Festivaltagebuch: Melt! Festival

I See You - Again!

Vier Tage Melt! in Ferropolis zwischen feuerspuckenden Kränen, Lieblings-Acts, rosa gefärbten Sonnenaufgängen, aufblasbaren Einhörnern, warmen Zelten und kalten Dosenravioli - ein Festivaltagebuch.
Vom 13. bis 15. Juli öffnete Ferropolis wieder seine Tore fürs Melt! Festival.
Vom 13. bis 15. Juli öffnete Ferropolis wieder seine Tore fürs Melt! Festival.

Freitag, 12 Uhr

Nachdem das Navi uns eineinhalb Stunden über Landstraßen gelotst hat, kommen wir auf dem Melt! Parkplatz an und beginnen uns mit möglichst vielen unserer Sachen bei 30 Grad in der prallen Mittagssonne zu behängen. Ich hole mein Bändchen ab und dann geht es auf in Richtung Campingplatz. Wir sind beide zum ersten Mal hier und wundern uns, dass alles so leer ist. Wir stehen noch beim Camping Süd, es gibt keine Bäume und die Sonne knallt auf den vertrockneten Rasen. Zum Glück merken wir recht schnell, dass es geradeaus ja noch das Camping Nord gibt, an das auf einer kompletten Seite der See angrenzt und sich ansonsten auch Bäume und schattige Plätze finden. Nachdem wir den Platz einmal zur Hälfte abgelaufen sind, finden wir den perfekten Spot um unsere Zelte aufzuschlagen. Die Sonne knallt uns auf den Kopf, die Zelte stehen und wir gönnen uns erstmal unser erstes Bier. Unser erstes Ziel auf dem Festival sind The Internet. Nachdem wir den Campingplatz erkundet und ein paar Pausen im Schatten eingelegt haben, ziehen wir zum Festivalgelände. Mir wurde schon im Vorhinein gesagt, dass der Weg ziemlich lang ist und das war nicht übertrieben. Es dauert gute 20 Minuten bis wir auf dem Gelände ankommen, aber der lange asphaltierte Weg zieht sich irgendwie ewig. Da hilft nur ein Wegbier. Shuttle Busse gibt es auch, für die muss man allerdings eine Flat für 10 Euro bezahlen. Die sparen wir uns allerdings lieber und laufen das ganze Festival über.

 Entspannen auf Camping Nord - von hier ist der See auch nicht mehr weit.
 

Entspannen auf Campingplatz Nord - von hier aus ist es auch nicht weit bis zum See.

Freitag, 16 Uhr

Wir haben es auf das Festivalgelände geschafft und die ersten Besucher*innen strömen schon durch die Tore und an den riesigen Kränen vorbei, die sich verteilt auf dem Platz finden. Um die Main Stage ziehen sich halbkreisförmig Sitzplateaus – perfekt für uns, um auf The Internet zu warten, den ersten Act auf der Main Stage. Zwischendurch kommen wir noch mit einem Typen ins Gespräch, der alleine da ist und vor allem auf Florence + The Machine wartet. Florence spielt als Headliner für das Festival, tritt aber erst um halb 12 auf. Ob er solange hier warten will? Ja schon – Na okay, vielleicht mit ein paar kleinen Pausen. Wir sitzen bequem im Schatten des Kranes und unsere Treppennachbarn sind so nett, meine vom Zeltaufschlagen dreckigen Knie mit ihrer Wasserpistole zu säubern. Frisch und picobello laufe ich nach vorne, fast in die erste Reihe, denn The Internet treten auf. Wer sie nicht kennt – The Internet sind eine fünfköpfige Band aus LA und spielen einen ziemlich abgefahrenen Mix aus Electronica, Funk und RnB. Syd, die Leadsängerin fordert uns auf bei „Just Sayin“, das sie für ihre Ex-Freundin geschrieben hat, den „You Fucked Up“ Part zu singen und alle rasten aus und stimmen ein. Sie beruhigt uns aber auch wieder: „It's alright, she's cool“. Zwischendurch gibt Steve Lacy, Gitarrist der Band, solo einen Song von seinem Demo-Tape zum Besten. Für Fans von The Internet und Steve Lacy wie mich, quasi zwei Highlights in einem.

