Protest gegen Erdogans Politik

Hupen für Pressefreiheit

"Terrorpropaganda" und "Präsidentenbeleidigung" – diesen Vorwürfen Erdogans müssen sich türkische Journalisten zurzeit stellen. Häufige Konsequenz: Gefängnis. Jetzt hat es erstmalig einen Deutschen getroffen - und das bleibt nicht ohne Protest.
Der Autocorso.
Heute fuhren hunderte Autos im Corso hupend durch die Straßen von insgesamt zwölf Städten.

Der türkische Präsident Erdogan und die Pressefreiheit - nicht die besten Freunde, das ist mittlerweile bekannt. Seit dem Putsch im Juli vergangenen Jahres sitzen über hundert türkische Journalisten in Haft. Die Tatbestände: "Terrorpropaganda", "Präsidentenbeleidigung" und Ähnliches - oftmals willkürlich auferlegte Anklagen. Mittlerweile müssen sich nicht nur die Journalisten türkischer Nationalität um ihre Zukunft sorgen. Auch die mit deutscher Staatsbürgerschaft sind nicht sicher, wie sich gestern zeigte.

Der Fall Yücel

Vor zwei Wochen wurde der Deutsche Deniz Yücel, Türkeikorrespondent der Tageszeitung Die Welt, von der türkischen Polizei inhaftiert. Ihm werden Volksverhetzung und Terrorpropaganda vorgeworfen. Gestern wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Das vorläufige Urteil: Untersuchungshaft auf unbestimmte Zeit - und das können laut dem türkischen Recht bis zu fünf Jahre sein.

Das Urteil sorgte überall in Deutschland für Protest: Merkel nannte die Entscheidung "bitter und enttäuschend" und "unverhältnismäßig hart". Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) äußerte sich auf Twitter so:

2802 Free Deniz Heiko Maas Tweet

#FreeDeniz

Und nicht nur Politiker und Prominente protestieren öffentlich. Die Initiative FreeDeniz organisierte heute via Social Media Autokorsos in zehn deutschen Städten, neben Leipzig auch in München und Frankfurt.

2802 Free Deniz Berlin

Auch in der Hauptstadt hupten laut Polizei rund 200 Autos für die Pressefreiheit.

Fahren im Autokorso als politische Aktion - das kommt selten vor, zumindest laut der Leipziger Polizei. Hupen ohne akute Gefahr ist eigentlich verboten und gilt als Ordungswidrigkeit. Trotzdem lief der Korso ohne Probleme ab: In Leipzig beteiligten sich mehr als 50 Autos und 40 Fahrräder bei der Protest-Tour durch die Stadt.

 Hintergründe und Zusammenhänge zum Thema hören Sie hier:

Moderator Nico van Capelle im Gespräch mit Redakteurin Pia Uffelmann.
2802 Free Deniz
 

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