Konzertbericht

Ich komm' aus dem Club nicht raus

Haiyti wird gerade als die Trap-Queen in der deutschsprachigen Hip-Hop-Szene gefeiert. Zusammen mit Trettmann tourt sie unter dem Motto „Ich komm' aus dem Club nicht raus“ durch Deutschland. Nun waren sie auch in der Distillery in Leipzig on Stage.
Die Hamburger Trap-Rapperin Haiyti aka Robbery.
Die Hamburger Trap-Rapperin Haiyti aka Robbery.

Eigentlich ist Rap, vor allem deutschsprachiger, nicht so mein Ding. Dachte ich immer – aber dann habe ich mir ein Interview mit Haiyti a.k.a Robbery angesehen und fand ihre lockere Art ziemlich cool. Genauso wie ihre Videos aus Inszenierung und schlechten Handyaufnahmen. Texte, die sich ums Ticken, Waffen und Überfälle drehen sind eigentlich auch nicht mein Ding. Und trotzdem hat Haiyti mich überzeugt. Und da bin ich nicht die Einzige: Die Zeit beschreibt Haiyti als die Pop-Revolution. Das Rolling Stone Magazine schreibt darüber, wie sie als Girl Boss Gangster die deutsche Rap-Szene aufmischt. Ehrlich gesagt gehe ich nur auf das Konzert, um sie auch mal live zu sehen.

First impression

Ich komme eine halbe Stunde nach Einlass in der 'Tille an und stelle fest: Ich bin viel zu früh. Der Club ist noch leer und die wenigen Besucher, die auch zu früh sind, sehen noch sehr jung aus. Die beste Party geht gerade an der Garderobe ab, wo die beiden Mitarbeiter alleine zu Saturday Night von Whigfield tanzen. Ich setze mich also nach draußen auf die Veranda. Das Konzert ist heute ausverkauft und langsam wird die Schlange vor der Distillery immer länger. Auch drinnen wird es zunehmend kuschliger. Zwei Stunden nach Einlassbeginn kommt Joey Bargeld auf die Bühne gerannt. Der DJ verpatzt allerdings den Einsatz, sodass Joey dreimal "Ich teil mir meine Bitches und ich teil mir meine Brüder" auf den Intro-Loop rappen muss. Beim vierten Mal klappt es dann und der DJ fordert das Publikum auf, die Hände hochzunehmen. Dafür fühle ich mich zu nüchtern. Nach einer halben Stunde kündigt Joey Bargeld endlich Haiyti an: "Ruft mal Haiyti, damit sie auf die Bühne kommt". Obwohl ich nicht mitrufe, kommt sie trotzdem on stage.

Distillery
 

The show

Haiyti eröffnet die Show mit ihrem Song Pete Doherty und das Publikum ist von Anfang an drin. Ich stehe ziemlich weit vorne an der Bühne. Das ändert sich, als eine Gruppe von Besuchern von der Bar in die Crowd hineinrennt und ich in die Mitte der Masse gedrückt werde. Genau in diesem Moment bildet sich ein Circle Pit. Das kenne ich ansonsten eher von Punkkonzerten und hatte es hier nicht erwartet. Schnell versuche ich mich wieder an meinen vorherigen Platz zu flüchten, werde aber von der tanzenden Masse in alle Richtungen gedrückt. Haiyti performt aus allen drei EPs verschiedene Songs, was beim Publikum gut ankommt. Auch Joey Bargeld wird für den gemeinsamen Track Zeitboy noch mal auf die Bühne geholt. Bei Hits wie Citytarif springt das ganze Publikum im Takt mit. Ich gratuliere mir zu der besten Entscheidung, weiße Schuhe angezogen zu haben – ständig tritt mir jemand auf die Füße. Haiyti fragt während des Auftritts zweimal, wo eigentlich ihr Martini sei. Das Barpersonal bringt ihr trotzdem keinen. Auch ein Messer hatte niemand im Publikum tätowiert. Ganz kurz sieht sie ein bisschen enttäuscht aus, bevor ihr Song Ein Messer einsetzt. Dafür grölt das Publikum bei der Frage, wer heute single unterwegs sei und stimmt mit Haiyti in Single ein. Am Ende verspricht Haiyti später wiederzukommen. Jetzt tritt erst mal Trettmann auf. Ich höre mir zwei Songs an – diesmal ganz am Rand und beschließe danach zu gehen. 

Haiyti ft. Trettmann– 120 Jahre

The remembrance

Am Ende kam ich doch noch schneller als gedacht aus dem Club raus. Deutschsprachiger Rap ist wohl einfach nicht mein Ding. Das Publikum immer wieder aufzufordern, die Arme hochzuheben und Lärm zu machen nervt mich. Von Joey Bargelds Auftritt blieb auch nicht mehr als sein unfreiwillig komischer Einstieg hängen und Trettman kommt mir ein bisschen zu alt für seine Texte vor. Eine Zugabe gab es am Ende wohl auch nicht (das habe ich zwar nicht live mitbekommen, aber mir sagen lassen). Haiyti werde ich mir aber trotzdem weiterhin anhören – aber lieber auf YouTube und zu Hause mit Freunden.

 

Kommentieren

Sophie Boche
27.02.2017 - 13:47
  Kultur