The Internet auf der Melt Stage.
 

Syd, Sängerin von The Internet, zusammen mit der Band auf der Melt Stage.

Freitag, 17 Uhr

Nach dem Auftritt verlassen wir das Gelände, um eine Freundin vom Bus abzuholen und unsere Gruppe komplett zu machen. Wir stellen ihre Sachen am Zelt ab und wollen uns vor Yung Hurns Auftritt noch mit ein paar Dosenravioli stärken. Schon stehen wir vor dem ersten Festivalproblem: Wir haben keinen Dosenöffner. Auch der Öffner am Taschenmesser hilft nicht weiter. Wir laufen also zu unseren Nachbarn mit der irischen Flagge am Zelt: „Hey, do you have a can opener?“ „No“. Und damit wird uns die Dose aus der Hand genommen und ein Typ, der lässig im Campingstuhl chillt, beginnt die Dose im Halbkreis mit seinen Zähnen zu bearbeiten. Unter lauter werdenden „No, no, no. It's okay!“ schafffen wir es ihm die Dose zu entreißen und sein Gebiss zu retten. Auf unserer Dose finden sich nun frische Bissspuren, aber offen ist sie immer noch nicht. Aus purer Verzweiflung und Zeitdruck fangen wir an die Dose mit unkoordinierten Bewegungen mit dem Taschenmesser-Dosenöffner zu bearbeiten. Das Stück, das schon leicht geöffnet ist, drücke ich mit dem Daumen hoch. Aua. Erste Festivalverletzung. Fieser Schnitt am Daumen. Aber immerhin ist das Abendbrot für unsere Gruppe gesichert. Wir schnappen uns den 1-Euro-Hugo in Dosen (wann darf man das schon trinken, wenn nicht hier?) und ziehen los.

"Ok Cool? Ja? Ok Cool." - Yung Hurn auf der Melt Stage.
 

"Ok cool? Ja? Ok cool." Yung Hurn auf der Melt Stage.

Freitag, 19 Uhr

Yung Hurn hat schon angefangen als wir ankommen, aber wir schaffen es trotzdem fast nach ganz vorne. Auf der Bühne ist ein riesiger Yung Hurn Wobbelmensch aufgeblasen, der auf dem Kopf steht (ihr wisst, diese Kunststoffmaskottchen, die meistens vor Autohäusern stehen und mit den Armen und dem Oberkörper rumschlackern). Vor der Bühne springen wir und geraten immer wieder mit allen in Moshpits, während Yung Hurn Hits wie „Bianco“ und „Ok Cool“ raushaut und zum Schunkeln „Diamant“ performt. Zwischendurch ruft er immer wieder wahlweise „Gudee Launee“ und „Nicht so laut schreien“ ins Publikum, was natürlich beides auf riesigen Wiederhall stößt. Wir gönnen uns eine kurze Essenspause bevor wir wieder zur Main Stage zu Cigarettes After Sex zurückkehren. Die Band, die man wahrscheinlich am besten zwischen Shoegaze und Ambient Pop einordnen könnte, höre ich schon fast zwei Jahre. Überrascht bin ich trotzdem, als auf der Bühne ein Sänger steht, da ich mir die Stimme immer als die einer Frau vorgestellt habe. Wieder was gelernt. Nach Yung Hurn wirken die sanften Klänge sehr entspannend und die Stimme des Sängers lullt das Publikum angenehm ein. Nach dem Auftritt von Cigarettes After Sex sind unsere Batterien wieder aufgeladen.

Die Melt Stage, während Tyler, The Creator auftritt.
 

