Stadtgeschichte

Ich weiß, wo dein Haus wohnte

Wer in Leipzig die Altstadt sucht, kann lange suchen. Die meisten Häuser innerhalb des Innenstadtrings sind weniger als 150 Jahre alt. Sebastian Ringel spürt in seinem neuen Buch den Gebäuden nach, die nicht mehr da sind.
Der Autor und Stadtführer Sebastian Ringel.

Bis zum Jahr 1860 musste man durch das Peterstor, wenn man vom Süden in die Leipziger Innenstadt wollte. Der Abriss des letzten Stadttors steht symptomatisch für den Wandel des Stadtzentrums. Mit der Industrialisierung wuchs nicht nur die Bevölkerung der Stadt enorm; die Funktion der Innenstadt änderte sich: Wohnhäuser mussten Geschäftsbauten weichen. Auch die alte Peterskirche neben dem Stadttor bekam einen größeren Nachfolgebau und machte damit Platz für ein Bankgebäude, der heutigen Musikschule.

Ich habe mich immer für die Schichten interessiert, die unter der heutigen Innenstadt sind. Und da ist auch eine ganze Menge da, was verloren gegangen ist.

Sebastian Ringel, Autor und Stadtführer

Den Beitrag zum Nachhören findet ihr hier:

Redakteur Anton Walsch auf einem Stadtspaziergang mit Autor Sebastian Ringel.

 

RI Wie Leipzigs Innenstadt verschwunden ist

Mit dem Boom der Mustermesse nach dem Ersten Weltkrieg verdrängten dann die "Messepaläste" die bisher kleinteilige Struktur; die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, sozialistische Moderne und Nachwendezeit taten ihr Übriges. Im Ergebnis sind von ehemals etwa 800 Häusern, die vor 1860 erbaut wurden, heute nur noch 35 erhalten.

Wie Leipzigs Innenstadt verschunden ist

"Wie Leipzigs Innenstadt verschwunden ist" heißt deshalb etwas augenzwinkernd das neue Buch von Autor und Stadtführer Sebastian Ringel. 150 ausgewählte Bauwerke werden darin mit historischen Fotos und kurzen Erklärungen vorgestellt; kleine Fotos und Karten ermöglichen den direkten Vergleich mit den heutigen Strukturen.

Überblickstexte zu einzelnen Phasen der Baugeschichte, etwa zur Zeit nach der Wende, und statistische Daten zur Stadtentwicklung bieten dazu viel Hintergrundwissen, ohne dabei zu tief in die historische Materie einzusteigen. Der Sprachstil ist gelegentlich etwas umständlich und die Karten unterschiedlich ausgerichtet. Das schmälert aber kaum den Gewinn des angenehm in der Hand liegenden Fotobuches, das die enorme Entwicklung Leipzigs seit der Industrialisierung aus einer spannenden Perspektive sehr anschaulich darstellt.

Den Beitrag zum Nachhören findet ihr hier:

Moderator Lukas Raschke im Gespräch mit Anton Walsch zum Buch "Wie Leipzigs Innenstadt verschwunden ist".
SG Wie Leipzigs Innenstadt verschwunden ist

 

 

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Sebastian Ringel: "Wie Leipzigs Innenstadt verschwunden ist"

erschienen bei edition überland

editionueberland.de

19,60 Euro