Interview mit Max Rieger

"Ich hab angefangen mit einem Headset"

Max Rieger ist Produzent und Multi-Instrumentalist. Auch sein neues Album "Welt in Klammern" hat er unter dem Bandnamen All Diese Gewalt selbst produziert. Vor seinem Konzert im Conne Island am 23.10. haben wir mit ihm unter anderem darüber geredet.
In Leipzig spielte Max Rieger im Rahmen seiner Welt in Klammern Tour im Conne Island
In Leipzig spielte Max Rieger im Rahmen seiner Welt in Klammern Tour im Conne Island.

Mit einem Headset-Mikrophon hat Max Rieger damals angefangen Töne aufzunehmen. Heute arbeitet er im Studio und produziert diverse andere Bands. Manche kennen ihn vor allem als Sänger und Gitarrist der Stuttgarter Post-Punk Band Die Nerven. All Diese Gewalt ist Riegers Soloprojekt – sein Album "Welt in Klammern" schon seine vierte Veröffentlichung und jetzt beim Label Staatsakt erschienen. Das Album klingt ruhig und spärisch. Hören kann man darauf vor allem einen Sound, der von Drones geprägt ist - die schwingen und dröhnen sich wie ein roter Faden durch die Songs. Drone Pop – so nennt Max Rieger auch das Genre von All Diese Gewalt. Im Moment arbeitet er schon an Songs für sein nächstes Album. Aber auch Leipziger Bands produziert Max Rieger mittlerweile, nachdem er von Stuttgart hergezogen und hier sein Produktionsstudio eingerichtet hat.

Wir haben ihn unter anderem gefragt wie er zur Musik kam, welche Vorbilder für ihn dabei eine Rolle gespielt haben und welche Platte er gerade hört – das ganze Interview nochmal zum Nachhören:

mephisto 97.6 Redakteurin Sophie Boche im Gespräch mit Max Rieger von 'All Diese Gewalt'.
 

Über Beethoven zu Marilyn Manson

Wie bist du zur Musik gekommen und wann hast du damit angefangen?

Ich hab Klavier gelernt, als ich klein war und hab das aber ziemlich schnell an den Nagel gehängt, weil ich immer geheult hab, wenn ich üben musste. Hab dann später angefangen, mir selbst Gitarre spielen beizubringen. Aber mein erstes musikalisches Erlebnis, wo ich wirklich dachte, Musik kann irgendwas auslösen, war tatsächlich eine Sinfonie von Beethoven, die meine Mutter als CD hatte. Und die war nicht in so einer normalen CD-Hülle, sondern in so einer runden Aluminiumhülle, wo dann diese CD drin lag und das fand ich irgendwie beeindruckend. Deswegen hab ich die in den CD-Spieler eingelegt. Und die Musik hat mich damals beeindruckt.

Hattest du auch bestimmte musikalische Vorbilder – neben Beethoven?

Nee, es hat dann sehr lange gedauert bis ich mich wirklich bewusst mit Musik auseinandergesetzt hab. In der Pubertät hatte ich dann meinen großen "AHA-Moment" mit Marilyn Manson. Und dann hab ich erst begonnnen, mich für das hinter der Musik zu interessieren.

 

Organische Töne

Auf deiner Facebook-Seite steht als Genre machst du Drone-Pop. Wie würdest du den Begriff erklären für Leute, die sich nichts darunter vorstellen können?

Ich glaub, ich hab den Begriff nur benutzt, weil sowieso immer irgendwas gesagt wird. Wenn Medien über einen schreiben, dann muss man sich damit anfreunden, dass es in irgendwelchen Schubladen einsortiert wird. Medienvertreter finden es immer schamlos, dass man den Ansatz hat, was Eigenes zu machen und das ist eigentlich auch mein Ansatz. Ich versuch was Eigenes zu machen. Ob es denn was Eigenes ist, sei jedem selbst überlassen – für mich ist es so – und deswegen dacht ich, liefere ich gleich mal die Genrebezeichnung mit. 'Drone', weil ich eine Vorliebe habe für Drones– für Töne, die stehen und Flächen, die sich verändern und sich organisch bewegen, und Pop, weil ich durchaus schon auch interessiert daran bin, Musik zu machen, die anderen Leuten gefallen kann, das zusammenzubringen und deswegen ist der Begriff: 'Drone-Pop'.