Die Melt Stage nachts, während Tyler, The Creator auftritt.

Freitag, 21.30 Uhr

Getränke und Toilettenpausen dauern mittlerweile länger, weil sich das Gelände mehr und mehr füllt, aber noch vor 21.45 Uhr stehen wir vor der Main Stage, um uns Tyler, The Creator anzuschauen. Tylers aktuelles Album „Scum Fuck Flower Boy“ habe ich mir grob angehört, aber kenne eigentlich nur „911/Call Me“ auswendig. Umso überraschter bin ich, als er die Bühne abreißt. Nach einem dramatischen Streicher-Intro kommt Tyler auf die Bühne. Wir alle grölen bei „Who Dat Boy“ „Who He Is?“ mit und finden uns wieder bei „I Ain't Got Time“. Wer die Songs nicht kannte, findet die wichtigsten Passagen auf dem Screen. Tyler taumelt und tanzt dabei über die Bühne, als würde er jeden Moment fallen. Nach einer Stunde, die sich wie gefühlt nichts anfühlt, fragen wir uns alle „Es ist schon vorbei?“.

  

 "Who Dat Boy?" - Tyler, The Creator auf der Melt Stage.

 

Freitag, 23.30 Uhr

Main Act ist heute Florence + The Machine. Die Melt Stage ist voll wie noch nicht zuvor und Florence Welch betritt die Bühne – um sie ihr Orchester. Sie tanzt und wirbelt barfuß in einem wehenden Kleid über die Bühne. Wenn sie spricht wirkt sie fast zerbrechlich, ein bisschen wie eine Elfe oder als wäre sie aus einer anderen Welt. Sie fordert das Publikum bei einem der Songs auf alle Handys wegzulegen, um den Moment zu genießen oder auch mal eine Person – egal ob befreundet oder fremd - zu umarmen und hochzuheben. Das Publikum jubelt und macht mit, mir ist der Pathos fast ein bisschen zu viel. Vor ein paar Jahren war ich absoluter Florence Fan, aber ihre Live-Shows und die beiden neueren Alben sind einfach nicht meins. Ganz ehrlich, nach der Hälfte des Auftritts gehe ich zum Falafelstand und schaue mir das Ganze mit einem Snack von den Steintreppen um die Bühne herum an. Für halbherzige Zuschauer*innen wie mich in dem Moment perfekt – der Sound ist hier gut und das Wichtigste bekomme ich auch mit. Meine Freundinnen kommen begeistert vom Auftritt zurück und schwelgen noch verträumt in Florence' Auftritt.

Florence + The Machine auf der Melt Stage.
 

Florence + The Machine spielen freitags als Main Act auf der Melt Stage.

Samstag, 1 Uhr

Wir sind müde und wollen kurz auf dem Campingplatz entspannen. Der Plan: Um 2.30 Uhr zu Tommy Cash gehen. Die Realität: Um 2.30 Uhr schlafen gehen.

Samstag, 9 Uhr

Wir kriechen verschwitzt aus unseren Zelten. Alle, die schon auf Festivals im Hochsommer waren, kennen das Problem wahrscheinlich. Die Temperaturen erreichen alle Tage um die 30 Grad und das Zelt verwandelt sich schon morgens in einen Backofen. Wir haben mittlerweile mit einem YouTube-Tutorial herausgefunden, wie man die Dosen mit dem Taschenmesser-Öffner verletzungsfrei aufbekommt und setzen uns vor unsere Zelte für ein Ravioli-Frühstück. Einen Pavillon haben wir natürlich nicht und auch nur einen Campingstuhl – praktisch für drei Leute. Wir beschließen den Tag am See zu verbringen. Überall an einer Seite des Campingplatzes entlang liegen kleine Badestellen. Wir suchen uns eine der weniger besuchten und laufen durch das kleine Waldstück an den im Schatten schlafenden Leuten entlang. Keine schlechte Idee, wenn man es nicht mehr im Zelt aushält. Wir legen uns an den Strand, gehen schwimmen und genießen euphorisch das Urlaubsfeeling. Neben dem See ist auch der Timetable ein großer Pluspunkt beim Melt – die Acts, die wir sehen wollen beginnen heute erst um 20 Uhr. Nach ausgiebigem Baden ist also noch Zeit für einen Nap.

