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Ich blute, du blutest

Periode, Menstruation, Regel, Rote Woche, Erdbeerwoche - es gibt viele Bezeichnungen für das Natürlichste der Welt: die monatliche Blutung. Zwei Redakteurinnen haben sich mit diesem Thema beschäftigt und der Menstruation eine ganze Stunde gewidmet.
Zwei Frauen fornem mit den Händen eine raute vor dem Schritt. Zwei weitere halten sich Augen und Ohren zu.
Viel zu oft noch ein Tabuthema: Die Menstruation.

Das Leben im Zyklus

Circa neun Jahre menstruiert eine Frau durchschnittlich in ihrem Leben. Dafür, dass es fast jeden zweiten Menschen einmal im Monat betrifft, sprechen wir relativ selten darüber. Der weibliche Zyklus ist selbst im 21. Jahrhundert noch ein Tabuthema. Allein ein Blick in die Geschichte zeigt, dass diese Tabuisierung nicht von irgendwoher kommt. Jahrzehnte lang galt eine menstruierende Frau als unrein und im Mittelalter wurden sogar Gegenstände verbrannt, die mit Menstruationsblut in Verbindung gekommen sind. Dieser Glaube, die Menstruation sei etwas Ekliges, hält sich bis heute - wenn wieder Binden- und Tampon-Werbung den Frauen ein sauberes und frisches Gefühl verkaufen. Dabei ist es das Normalste der Welt - und es ist auch wichtig, dass wir darüber sprechen, damit vor allem junge Mädchen und Frauen ein besseres Verhältnis zu ihrer Menstruation bekommen und sich nicht dafür schämen.

Im "Roten Podcast" thematisieren wir genau das: unsere Menstruation. Aber wir sprechen nicht nur darüber, sondern gehen auch auf Regelschmerzen ein und schauen uns auf dem Verhütungsmarkt um. Was steckt eigentlich hinter der Pille für den Mann? Außerdem werfen wir einen Blick ins Geschichtsbuch und sprechen über kuriose Ereignisse rund um Menstruation und Sexualität.

Hier können Sie die komplette Sendung nachhören:

Periode.fm - Der rote Podcast

Moderation: Lisanne Surborg und Sophie Rauch

Sprecher*innen: Laura Lodahl

Finný Anton

Max Koterba

Thomas Tasler

Sophie Boche

Johanna Stolz

Janek Kronsteiner

Lukas Raschke

Paul Materne

Peggy Fischer

Maria Reis

Louisa Bula

David Seeberg

2602 Periode.fm

Wie war das nochmal mit der Menstruation?

Wie genau läuft der weibliche Zyklus ab? Und warum bluten Frauen einmal im Monat? Das sind Fragen, die eigentlich im Aufklärungsunterricht in der Schule geklärt werden sollten. Für alle, die damals nicht aufgepasst haben oder sich nicht mehr so gut daran erinnern, haben wir hier noch mal das Wichtigste zusammengefasst.

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Schematische Darstellung des Menstruationszyklus

Der Menstruationszyklus lässt sich in drei Phasen teilen, die hormongesteuert ablaufen. Die Follikelphase (vor dem Eisprung), die Eisprungphase und die Gelbkörperphase (nach dem Eisprung). Insgesamt kann ein Zyklus zwischen 23 und 35 Tagen andauern und startet immer am ersten Tag der Menstruation. Bleibt die Eizelle unbefruchtet, kommt es 12 bis 16 Tage nach dem Eisprung zur Regelblutung. Im Grunde bereitet sich der weibliche Körper jeden Monat erneut auf eine Schwangerschaft vor. In der Phase vor dem Eisprung wird die Gebärmutterschleimhaut wieder aufgebaut, da diese bei der letzten Blutung abgestoßen wurde. Zu dieser Zeit reift die Eizelle im Eierstock. Dann kommt es zum Eisprung und die nun reife Eizelle wandert durch den Eileiter zur Gebärmutter. Daran schließt sich die dritte Phase an und die Gebärmutter bereitet sich auf die Einnistung der Eizelle vor. Bleibt die Eizelle unbefruchtet oder nistet sich die befruchtete Eizelle nicht in die Gebärmutterschleimhaut ein, wird diese abgestoßen und es kommt zur Regelblutung. Genau dieser Kreislauf wiederholt sich Monat für Monat.

