Kolumne

Hyped den Helm!

Die Kolumne. Immer Freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Lisanne Surborg über Straßenreparaturen und Fahrradängste.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

"Hyped den Helm!" - Die Kolumne von Lisanne Surborg
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Sommer, Sonne, Schienenersatzverkehr! Wappne dich, Leipzig: Es wird hart.

Auf der Karli werden die Schienen ausgetauscht – ja, schon wieder – und das heißt, dass bis zum 15.Juli keine Tram rollt.

Teilweise gleichzeitig wird auch die Riebeckstraße gesperrt und zwar – festhalten – von Anfang Juli bis Ende September. Grund hierfür ist eine Sanierung der Brücke, die, wenn man unter ihr hindurchgeht, tatsächlich Horrorfilmflair versprüht.

So viel Rost.

Um den geht es aber gar nicht, sondern ausschließlich um den Straßenbelag auf der Brücke. Das Pflaster wird als reifenbelastend und sehr lautstärkeintensiv beschrieben.

Es gibt einen kleinen Lichtblick: Die Straßenbahnen sollen nur 6 Wochen nicht fahren, ab Mitte August müsste trammäßig wieder alles in Butter sein. Bis dahin wird munter busgefahren.

Eng, stickig und chaotisch.

Kolumnistin Lisanne Surborg
Schockiert, überfordert und ein bisschen angewidert: unsere Kolumnistin Lisanne Surborg

Alternativ könnte ich natürlich auch mein Fahrrad abstauben und aufpumpen. Nur gehöre ich zu den Menschen, die sogar zum See am liebsten mit der Straßenbahn fahren.

Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Ich bin faul und schon durchgeschwitzt, wenn ich das Rad nur aus dem Keller bugsieren muss.
  2. Ich habe Angst.

Im Freundes- und Bekanntenkreis häufen sich Unfälle, die LVZ berichtet fast täglich von neuen. Neben PKWs und LKWs fürchte ich mich davor, mit meinem Reifen in die Straßenbahnschienen zu rutschen. Ein Problem, das ziemlich real ist.

Wird das beim Austausch der Gleise auf der Karli berücksichtigt? Nope. In Zürich hat man mal versucht, die Gleise mit Kunststoff aufzufüllen. Fahrräder fahren einfach drüber, schwere Straßenbahnen drücken ihn runter und rollen problemlos über ihre Schienen. Von langer Dauer war die Maßnahme leider nicht, weil das Auffüllmaterial schnell begann, aus der Schiene zu bröckeln.

Versuchen, scheitern, weiterprobieren.

Hierzulande lässt man die Bemühungen einfach gleich.

Wenn es sonst keiner macht, müssen Radfahrer und Radfahrerinnen sich eben selbst schützen. Ich würde mich am liebsten in eine lederne Motorradkluft zwängen und damit mein Fahrrad besteigen – sähe aber scheiße aus.

Moderatere Schutzmethoden gibt es natürlich auch. Da wäre der Klassiker Fahrradhelm, der im Falle eines Unfalls Köpfe schützt, aber in jedem anderen Fall Frisuren plattdrückt und Stirnschweiß hervorruft.

Die coole Alternative heißt Hövding und kommt aus Schweden. Es handelt sich um einen unauffälligen Kragen, in dem ein Airbag versteckt ist. Der Kragen-Airbag ist sicherer als ein Helm und stülpt sich im Ernstfall über Kopf und Nacken. Einmal ausgelöst, muss Hövding allerdings ersetzt werden. Bei einem Preis von 300 Euro können sich das nicht alle leisten.

Es ist auswegslos!

Nein! Die Lösung ist der Helm, aber nicht seiner jetzigen Form mit seinem jetzigen Image.

Es gab schon so bescheuerte Modetrends, warum nicht mal den Fahrradhelm hypen. Der Vokuhila war in, Badelatschen mit Plüsch sind es noch: Es ist an der Zeit, den Fahrradhelm allgemein cool zu finden.

Ich habe übrigens „Hipster Fahrradhelm“ gegoogelt und nichts gefunden –

Nur Hövding tauchte einmal auf…

Leute, gründet ein Start-up und designet einen so hippen Helm, dass ich gar keinen Bock mehr habe, mein Rad in den Keller zu sperren.

 

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