8 Uhr morgens, 40 Grad im Zelt - wer kennts?
 

8 Uhr morgens, 40 Grad im Zelt.

Samstag, 18 Uhr

Wir kriechen abermals aus unseren warmen Zelten, machen uns fertig und rüsten uns mit Bier aus. Es wird Zeit Mitspieler*innen für Flunkyball zu finden. Wir gehen ein Camp nach links und können ein paar unserer Nachbarn aus der Schweiz motivieren. Die Runde bleibt spannend bis zum Schluss – unter anderem wegen drei Strafbier für mein Team (auf eine Person) und unbekannten Mitspielern, die sich irgendwann einfach selbstständig einklinken. Nach der Runde versacken wir bei unserem Nachbarcamp und freunden uns mit unseren Schweizer Nachbarn an. Nach ein, zwei Bier und 1-Euro-Hugo wird die Wegmische zubereitet und wir machen uns als große Gruppe auf zum Festivalgelände. Das Ziel ist Rex Orange County um 20 Uhr, letztendlich kommen wir vor 21 Uhr pünktlich zu Moses Sumney an.

Kein Festival ohne Flunkyball.

Flunkyball gehört zu jedem Festival dazu.

Samstag, 21 Uhr

Moses bespielt die Melt Selektor Stage direkt am Strand. Wir laufen bis nach ganze vorne und  kommen schnell mit anderen Erste-Reihe-Fans ins Reden und auch ins Tanzen. Moses betritt die Bühne und wir alle sind verzaubert. Sein Debut-Album trägt den Titel „Aromanticism“. Darin verpackt er konzeptuell in Songs wie es ist, als Aromantiker zu leben – als Person, die keine romantischen Gefühle für andere entwickeln kann. Die Thematik wird getragen von einem Mix aus elektronischen, folkigen und souligen Einflüssen. Moses Musik beginnt ruhig und steigert sich immer weiter. Nach seinem Auftritt verlassen wir selig die Melt Selektor Stage, laufen am Wasser entlang, genießen noch einmal den Ausblick über den See und machen uns weiter auf zur Forest Stage. Die Forest Stage liegt zwischen lauter Bäumen, wie es der Name schon andeutet, ist kleiner als die Stages zwischen den Kränen und wird meist mit DJs und Acts elektronischer Musik bespielt. Wie das Ganze zustande kam, weiß ich nicht mehr genau, aber irgendwie finden wir bei der Forest Stage alle unsere Schweizer Nachbarn wieder und schließen uns den restlichen Abend ihrer Gruppe an. Vor der Forest Stage tanzen wir zu den Klängen von Hidden Spheres bis wir alle zusammen weiterziehen zum Roman Flügel. Der legt auf der Wheel Stage auf. Wir tanzen eine Weile, mein Zeitgefühl schwindet auf dem Gelände. Irgendwann schlagen ein paar aus der Gruppe vor, zu Odesza zu gehen wir schließen uns an. Mittlerweile wird es dunkel. Die Main Stage ist mit den bunten Visuals von Odesza erleuchtet. Wir schauen uns das eine knappe halbe Stunde an, dann ziehen wir weiter zu Nina Kraviz – immer mit unseren Nachbarn mit. Ich bin mittlerweile sowieso etwas planlos und habe Lust neue Acts zu entdecken. Wir bilden eine Kette, um uns in der Menge nicht zu verlieren und kommen nach Ewigkeiten an der voll überlaufenen Wheel Stage an, wo Nina Kraviz mittlerweile auch schon auflegt. Den restlichen Abend wechseln wir immer wieder zwischen den verschiedenen kleineren Stages, entspannen auf den Holzbänken, reden und tanzen. Um 6 Uhr morgens schaffen wir es zum Campingplatz - und springen bei Sonnenaufgang nochmal in den See.