Dein Album "Welt in Klammern" hast du ja selber produziert. Hast du dir das Produzieren in Eigenregie beigebracht?

Ja, ich hab angefangen mit einem Headset-Mikrofon und der ganz tollen Software Audacity. Ich glaub das kennt jeder, der irgendwie schonmal Tonschnipsel geschnitten hat. Ich fand es damals ziemlich faszinierend, dass einem mit dem Computer eigenlich keine Grenzen gesetzt sind und hab das eben ausgearbeitet und da weiterhin Spaß dran. Und es vergeht kein Tag, wo ich nicht noch was dazulerne.

Du spielst ja in verschiedenen Bands, unter anderem in Die Nerven, produzierst auch noch andere Bands nebenbei. Wird dir das manchmal eigentlich alles zu viel?

Vielleicht mal für eine halbe Stunde zwischendurch, aber dann setz ich mich kurz raus auf die Terasse und atme einmal durch. Ich glaube, ich bin relativ privilegiert, dass ich das alles machen kann. Dass man vollkommen ausgelastet ist, in dem Beruf, den ich ausübe, ist glaube ich, tatsächlich eher eine Seltenheit und auch wenn es oft anstrengend ist, würde ich mich nicht beschweren, weil ich hab es mir rausgesucht und ich will es auch machen – so gut es geht.

Du wars ja in der Stuttgarter Musikszene aktiv. Jetzt wohnst du in Leipzig. Heißt das, du produzierst bald auch mal Leipziger Bands?

Ja, ich hab schon zwei produziert, jetzt ganz frisch. Ich hab eine Band produziert, die heißt Yor. Ganz, ganz brandneu. Die gibts glaub ich erst seit zwei Monaten, meine Mitbewohnerin spielt da mit. Und dann hab ich eine Band aufgenommen, die heißt Swimmingpool.  

Von Stuttgart ins Exil

Hat Leipzig für dich ähnliches Potenzial wie die Musikszene in Stuttgart?

Ich weiß es noch nicht, ich bin dafür noch nicht lange genug in der Stadt und ich kenne noch nicht genügend Leute. Mir kommts immernoch ein bisschen wie ein Exil vor. Ich hab jetzt eben die Möglichkeit in meinem eigenen Studio Sachen zu machen und bin da sehr dankbar drüber. Ich glaube nicht, dass es irgendwo überhaupt sowas gibt wie die Stuttgarter Musikszene, weil die war wirklich der reinste Zufall. Und da waren Zufällig zur richtigen Zeit die richtigen Leute am richtigen Ort. Halt eine spannende Sache. Sowas gibts sicherlich in mehreren Städten auch und sicherlich auch hier, aber ich hab noch nicht den Zugang zu den ganzen Szenen bis dato.

Was kommt für dich persönlich jetzt nach deinem Album als nächstes?

Also ich werd maßgeblich an der Produktion vom neuen Drangsal Album mitwirken. Das wird erheblich Zeit einnehmen nächtes Jahr. Dann kommen noch ein Haufen Sachen raus, wo jetzt grade noch dran gearbeitet wird. Wir wollen ein neues Die Nerven Album machen, ich will auch ein neues All Diese Gewalt Album machen. Habe damit auch schon angefangen, so grob, aber es wird noch seine Zeit dauern. Und ansonsten – mal schauen, was halt grade so reinflattert.

Welche Platte hörst du im Moment?

Ich hör gerade die Walls&Birds auf repeat. Es ist ein Tape: "Daytona Beach" heißt es. Die machen die schönste Musik, die ich seit langem gehört habe. Ist auch ein bisschen Inzest schon wieder, weil der Schlagzeuger, der jetzt hier bei uns mitspielt, ist auch Schlagzeuger in dieser Band. Ich hab die in Esslingen gesehen letzten Sommer und fand das eine Unverschämtheit wie gut diese Band ist. Es ist die leiseste Band der Welt. Extrem klein, die sind nur zu dritt. Man hört ein Konzert und es ist wie eine fertige Platte. Es ist wunderschöne Musik, kann ich jedem nur empfehlen.

 

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Auf Max' Bandcamp Seite kann man auch frühere Veröffentlichungen von All Diese Gewalt streamen:

http://alldiesegewalt.bandcamp.com/