Hast du schon wieder PMS?

Prämenstruelles Syndrom! Ja, das sind die Stimmungsschwankungen und Schmerzen, die einige Frauen vor und während ihrer Menstruation haben. Und nein, Regelschmerzen sind keine faule Ausrede, um etwas nicht machen zu müssen. Britische Forscher haben herausgefunden, dass Regelschmerzen eine ähnliche Stärke entwickeln können wie ein Herzinfarkt. Einige Frauen klagen über Übelkeit und starke Unterleibsschmerzen - so stark, dass manchmal jede Bewegung zu viel ist. In einigen Fällen hilft dann nur noch eine Ibu - natürlich erlebt jede Frau ihre Menstruation und die damit verbundenen körperlichen Veränderungen anders. Es gibt auch Frauen, die fast nie Regelschmerzen verspüren. Dennoch ist es kein "weibliches Rumgejammer", sondern kann uns Frauen ziemlich beeinträchtigen.

Bei zu starken Regelschmerzen empfiehlt es sich, den Gynäkologen oder die Gynäkologin aufzusuchen, denn es könnte sich auch um Endometriose handeln. Dabei bildet der Körper Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, nur außerhalb der Gebärmutter - es kann also nicht abgestoßen werden. Dennoch nimmt das Gewebe am Menstruationszyklus teil und verursacht dadurch starke Schmerzen und Krämpfe. Endometriose ist jedoch behandelbar: Entweder werden die Beschwerden mit Hormonen und Schmerzmitteln behandelt oder das "falsche" Gewebe wird operativ entfernt. Eine Kombination aus beiden Maßnahmen ist auch möglich. Bei Verdacht fragen Sie einfach beim nächsten Arztbesuch nach.

Die Pille für den Mann

Ein Mann formt mit den Händen das Raute-Symbol vor dem Schritt.
Manuel raute

Für uns Frauen gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten der Verhütung. Leider basieren viele von ihnen auf Hormonen und greifen somit in den natürlichen Hormonhaushalt ein. Wer das nicht möchte, dem bleiben leider nicht viele Alternativen übrig. Aber für die Männer sieht das Ganze noch schlechter aus - neben Kondom und Vasektomie gibt es keine Alternativen. Noch vor einiger Zeit wurde an der Pille für den Mann geforscht.

Innerhalb der letzten zehn Jahre gab es immer wieder Versuche eine Pille für den Mann zu entwickeln. Diese wurden jedoch jedes Mal abgebrochen, da die Nebenwirkungen dieser Präparate zu stark waren. 2011 hat die WHO eine größere Studie abgebrochen, da die Probanden über starke Depressionen geklagt hatten und einige von ihnen sind sogar gewalttätig geworden. In Indonesien wird zurzeit ein pflanzlicher Wirkstoff getestet, der für einige Tage Männer unfruchtbar machen soll. Forscher haben indigene Männer beobachtet, die aus der Pflanze einen Tee gebrüht haben. Der Vorteil daran ist, dass der Hormonhaushalt - anders als bei der Pille - nicht gestört wird. Außerdem wird an einem Gel geforscht, welches sich der Mann in den Samenleiter spritzt. Dadurch wird der Austritt der Spermien blockiert, bis zur erneuten Injektion, die diese Blockade wieder aufhebt. Diese Verhütungsmethode wurde bereits 2017 erfolgreich an Affen getestet. Ob und wann ein neues Verhütungsmittel auf den Markt kommt, bleibt noch abzuwarten.

 

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Sophie Rauch, Lisanne Surborg
09.03.2018 - 14:45

Die Menstruation-Playlist

  1. TacoCat - Crimson Wave
  2. Pink - Stupid Girls
  3. Guilia Becker - Verdammte Schei*e
  4. Die Ärzte - Manchmal haben Frauen
  5. Peaches - Boys wanna be her
  6. No Doubt - Just a girl

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