Theaterrezension

Ich, ein Gott?

"If you were God", unter diesem Titel stellen das Schauspiel Leipzig und das Leipziger Ballett ihrem Publikum die Frage: Was würden Sie als Erstes erschaffen?
"America" von Martin Harriague
Szene aus dem dritten Teil "America"

Eine Prinzessin liegt da und schläft, dann kommt der Prinz und weckt sie zärtlich. Das ist so ziemlich das, was man von einem Märchen kennt. Bei "Prince", dem ersten Teil des dreiteiligen Tanzabendes vom Leipziger Ballett und dem Schauspiel Leipzig hört es da mit dem typischen Märchen und dem typischen Märchenprinzen aber auch auf. Der Prinz wurde verfremdet, er ist sehr dick und geschminkt wie eine Frau. So will er die Prinzessin wecken. Die ist ein Mann, sieht den Prinz und läuft erst mal schreiend weg.

Die Parodie des Märchenprinzen hört da aber noch nicht auf, denn er wird von zwei Hofdamen entmannt, sie reißen ihm die Hoden und den Penis ab. Zusätzlich sind die Tanzbewegungen eine Mischung aus klassischem Ballett und sehr eckigen Bewegungen.

Ein Gott und seine Schöpfung

Gleich zu Beginn des zweiten Teils wird die Frage ins Publikum gestellt "Was würdest du als Erstes erschaffen, wärest du Gott?" Dann wird jemand aus dem Publikum auf die Bühne gebeten, der für diesen Abend der Gott sein soll. Er bekommt ein Buch und liest daraus vor, was er so alles erschaffen würde. Nachdem dieser Gott dann Licht, eine Frau und Musik erschaffen hat, tanzt zu dieser Musik ein Pärchen. In "If you were God" geht es dabei neben dem Schöpferischen auch noch um andere Themen, wie zum Beispiel die Liebe und Verlust.

"I want to be in America"

Der dritte Teil des Tanzabends behandelt Donald Trump und Amerika. "America" lässt sich dabei auch als Gesellschaftskritik sehen. Denn entweder sind alle Tanzenden Schwarz gekleidet oder sie kommen, einmal, alle als Trump verkleidet, also mit Anzug und Masken nacheinander auf die Bühne. Dadurch kann man nicht mehr wirklich sagen, wer wer ist. Und diese vielen Trumps elegant tanzen zu sehen, gibt ein seltsam absurdes Bild.

Die Komik und das Seltsame der Stücke unterstützen noch die Musik. Denn die bildet sich unter anderem aus Trumps Reden. In Ausschnitten und immer wieder auch in geloopter Form. Zusammen mit Rockmusik ist der dritte Teil deutlich wilder, lauter, rockiger als die ersten beiden.

Philosophisch, parodistisch und politisch

Zusätzlich ist der Abend auch immer wieder mit Humor durchzogen. Es ist erstaunlich, wie der Choreograf Martin Harriague es immer wieder schafft, dass das Publikum herzhaft lachen muss. Zum Beispiel, als nach Trumps Inauguration-Rede und Applaus plötzlich die Amerikaflagge des Bühnenbildes schief in den Angeln hängt oder als der "Gott" findet, was er am vierten Tage schuf, wäre zu hart, das könne man nicht vorlesen. Und kurz darauf folgt das Publikum dann wieder gebannt dem Tanz und den Texten.

Fazit

Tänzerisch ist der dreiteilige Tanzabend eine beeindruckende Leistung. Die Wechsel, zwischen den Tanzstilen, klassischem Ballett, Duett oder gestischem Tanz, oder auch Bewegungen genau zu bestimmten Worten von Trump sind alle gut umgesetzt. Der Facettenreichtum des Abends wird auch durch Themen wie Prinzen, Gott und Trump, die alle auf einer Bühne sind, unterstützt. Auch wenn die einzelnen Teile scheinbar nichts miteinander zu tun haben – einen göttlichen Anstrich bekommen sie auf jeden Fall.

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderator Janek Alva Kronsteiner im Gespräch mit Redakteurin Svenja Tschirner

Moderation: Janek Alva Kronsteiner

Rezension zu "If you were God"
 

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If you were God

Premiere: 22. März 2019

Spielort: Schauspiel Leipzig

Regie: Martin Harriague

Darstellende:

Leipziger Ballett, Yves Hinrichs
 
Aufführungstermine:
07. April 2019
28. April 2019
04. Mai 2019
17. Mai 2019
(Einführung jeweils um 19.00 Uhr im Rangfoyer)