Knorkator im Felsenkeller

"Ich bin der Boss. Halt die Fresse!"

Vulgär, böse, laut: Knorkator, die witzigen Metaller von nebenan. Es gibt sie noch und sie waren am 22.10. in Leipzig. Hier der Konzertbericht und das Interview mit Keyboarder Alf.
Das Konzert von Knorkator in Leipzig
Das Konzert von Knorkator in Leipzig

Erwartungen

Knorkator kenne ich (kein Witz) durch meine Eltern. Als ich klein war, hab ich die Texte glücklicherweise noch nicht verstanden. Umso witziger, wenn man dann später realisiert, was man da als unschuldiges Kind fröhlich im Auto mitgebrüllt hat. Sie sind so herrlich böse und gemein, diese Lieder! Das neue Album scheint auch gewohnt abwechslungsreich und unverwechselbar ungefiltert. Ich stelle mich also auf ein lautes, hartes Konzert voller skuriler Vulgaritäten und Fäkalhumor ein.

Erster Eindruck

Ich denke, ich bekomme meine erwartete Verschrobenheit: Ein Rastatyp im Tigerkostüm läuft an mir vorbei. Metaller stehen neben Teeniemädels stehen neben Mittvierzigerinnen mit Bauchtasche. Der Felsenkeller ist voll - klar, ausverkauft. Statt einer Vorband schauen wir uns nun eine halbe Stunde lang ein Video an, in dem der Frontsänger Stumpen seinen Morgen vor dem Auftritt per GoPro dokumentiert: Tee und Inhalator gegen die leichte Erkältung, einen Stängel Schnittlauch zum Frühstück und ab ins Auto. Gefühlte Ewigkeiten schauen wir ihm beim Autofahren zu, was dank Stumpens Grimassen zur Musik nicht mal langweilig ist. Sowas kann sich wohl nur Knorkator ausdenken.

Musik

Knorkator bleibt sich treu und es funktioniert. Einen dröhnenden Bass nach dem anderen schmettern sie uns alte und neue "Lieblingslieder" ins Gesicht, und fordern dabei immer wieder das gleiche Level an Energie auch von uns. Das Publikum rastet gehorsam aus. Überhaupt sind Stumpen und seine Kollegen fähige Publikumsmotivatoren. Wir werden beispielsweise zum mitbrüllen angestachelt ("Die Strophe geht so: Aaaaah!") oder bekommen Hinweise zum besseren Crowdsurfen. Bei "Setz Dich Hin" setzen wir uns hin. Es ist leicht, dieses Konzert zu feiern. Und das neue Album gibt auch einiges Livetaugliches her: Von ruhigen, fast pathetischen Balladen wie Sie kommen über schranzigen Klamauk wie Zähneputzen, Pullern und Ab Ins Bett bis hin zu wirklich dunklen, gegrowlten Songs wie Du Bist Kein Mensch trägt sich jedes Stück souverän. So schließen sich die neuen Titel nahtlos an die Klassiker an, die ebenfalls an diesem Abend nicht zu kurz kommen. Mein Highlight dabei war Alter Mann, nicht zuletzt weil dabei aus Stumpens Krückstock, den er sich zwischend die Beine geklemmt hatte, glitzerndes Konfetti auf uns regnete. Das Lied ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie einzigartig und vielseitig die Stimme von Stumpen ist. Die klassiche Opernausbildung macht sich insbesondere in schwindelerregend hohen Tönen gut und wird vom tiefen, growlenden Bass des Keyboarders Alf perfekt ergänzt. Die Refrains sind meist so eingängig, dass ich auch diejenigen Lieder, die ich nicht von "früher" kenne, schnell mitsingen kann. Ob das jetzt (Hard-)Rock ist, oder Metal, oder irgendwas dazwischen, ist schwer zu sagen. Ist aber egal: Es knallt.

 

 

Fazit

Das hat Spaß gemacht! Ich bin an sich kein großer Freund von Metal und artverwandten "harten" Genres, aber irgendwie war die ganze Veranstaltung trotz aller Bosheit ziemlich sympathisch. Wir haben getanzt, geschwitzt, Lärm gemacht und unserer guten Erziehung den Mittelfinger gezeigt. Die Band hatte sichtlich Spaß am Draufhauen und das überträgt sich einfach auf das Publikum. Mein Trommelfell hat gerade so überlebt. Ein guter Abend. 

 

 

 

 

 

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Alina Tillenburg
28.10.2016 - 16:20
  Kultur

Knorkator: Ich bin der Boss