Die Kolumne

Humbug

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Magnus Folten über eine schlechte Idee, eine schwachsinnige Idee und vergeudete Kreativität.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben wie immer eine Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Die Kolumne zum Nachhören:

Humbug – Magnus Folten über eine schlechte Idee, eine schwachsinnige Idee und vergeudete Kreativität
Humbug - Die Kolumne von Magnus Folten

Die Journalistik Leipzig soll laut ihrem Leiter Marcel Machill eine neue Richtung einschlagen. Demnächst sollen Studenten statt Grundlagen Datenjournalismus lernen. Häh, Datenjournalismus? Werden dann demnächst alle in Glenn Greenwalds Fußstapfen treten?

Eine weitere Aufdeckung im Maßstab von Greenwalds Edward-Snowden-Story ist, rein statistisch betrachtet, unwahrscheinlich. Aber das sollten Datenjournalisten wohl am besten wissen. Immerhin lernen sie Statistik.

Prof. Machill kritisiert die neue Ausrichtung. Ein Masterstudiengang Datenjournalismus werde wahrscheinlich die Forschung vorantreiben. Er diene aber nicht der Ausbildung von Journalisten. Bei dieser Aussage gehe ich mit. Allerdings hat der vorherige Masterstudiengang, so, wie Prof. Machill ihn gestaltete, der Journalistenausbildung ebenfalls nicht gedient: Viele Studenten beschwerten sich über ein praxisfernes Studium. Einige brachen den Master ab; die Bewerberzahlen schrumpften.

Ich weiß nicht, wie man das offenbare Problem anders hätte lösen können. Eins ist aber klar: Der ganze Heckmeck um den Studiengang und die mögliche Neuausrichtung versetzt dem ehemals guten Ruf der Leipziger Journalistik den Gnadenstoß.

Nach den G20-Ausschreitungen sollen laut Innenminister Thomas de Maizière auch Treffs der linken Szene in Leipzig schließen. Außerdem will er Subventionen kürzen. Betroffen wären zum Beispiel das Conne Island oder das Werk 2. Ist das wirklich nötig?

Thommy fucking de Maizière, you never fail to amaze me. Das Werk 2 bietet Ferienfreizeiten für Kinder an. Auf sowas draufzukloppen ist politisch einfach nur peinlich.

Kolumnist Magnus Folten
Kolumnist Magnus Folten

Alkoholverbot und Mozart vom Dach: Die Betreiber der Bahnhofspromenaden möchten Obdachlose unbedingt von den Eingängen vertreiben. Dazu bekommen sie jetzt auch die Erlaubnis der Stadt Leipzig. Verschwindet demnächst ein Stück Bahnhofsflair?

Was für ein gewiefter Schachzug mit der klassischen Musik. Und das mit dem Alkoholverbot wird mit Sicherheit auch zielführend sein. Mein Kompliment für diese Effizienz. Nur das Ziel muss ich kritisieren. Sollte nicht viel eher der Gedanke im Vordergrund stehen, den Obdachlosen ein richtiges Dach zu besorgen? Schade, dass die Stadt ihr gesammeltes kreatives Potential stattdessen darin investiert, Obdachlose weiter zu desozialisieren. 

Und nächste Woche?

Rufe ich die GEMA an und frage, ob die Stadt für die Musik am Hauptbahnhof überhaupt bezahlt.

 

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Magnus Folten
14.07.2017 - 11:35