziemlich „geil“, vor allem weil er es gut findet, dass „schwule Musik“ in der Popmusik so wertgeschätzt wird.

„Für mich ist es toll, dass Musik, die nicht nur in eine klassische Richtung geht, sondern auch „schwul thematisiert“ ist, so einen Preis gewinnen kann.“

Sam Vance-Law im Interview

Dass er überhaupt in der Popkultur angekommen ist, ist nicht selbstverständlich. Vance-Law wurde als Kind von Kanada nach Oxford geschickt, wo er mit dem berühmten Choir of New College Oxford um die Welt reiste und später Violine lernte. Für sein Studium kam er zurück in die Heimat, lernte unter anderem Mac DeMarco und Drangsal kennen und verliebte sich in die Popmusik.

Sie sind diejenigen, die mir zeigen, wie man überhaupt irgendwas macht und sie unterstützen mich immer noch.“  

Sam Vance-Law im Interview

Später landet Sam Vance-Law aus Zufall in Berlin und fängt an Songs zu schreiben. Er spielt nebenbei in anderen Bands und Orchestern und vergisst auch in den eigenen Stücken seine klassische Herkunft nicht. Neben Pop-Melodien sind auf seinem Debütalbum „Homotopia“ auch immer wieder klassische Brüche zu hören, während er von den Geschichten schwuler Menschen erzählt. Ein „schwules Manifest“ soll die Platte aber nicht sein.

„Ich will nicht didaktisch sein. Das sind einfach Geschichten über Menschen, die wie alle Menschen Hoffnungen und Ängste haben und dann macht es keinen Unterschied, dass sie schwul sind.“

Sam Vance-Law im Interview

Hier gibt’s das gesamte Interview zum Nachhören:

Musikredakteurin Marie Jainta im Gespräch mit Sam Vance-Law
Sam Vance-Law Interview
 

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Marie Jainta
01.11.2018 - 13:50
  Kultur

Sam-Vance Law war im Oktober auf Deutschland-Tour.
Den Konzertbericht aus Leipzig könnt ihr hier lesen.