Newcomerin des Monats: Alex Lahey

I Love You Like A Brother

Unsere Newcomerin des Monats hat sogar mal Jazz-Saxofon studiert. Weil ihr die strenge Art des Lernens aber nicht gefallen hat, brach sie das Studium ab. Zum Glück – Mit ihrem Debüt "I Love You Like A Brother" liefert sie eine frische Indie-Platte!
Alex Lahey hat sich mit ihrem Debüt "I Love You Like A Brother" den Titel Newcomerin des Monats verdient.
Alex Lahey hat sich mit ihrem Debüt "I Love You Like A Brother" den Titel Newcomerin des Monats verdient.

Sie kommt aus Melbourne in Australien, ist Mitte 20 und macht natürlich schon eine ganze Weile Musik. Obwohl sie sich dabei von Dolly Parton und Bruce Springsteen inspirieren lässt, klingt ihre Musik alles andere als Altbacken. Mit „I Love You Like A Brother“ erfindet sie Indie-Rock zwar nicht neu, aber sie erweitert das Genre um eine frische Platte.

Mit ihrem Song „You Don’t Think You Like People Like Me“ feierte Lahey vor gut einem Jahr erste Erfolge. Awards wie etwa der Pitchfork’s Best New Track Award zählen seitdem zu dem Eigentum der Australierin. Ihre erste EP erschien nur kurze Zeit später. Wegen eines Labelwechsels wurde „B-Grade Universitiy“ nach dem Release 2016, im Januar diesen Jahres nochmals veröffentlicht. Viel wichtiger ist aber: Ihr Debüt „I Love You Like A Brother“ steht seit dem 6. Oktober in den gut sortierten Plattenläden und wurde sogar von Laheys eigenem, unabhängigen Label „Nicky Boy Records“ herausgebracht.

Nichts mit Friendzone

Obwohl es der Titel im ersten Moment vielleicht vermuten lässt, hat die Platte nichts mit stereotypen Vorstellungen von der klassischen Friendzone á la „Du bist für mich wie ein Bruder“ zu tun. Stattdessen geht es im Titeltrack „I Love You Like A Brother“ tatsächlich um die Liebe zu ihrem Bruder. Mit dem hatte sich Alex Lahey früher nämlich ziemlich oft in den Haaren. Der Song ist also gleichbedeutend mit einem kleinen Geschenk zur Wiedergutmachung.

You don't like sports and I don't like dresses
Luckily for us, our parents got the message
Always say "No" to combat my yeses
You know me better than I give you credit
People say we look the same, but I don't think we do
Maybe that's a consequence of sharing the same womb

Alex Lahey sprudelt vor Kreativität. Das macht sich auch daran bemerkbar, dass kein einziger Song der EP auf dem Album ist. Stattdessen liefert sie zehn neue Songs. Lahey selbst sagt, dass sie eine intime musikalische Erfahrung schaffen wollte. Das klingt erstmal vielleicht nach typischem Singer-/Songwriter Mist – ist es aber nicht. Alex Lahey kombiniert nämlich eingängige Pop-Melodien mit viel Gitarren und Schlagzeug. Dazu kommt ihre klare Stimme und fertig ist die Musik mit Gute-Laune-Garantie.

Textlich dreht sich das Album um die alltäglichen Probleme einer Mitzwanzigerin. Sympathisch macht sie dabei allerdings ihre „I don’t give a shit“-Haltung, zu der an einigen Stellen auch trockener Humor kommt. In „Awkward Exchange“ singt sie zum Beispiel „I’ve figured it out, you’re a bit of a dick“. Aber Alex Lahey kann nicht nur humorvoll, sondern auch nachdenklich sein. So ist ein Highlight der Platte „I Haven’t Been Taking Care Of Myself“. Den hat Lahey nach einem Gespräch mit ihrer Mutter geschrieben. Dass, so sagt sie selbst, öffnete ihr die Augen und machte ihr klar, wie wichtig es ist, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren.

Fazit

Mit „I Love You Like A Brother“ steht eine hörenswerte Platte in den Musikgeschäften. Obwohl es Indie-Bands wie Sand am Meer gibt, ist Alex Lahey nicht überflüssig. Ehrliche Texte, eingängige Melodien und keine Angst vor Selbstironie zeichnen sie aus und machen „I Love You Like A Brother“ zu dem was es ist: Das Debüt einer starken Frau, die es auch mit Indie-Bands aufnehmen kann, die schon 20 Jahre auf dem Buckel haben.

 

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Lucie Herrmann
07.11.2017 - 09:01
  Kultur

Alex Lahey: I Love You Like A Brother

Tracklist:

01. Everday's The Weekend*
02. I Love You Like A Brother*
03. Perth Traumatic Stress Disorder
04. I Haven't Been Taking Care Of Myself*
05. Backpack*
06. Awkward Exchange
07. I Want U
08. Lotto In Reverse
09. Let's Call It A Day
10. There's No Money*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 06.10.2017
Nicky Boy Records