Wer durchtanzt, springt morgens schnell nochmal bei Sonnenaufgang in den See.
 

Wer durchtanzt, springt morgens noch schnell in den See.

Sonntag, 11 Uhr

Ich stehe auf und binde meine Schuhe so gut es geht. Zwischen Zeige- und Mittelfinger habe ich zwei fette Brandblasen, weil ich gestern aus Versehen in eine Kippe gefasst habe und mein Dosenravioli-Schnitt-Daumen tut auch noch ein bisschen weh. Laufen geht auch nicht so gut. Ich habe mir nicht nur eine Blase gelaufen, sondern mein kleiner Zeh ist eine einzige Blase. Ich versuche den Schaden so gut wie möglich mit meinen limitierten Möglichkeiten zu beseitigen und klebe Pflaster mit kleinen Monstern drauf. Schon viel besser! Mein Energie-Level ist trotz Festival Tag 3 hoch, was mich selber überrascht. Nur leider das meiner Freundinnen nicht. Während ich nicht schlafen kann, nappen die beiden und ich schwimme alleine eine Runde im See. 

Sonntag, 16 Uhr

Ich halte es nicht mehr aus und muss die beiden wecken. Das wird nur semi-begeistert aufgenommen. Unser Plan: Kurz im See abkühlen, dann Flunkyball, um in die Gänge zu kommen. Auch unsere Nachbarn sind nur halbwegs motiviert. Immerhin eine kleine Runde bekommen wir fürs Flunken zusammen. Wir teilen unsere letzten Getränke-Vorräte und machen uns ein letztes Mal auf zum Festival-Gelände.

Little Dragon am Sonntag auf der Melt Stage.
 

Little Dragon auf der Melt Stage.

Sonntag, 20.15 Uhr

Auf der Melt Stage beginnen gerade Little Dragon und ich laufe euphorisch bis nach Vorne, wo wir den ganzen Auftritt durchtanzen. Yukimi Nagano, die Sängerin der Synthpopband trägt einen bunt schillernden Jumpsuit, der über und über mit Pailetten besetzt ist. Irgendwann bindet sie in ihre Performance einen Running Man ein – und der sah noch nie so überirdisch gut wie bei ihr aus. Little Dragon sind ganz klar eins meiner Highlights vom Melt. Gleich nach dem Auftritt machen wir uns weiter zu Fatima Yamaha – das elektronische Nebenprojekt vom niederländischen Musiker Bas Bron. Wir kommen gerade rechtzeitig an, um „Whats A Girl To Do“ zu hören – einen der hartnäckigtsten Ohrwürmer, die ich dieses Jahr entdeckt habe. Wir feiern und tanzen in der Menge bis zum Ende seines Auftritts. Noch eine halbe Stunde und es geht weiter zu Princess Nokia. Wir ruhen uns auf den Hügeln um die Stage aus und schauen auf den Strand und die Bühne. Ich gehe früh genug so weit nach vorne wie es geht. Und schaffe es fast bis zur Absperrung. Auf Princess Nokia freue ich mich eigentlich am meisten. Auf der Bühne performt sie einen Mix aus ihren Soundcloud-Hits, ihrem Debut-Album und dem Emo-HipHop-Mixtape, das sie dieses Jahr veröffentlicht hat. Zwischen den Songs spielt der DJ immer wieder Interludes aus älteren Pop-Punk-Songs, was alle zuerst etwas irritiert, bis die meisten es am Ende richtig feiern. Irgendwann springt Princess Nokia von der Bühne und stellt sich auf die Absperrung vor die Fans – direkt vor mich. 

Princess Nokia bei ihrem Auftritt direkt vor mir.
 

