Kolumne

Ibiza, Böhmi und die Fortnite-Affäre

Eine Nacht in Ibiza reicht, um Österreich in eine Staatskrise zu stürzen. Ein Video reicht, um die CDU zu entwaffnen. Eine Kolumne reicht, um die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Ibiza, Böhmermann und die Fortnite-Affäre - Kolumne von Lennek Kronhansen
Ibiza, Böhmermann und die Fortnite-Affäre - Kolumne von Lennek Kronhansen

Seltsam – Meine Ibiza-Affären führen sonst immer nur zu Chlamydien. Die aktuelle führte zur Staatskrise in Österreich.

Give me just one night in Ibiza

Ein unscharfes Video mit Vizekanzler Strache im verschwitzten Shirt, in der einen Hand eine Dose RedBull, in der anderen ein Vodka: Mehr hat es nicht gebraucht, um Strache zu stürzen – und seine rechten Parteifreunde gleich mit. Übrigens, man kann die Villa aus dem Skandalvideo für nur 1067 € pro Nacht bei AirBnb buchen. Schnäppchen eigentlich. Der Super-Host heißt Gaetano und vielleicht weiß der ja auch wer das Video gedreht hat.

Viele vermuten ja Satire-Superboy Jan Böhmermann hinter der Aktion. Die erotische Fantasie aller linksliberalen Europa-Hoodie-Tragenden hatte vor Veröffentlichung des Videos nämlich zum Thema Österreich getwittert. Und während einer Preisverleihung vor ein paar Wochen hat er das Video ungewöhnlich genau beschrieben.

Investigativ-Satiriker

Aber mal ganz abgesehen davon, die Frage, die ich mir stelle: Warum hoffen gerade so viele auf Satire, wenn es um reale Probleme der Politik geht?

Machen die investigativ-Satiriker ihren Job besser als investigativ-Journalisten?

Nee eigentlich nicht. Aber die Satiriker schaffen es halt besser Themen zu platzieren. Football-Leaks, Panamapapers und so weiter – alles Top recherchiert alles sauber gearbeitet. Nur hört man wenig über die  Folgen. Selbst Rezos YouTube Video, in dem er sich ganz gut ausrecherchiert eine Stunde lang über jahrelange Versäumnisse der Union aufregt, wird in der eingeübten Schweigespirale der CDU/CSU unter den Teppich gekehrt, als wärs eine Linie Koks kurz bevor die Polizei die gemietete Villa auf Ibiza stürmt.

Teilen macht Spaß

Ist halt am Ende eben kein lustiges Video, dass ich meinen Brudis mit lässig-starken Emojis versehen per Whatsapp schicken kann. Da lieber geile Memes in der Instastory teilen, selbst ist der Satiriker.

Und dafür sucht man dann auch erstmal in sozialen Netzwerken. Da folgt man ja eh zum Beispiel Seiten, die Ottervideos zeigen - die sind süß. Oder Seiten die Sketche machen, die sind lustig. Wie das Neo Magazin.

Themen wie Datenschutz oder Kohleausstieg sind nicht süß oder lustig. Da posten nur lahme Onlineableger von Zeitungen, die ihren Namen in Frakturschrift schreiben drüber und eben die Parteien. Tja, gibt halt keine Aufmerksamkeit dann.

Satiriker in die Parlamente!

Schaut man sich an, welche nationalen Parteien die meisten Likes auf facebook haben, zeigt sich ziemlich klar, welcher Content ankommt.

Auf Platz eins mit 455.000 likes ist: Die AfD. Okay, die haben russische Bots – das zählt nicht.

Auf Platz zwei folgt mit 300.000 Likes schon Die PARTEI von Martin Sonneborn. Die schafft es Politik, in mal mehr mal weniger lustig Inhalte zu verpacken - und so in den Newsfeeds zu landen. Und das zahlt sich wohl auch bei der Europawahl aus. Aktuelle Umfragen sagen für Die Partei ganze 3% Stimmanteil bei der Europawahl voraus. Das sind immerhin drei Sitze im Parlament.

Eine Nummer größer geht es trotzdem, beweist die Ukraine: Dort wurde kürzlich der Satiriker Wolodymyr Selenskyj zum Präsidenten gewählt.

Blasser, dünner Kanzler

Gibt’s das bald auch in Deutschland? Ich bin mir sicher, dass Böhmermanns Satireaktionen heute schon mehr Zuschauer hatten als die Weihnachtsansprachen von Merkel in den letzten Jahren. Gute Satire kann Unterhaltung und vermeintlich trockene Politik verbinden. Ein gut gearbeitetes politisches Meme verändert inzwischen vielleicht mehr als ein Text in der Zeit. Das Meme teilt man gerne - und die ganze Politik nebenbei auch.

Ein Blick in die Zukunft

2024: Bundeskanzler Böhmermann wird per konstruktivem Misstrauensvotum seines Amtes enthoben. Die sogenannte Fortnite-Affäre, aufgedeckt von den noch immer Snapback tragenden Rocketbean-Bros zwingt ihn letztendlich in die Knie. Ihr Content war einfach besser platziert. Sein Nachfolger wird der parteilose Kandidat Carsten Maschmeyer.

 

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Janek Kronsteiner, Lennart Johannsen
24.05.2019 - 14:13