Rechtsextremismus

Homeland des Rechtsrock

Warum der Verfassungsschutz vor rechtsextremer Musik warnt, Sachsen bei manchen sogar als Homeland des Rechtsrock gilt und was es eigentlich mit der "Einstiegsdroge Musik" auf sich hat.
Neonazi, Skrewdriver-Fan
Ein Anhänger der in der Szene legendären Rechtsrock-Band "Skrewdriver"

Ein bisschen NS-Hip-Hop auf dem Weg zur Schule? Oder doch lieber einen flotten volksverhetzenden Schlager? Der Verfassungsschutz Sachsen hat kürzlich auf die Gefahr extremistischer Musik, besonders für Jugendliche hingewiesen. Neben Thüringen gilt nämlich auch Sachsen als Hochburg für rechtsextreme Musik. So gab es 2018 mit 49 bekannten Musikveranstaltungen einen neuen Höchststand. Der Verfassungsschutz zählte darüber hinaus 30 rechtsextreme Bands in Sachsen, zwei davon aus Leipzig.

Zentrum des Rechtsrock

Danilo Starosta vom Kulturbüro Sachsen bezeichnet Sachsen sogar als „Homeland“ des Rechtsrock. Es komme nie vor, dass Konzerte nicht gut besucht seien oder nicht hätten stattfinden können. Dafür sorge eine teils jahrzehntealte Infrastruktur.

Dass Musik für die rechtsextreme Szene von Bedeutung ist, machte 2015 auch der ehemalige Landesvorsitzende der NPD Berlin, Sebastian Schmidtke, deutlich. Er betonte, dass neben der normalen politischen Arbeit auch die Musik ein sehr wichtiges Instrument zur Übermittlung von politischen Inhalten sei. Wegen Aussagen wie dieser rückt rechtsextreme Musik immer mehr in den Fokus des Verfassungsschutzes. Das bestätigt auch der Sprecher des sächsischen Verfassungsschutzes Martin Döring.

Da diese Szene sich im Augenblick als sehr virulent, als stark und rekrutierungsfähig und –willig erweist, sahen wir hier das Erfordernis, uns noch mal in die Öffentlichkeit zu begeben und diese Öffentlichkeit über die Gefahren, die von dieser Szene ausgeht, zu informieren.

 

Gerade Heranwachsende, die sich abgrenzen und neuorientieren wollen, könnten über extremistische Musik leicht in die Szene geraten, so der Verfassungsschutz weiter. Besonders Konzerte würden dabei den ersten Kontakt zur Szene herstellen. Wenn man am Wochenende nichts zu tun habe und dann von einem Kumpel mit auf ein Konzert genommen werde, übertrete man damit eine erste Hemmschwelle.

Einstiegsdroge in die rechte Szene?

Doch wer bei YouTube zufällig auf rechtsextremes Liedgut stößt, wird nicht gleich zum Nazi. Das sagt auch der Mainzer Musikwissenschaftler Dr. Thorsten Hindrichs, der zu diesem Thema forscht. Wenn man die Musik und ihre Inhalte gut finde, dann sei es vielmehr so, dass man ohnehin schon eine grundsätzliche Sympathie für rechtsextremistische Ideen mitbringe.

Darum sieht Hindrichs Rechte Musik auch nicht generell als Einstiegsdroge in die Szene. Die Bezeichnung findet er in der Öffentlichkeit sog gefährlich.

Aus der rechtsextremen Perspektive ist die eigentliche Funktion dieser Einstiegsdrogen-Geschichte tatsächlich Aufmerksamkeit zu generieren, weil gleichzeitig über Medien, über manche zivilgesellschaftliche Organisationen und andere Leute, die es gut meinen, diese Einstiegsdrogenthese sehr alarmistisch weiterverbreitet wird.

 

Dennoch warnt auch Hindrichs vor der rechtsextremen Musikkultur,  gerade wenn sie bei Konzerten ausgelebt wird. Eben weil Neulinge hier häufig das erste mal in Berührung mit rechter Ideologie kommen. Daneben sei ein sehr wesentlicher Aspekt aber die Selbstbestätigung bereits überzeugter Nazis.

Da habe ich natürlich ein großes Gemeinschaftserlebnis, wenn ich mich mit gleichgesinnten Kameradinnen und vor allem Kameraden treffe und mich dann wiederum meiner selbst vergewissern kann, dass ich nicht alleine bin, sondern dass wir als Nazis viele sind.

 

Konzerte verhindern

Um das rechte Konzerttreiben in Sachsen einzudämmen, hat das Landeskriminalamt eine Software zur Erkennung von indizierter, also verbotener, Musik im Internet entwickelt. Die soll es der Polizei auch ermöglichen, bei Konzerten schneller eingreifen zu können. Allerdings wüssten die Veranstalter bei öffentlichen Konzerten oftmals sehr genau, wie weit sie gehen können, meint Verfassungsschützer Döring:

Ganz häufig bewegen sie sich auf diese Grenze zu, aber überschreiten sie nicht. Und dann ist es natürlich für die Behörden sehr schwierig, etwas aufzulösen, was gar nicht aufgelöst werden darf.

 

Um Auflagen zu umgehen, würden Konzerte häufig etwa als politische Veranstaltungen angemeldet. So rangiert Sachsen weiterhin an der Spitze der Statistik, wenn es um rechtsextreme Konzerte geht.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Maximilian Berkenheide
0204 BmE Rechtsrock
 

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