Konzertbericht - La Dispute

I Think I Saw You In My Dreams

Nach Leipzig hat es die Post-Hardcore Band La Dispute diesmal nicht verschlagen. Dafür aber nach Berlin, wo sie am 21.8. im ausverkauften Columbia Theater mit Svalbarduk aufgetreten sind. La Dispute live wollten auch wir uns nicht entgehen lassen.
La Dispute live auf der Bühne des Columbia Theater
La Dispute live auf der Bühne des Columbia Theater

Erwartungen

Die Band La Dispute veröffentlichte im November vor zehn Jahren ihr Album "Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Altair". Dazu gab es kürzlich einen Online-Artikel, in dem die Band bekannt gab, eine neue Version zu veröffentlichen auf der sie die Soundqualität ausbessern wollen. Außerdem bekommt die Neuauflage auch ein hübsches neues Cover. Mit diesem Wissen im Hintergrund machte sich bei mir in den Tagen vor dem Konzert die insgeheime Hoffnung breit, dass das Album vielleicht ja durchgespielt, oder zumindest ein starker Fokus darauf liegen würde. Im Vergleich zu den neuen Stücken der Band handelt es sich bei ihrer 2008er Veröffentlichung noch um sehr energetische Songs mit vielen Shout-Passagen. Das Album ist, zugegeben, mein Favorit - auch wenn ich natürlich die neuen Werke sehr zu schätzen weiß. Und wenn schon nicht das gesamte Album, dann hoffe ich doch zumindest auf "Such Small Hands" und "Andria". Aber eigentlich eben auf alle Tracks. Man kann ja hoffen.

Beginn

Die Show wird von Svalbarduk eröffnet. Wer sich häufiger mal auf Hardcore-Shows wiederfindet, der weiß, dass weibliche Shouterinnen (und allgemein weibliche Bandmitglieder) eher eine Seltenheit sind. Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb die Frontfrau von Svalbarduk nach dem ersten Song festhält "this is what a feminist looks like". Musikalisch geht es hart, aber auch melodisch und melancholisch in den Abend. Das Columbia Theater ist bereits gut gefüllt und viele nicken mit den Köpfen mit dem Rythmus der Musik mit oder beginnen bereits sich ein wenig mitzubewegen. 

Show

La Dispute beginnen ihr Set mit dem Song "Harder Harmonies" von ihrem 2011er Album "Wildlife". Es folgt "First Reactions After Falling Through The Ice" von "Rooms of the House" (2014) und auch die nächsten Songs sind vor allem eine Mischung von Tracks aus den Jahren 2010-2014. Sie spielen beide Songs ihrer Split EP mit Touché Amoré und variieren viel zwischen härteren und ruhigeren Liedern. Im Publikum wird die Musik unabhängig von ihrer Geschwindigkeit mit großer Begeisterung aufgenommen. Das Columbia Theater teilt die Menge in drei Bereiche und der erste, der Bühne am nächsten liegende, Abschnitt besteht irgendwann eigentlich nur noch aus Mosh Pit. Zwischenzeitlich gibt es sogar eine kleine Wall of Death. 

La Dispute unterbrechen ihre Show nur selten um zwischen den Songs mit dem Publikum zu sprechen. Wenn, dann tun sie es, um daran zu erinnern, dass alle Anwesenden aufeinander aufpassen sollen, und dass das Konzert einen "Safe Space" darstellen soll, den sie sich und ihren Zuschauer*innen schaffen wollen. Außerdem sprechen sie kurz über die Neuauflage von "Somwhere at the Bottom...." bevor sie zwei Songs des Albums hinteinander spielen. Sie wählen "Said the King to the River" und "Damaged Goods" aus. Vielleicht ist das nur meine subjektive Wahrnehmung, aber die beiden Songs scheinen mir am härtesten im bisherigen Set und bringen die meiste Energie in den vollen Konzertsaal. 
Die Show endet nach einer knappen Stunde mit dem Song "You and I in Unison".

Zugaben

Wären die beiden Zugaben nicht genau die Songs, die sie dann eben am Ende auch sind, hätte ich wohl gar nichts mehr verstanden. La Dispute kommen zurück auf die Bühne und spielen erst "Such Small Hands", der den Anschein erweckt, dass wirklich alle im Publikum mitsingen. Mit seinen nur etwa 1:40 Minuten ist er viel zu kurz und ich wünschte, es würde noch "Nobody, Not Even the Rain" angehängt werden. Stattdessen gehen La Dispute in "King Park" und mit den schockierenden und krassen Textzeilen dieses Liedes enden die Zugaben. 

Fazit

Wie man sich vielleicht denken kann, hätte ich mir wohl eine etwas andere Setliste gewünscht - aber so ist das ja oft, wenn Bands viele, diverse Alben veröffentlicht haben. Dennoch bieten La Dispute eine sehr beeindruckende Live Show, die von einer erstaunlichen Präzision geprägt ist. Die Band ist zu jeder Sekunde präsent und lässt die Energie nicht abbrechen, mit der sie die Bühne betreten. Das Publikum dankt es mit Textsicherheit und viel Applaus. Alles in allem ein sehr beeindruckendes Konzert - und wer weiß, vielleicht gibt es ja doch noch irgendwann eine Tour auf der ich "Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Altair" komplett hören darf.

 

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Mehr Infos zu La Dispute finden sich hier