Fantasy Filmfest 2017

Hurra, es ist eine Arschgeburt!

Spanien hat mit Filmen wie "REC" bereits den ein oder anderen Horrorklassiker hervorgebracht. Mit "The Night Of The Virgin" kommt jetzt Nachschub, doch der sprengt jegliche Geschmacksgrenzen.
Ausufernder Splatter-Sex in Night Of The Virgin
Schreien will man auch als Zuschauer

Vor der Berliner Vorführung von The Night Of The Virgin auf dem Fantasy Filmfest wird jedem Zuschauer eine pechschwarze Kotztüte in die Hand gedrückt. Eine eigenartige Situation, wenn man bedenkt, dass es erst 14 Uhr ist und man gleich einen der skurrilsten filmischen Ekel-Trips der letzten Jahre zu sehen bekommt. Aber immer der Reihe nach. Worum geht es überhaupt? Man könnte jetzt ins Detail gehen und direkt zu der Eskalation in der letzten halben Stunde des Films kommen, aber natürlich soll an dieser Stelle niemandem der Spaß am Film verdorben werden.

Medea, die Ekelbraut

Es ist Silvester, die Massen feiern den Beginn eines neuen Jahres. Für den Möchtegern-Aufreißer Nico (Javier Bódalo) sieht die Welt jedoch etwas düsterer aus. Er ist 20 Jahre alt und will endlich seine Unschuld verlieren. In seiner Verzweiflung gerät er an eine ältere Dame (Miriam Martin). Die ist willig und nimmt den notgeilen jungen Mann mit zu sich nach Hause. Dass sie Medea heißt und in einer heruntergekommenen, verdreckten Wohnung lebt, stört ihn nicht. Medea scheint irgendeiner Sekte anzugehören und dann wäre da noch ein Kelch voller Blut in ihrer Dusche. Mehr sollte man vorher nicht über die Handlung wissen. Verraten sei nur: Es wird blutig und verdammt ekelhaft.

Dass man den ganzen Film nicht ernst nehmen sollte, machen bereits die ersten Minuten deutlich, wenn in einer TV-Show eine Moderatorin mit ihrem durchgeknallten Kollegen aneinandergerät. Ohne den humoristischen Unterton wäre The Night Of The Virgin aber auch nicht zu ertragen und die schwarzen Tüten wären im Kinosaal wohl tatsächlich zum Einsatz gekommen.

The Night Of The Virgin

Kino zum Fremdschämen

Javier Bódalo brilliert als verzweifelter Verlierer mit überdimensional großem Gebiss. Wenn er sich auf einer Party an die Damenwelt heranwagt, möchte man am liebsten vor Fremdscham wegschauen. Bis zum ersten Mal auf den Boden gekotzt wird, vergehen etwa 10 Minuten. Doch das ist nur der Auftakt für eine Orgie aus Blut, Dreck und Körperflüssigkeiten, die spätestens in der zweiten Hälfte losbricht. Spätestens dann schämt man sich jedoch auch für den Regisseur, denn Night Of The Virgin ist unfassbar infantil. In seinem dauerhaften Bestreben, Ekelgefühle beim Zuschauer hervorzurufen, sorgt er in seinen zwei Stunden Laufzeit irgendwann nur noch für Langeweile. Als 80 Minuten langer Film hätte The Night Of The Virgin zu einem echten kleinen Trash-Klassiker werden können, so bietet er dem Zuschauer aber einfach zu wenig.

Trotzdem muss man lobend anmerken, dass sich dem Wahnwitz dieser Geschichte niemand entziehen kann. In manchen Momenten kann man sich ein Lachen einfach nicht verkneifen. The Night Of The Virgin wirkt wie eine groteske Parodie auf Polanskis Psycho-Klassiker Rosemaries Baby, nur eben mit mehr Geschlechtsteilen und mehr Blut. Gekrönt wird das groteske Treiben von einem quälend langen Finale, in dem es zu der wohl verstörendsten Schwangerschaft der Horrorfilmgeschichte kommt. Es ist eine Sequenz, die man nie mehr aus dem Kopf bekommt. Lieber Leser, vielleicht ahnen Sie langsam, worauf der Titel dieser Rezension anspielt...

Fazit

The Night Of The Virgin ist ein ekliger Trip der Peinlichkeiten, bei dem jeder selbst entscheiden muss, wo seine Ekelgrenze liegt. Der charmante Trashfaktor und einige Lacher können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die vor Dreck triefende Geschichte einfach zu wenig hergibt, um zwei Stunden zu füllen.

 

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"The Night Of The Virgin" läuft auf dem Fantasy Filmfest 2017.

Screening-Termine

MÜNCHEN – 15 Sep / 22.45 Uhr
HAMBURG – 13 Sep / 14.00 Uhr
STUTTGART – 10 Sep / 22.00 Uhr
BERLIN – 15 Sep / 14.15 Uhr
FRANKFURT – 19 Sep / 22.30 Uhr
KÖLN – 23 Sep / 22.30 Uhr
NÜRNBERG – 01 Okt / 12.30 Uhr

Der Film ist ab dem 17.11.2017 auf Blu Ray und DVD erhältlich.