Princess Nokia performt auf der Meltselektor Stage - direkt vor mir.

Wow, ich als Fan bin natürlich todesglücklich. Der Typ links hinter mir ist fast zwei Meter groß und wurde von ihr auserkoren sie an der Hand festzuhalten – ein bisschen neidisch bin ich da schon. Trotzdem überglücklich sie endlich live gesehen zu haben, gehe ich zu meinen Freundinnen zurück. Die wollen weiter zu The xx, aber ich verliere sie in der Menge. Ich entscheide mich spontan um. Nachdem Florence mein ehemaliges Indie-Herz enttäuscht hat, bin ich nicht in der Stimmung The xx anzuhören und meine melancholische Teenie-Phase bei ihren Songs wieder aufleben zu lassen. Ich will lieber tanzen gehen. Also laufe ich zur Forest Stage, wo gerade DJ Boring auflegt. Ein paar unserer Schweizer Nachbarn treffe ich auch. Das Tolle am Melt – die meisten Leute, die ich kennengelernt habe, sehe ich immer wieder. Und das, obwohl das Gelände recht groß ist. Ich tanze in der Menge, lerne neue Leute kennen, verquatsche mich und merke dann, dass ich viel zu spät bin. Meine Freundinnen  wollten mich vor Mura Masa am Getränkestand treffen. Jetzt hat das Konzert schon angefangen. Ich sprinte also den Weg zwischen den Bäumen zurück zur Meltselektor Stage. Und treffe meine Freundinnen mitten in der Menge wieder vor einer Gruppe Luftballons. Passend zu unserer euphorischen Wiedervereinigungs-Stimmung legt Mura Masa Hits auf wie „What If I Go“, „1Night“ und „Lovesick“.

Von der Melt Selektor Stage aus kommt man direkt an den See.
 

Die Meltselektor Stage liegt direkt am Strand.

Montag, 3 Uhr

Heute am letzten Tag ist Mura Masa gleichzeitig auch der letzte Act auf dem Festivalgelände. Die Musik ist aus und schon beginnen alle Besucher*innen vom Gelände zu strömen, manche schneller, manche gemütlicher. Wir wagen es uns an die astronomisch lange Toilettenschlage anzustellen und beobachten von dort wie Massen um Massen an uns vorbeiziehen – zum Sleeplessfloor. Bis wir es vom Festivalgelände schaffen, ist der auch schon gut gefüllt. Marc Miroir legt gerade auf. Wir suchen uns einen Ort zum Tanzen auf dem sandigen Floor. Nur ich merke langsam, dass ich doch nicht mehr so viel Energie habe wie gedacht. An meinen Füßen haben sich mittlerweile noch viel mehr Blasen gebildet, was das Tanzen gar nicht so einfach macht und ich entschließe mich nach Hause zu humpeln und etwas von unseren letzten Dosenravioli-Vorräten zu snacken.

Montag, 9 Uhr

Todesmüde, aber glücklich fangen wir an unsere Sachen zu packen. Nach einem kleinen Absacker in den See zur Abkühlung bauen wir ab.

Montag, 12 Uhr

Der Campingplatz sieht mittlerweile aus wie leergefegt. Wir bepacken uns mit allen Sachen und machen uns ein letztes Mal auf zum Auto. Zusammen mit unserer neuen Schweizer Freundin, die wir spontan zum Leipziger Bahnhof mitnehmen, sitzen wir im Auto bei offenen Fenstern und lassen das Melt beim Fahrtwind Revue passieren. Mein erstes Melt wird auf jeden Fall nicht das letzte gewesen sein. Wir schmieden schon wieder Pläne, um nächstes Jahr wiederzukommen. Ohne zu lügen – das war das schönste Festival, auf dem ich bis jetzt war. Bis zum nächsten Jahr Melt!

Wobbelmensch Yung Hurn.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hier geht's zum Vorbericht mit den wichtigsten Facts zum 21. Melt! Festival.