Die Kolumne

Ich werd' verrückt!

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Raphaela Fietta über Fehlkommunikation, Mitleid und Glühwein.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Die Kolumne von Raphaela Fietta.
 

In der Humboldtstraße wurden morgens Stolpersteine verlegt und Bauarbeiter haben sie nachmittags wieder entfernt. Grund dafür sei ein Kommunikationsfehler gewesen, sagt die Stadt. Glaubst du das?

Sensibles Thema. Gerade, wenn es um Stolpersteine geht und damit um Aufarbeitung, kann man sich doch keinen Fehler leisten.

Aber die Frage ist doch: Reden die nicht miteinander? Dabei ist das doch nur eine verwaltungstechnische Formalität: Die Stadt gibt die Info weiter, dass die Steine erst nach den Bauarbeiten verlegt werden können. So einfach könnte es sein. Aber offenbar nicht im Rathaus!

Um die Info weiterzugeben, braucht man dort nämlich das blaue Formular. Das gibt es an Schalter 35 im zweiten Stock. Mit dem blauen Formular muss man dann das rosa Formular beantragen. Denn ohne rosa Formular kein Passierschein A 38 und keine Info für die Arbeitsgruppe. Also: rosa Formular - Schalter 12, Stiege B, Korridor J. Außerdem fehlt noch das grüne Formular, ein gelbes, das hellbraune und die Briefmarke für den Umschlag.

Da kann es schon mal passieren, dass eine Info nicht rechtzeitig ankommt. Kleiner Tipp fürs nächste Mal: Eine E-Mail tut's auch. Und dann wissen alle Bescheid.

Die Verhandlung gegen die beiden Angeklagten des Leipziger Internetunternehmens Unister ist fast vorbei. Einer der Angeklagten hat sich beschwert, dass das Verfahren existenzgefährdend sei und es sein Lebenswerk zerstört habe. Was würdest du den beiden sagen wollen? 

Kolumnistin Raphaela Fietta schickt die Großväter in den Ruhestand.
Kolumnistin Raphaela Fietta kennt sich mit Kommunikation aus.

 

Lieber Herr Kirchhof, lieber Herr Friedrich, Ihre Existenz ist ruiniert? Sie sind finanziell und gesundheitlich belastet? Dann müssten Sie jetzt ja nachvollziehen können, wie es den Mitarbeitern geht, die wegen Unister alles verloren haben. Wie es ist, wenn der Job weg ist und man plötzlich vor dem Nichts steht. Ich hoffe für Sie und Ihre Familien, dass Sie neu anfangen können. Vielmehr hoffe ich aber, dass Sie etwas gelernt haben: Betrug und Geldgier fallen einem allzu oft auf die Füße.  

 

Der Leipziger Weihnachtsmarkt wurde diese Woche eröffnet. Wann wirst du das erste Mal am Glühweinstand stehen?

Wenn es sich vermeiden lässt, gar nicht. Was macht diesen gehypten Weihnachtsmarkt denn aus? Mit wildfremden Menschen Körperkontakt haben zu müssen? Weil für Privatsphäre ist dann ja kein Platz mehr in der Innenstadt. Vom Glühwein vernebelte Köpfe? Naja, die können dann zumindest nicht mehr entscheiden, ob 5 Euro für eine lausige Wurst gerechtfertigt sind. Oder taube Füße? Beim besinnlich Rumstehen vergisst man nämlich, dass es draußen eiskalt ist. Wie könnt ihr das denn ernsthaft geil finden?

Da esse ich lieber meine selbst gebackenen Plätzchen und braue mir den Glühwein in der heimischen Küche. Und wenn ich ganz viel Bock auf Menschen habe, rufe ich meine Freunde an!

Und nächste Woche?

Für nächste Woche hoffe ich auf Schnee. Der fehlt mir zum Weihnachtsfeeling nämlich noch.

 

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Raphaela Fietta
01.12.2017 - 10:39