Bildung

Hohe Ausgaben für KITA-Plätze

Die Studie ElternZOOM18 der Bertelsmann-Stiftung untersuchte, wie viel Geld Eltern für die KITA-Plätze ihrer Kinder zahlen. Deutschlandweit gibt es sehr große Unterschiede zwischen den Bundesländern.
Einkommensschwache Familien müssen oft einen größeren Anteil ihres Gehalts für die KITA-Plätze aufbringen.

Vor allem einkommenschwache Familien werden bei den Kosten für die KITA-Plätze ihrer Kinder stark benachteiligt das ist die zentrale Erkenntnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Warum das so ist und was man dagegen tun könnte, darüber haben wir mit Kathrin Bock-Famulla von der Bertelsmann-Stiftung gesprochen:

 

mephisto 97.6: Was hat die Studie genau erfasst?

Kathrin Bock-Famulla: Wir haben Eltern danach befragt, wie viel sie für den KITA-Besuch ihres Kindes bezahlen müssen, und inwieweit sie bereit sind, zum Beispiel mehr für die Qualität in einer Kindertageseinrichtung zu bezahlen.

Was sind die zentralen Erkenntnisse der Studie gewesen?

Die zentralen Erkenntnisse sind, dass insbesondere arme Haushalte überproportional belastet sind. Das heißt, wir haben uns Eltern angeschaut, die ein nicht so hohes Einkommen haben, also unter der Armutsrisikogrenze liegen. Wir mussten feststellen, dass diese Eltern durchschnittlich zehn Prozent ihres Einkommens für den Kita-Besuch ihres Kindes aufwenden müssen, während Eltern, die oberhalb der Armutsrisikogrenze sind, also etwas wohlhabender sind, nur etwa fünf Prozent ihres Einkommens aufbringen müssen. Das heißt, Eltern, die ein niedrigeres Einkommen haben, werden für den Besuch ihres Kindes stärker finanziell belastet als andere Eltern.

Wo sehen Sie die Ursachen?

Die Ursache liegt darin, dass die Bemessung der Elternbeiträge auf der einen Seite sehr unterschiedlich ist. Die Beiträge werden auf der kommunalen Ebene festgelegt.  Darüber hinaus werden die Elternbeiträge nicht prozentual am Einkommen der Eltern bemessen. Es werden absolute Beiträge festgelegt. Dadurch ist die Belastung der Eltern in Abhängigkeit von dem Einkommen viel stärker.

Die Studie umfasst auch, ob Eltern dazu bereit sind, mehr für die Qualität der Kindertagesstätten zu bezahlen. Zu welchen Ergebnissen kommt die Studie in diesem Punkt?

Insgesamt können wir sagen, dass fast 60% der Eltern, die oberhalb der Armutsrisikogrenze liegen, bereit sind, für mehr Qualität mehr zu bezahlen. Aber auch bei den Eltern, die weniger verdienen, sind 53% bereit (wenn es mehr Personal und eine bessere Ausstattung in den Kitas geben würde) höhere Beiträge zu akzeptieren.

Welche Reformen schlägt die Bertelsmann-Stiftung vor?

Grundsätzlich bedarf es eine bundesweite Verbesserung in der Qualität der Kitas. Das machen wir an den Personalschlüsseln fest, die eine wichtige Grundlage für eine bessere Qualität sind und darüber hinaus auch die personelle Ausstattung für Leitungs- und Führungsaufgaben. Deshalb schlagen wir vor, dass in eine Verbesserung der Personalschlüssel und Personalausstattung investiert werden sollte. Das sind wesentliche Rahmenbedingungen, um eine gute Qualität für die Kinder in den Kindertagesstätten anbieten zu können. Wir sind der Meinung, dass nur eine gute Kita gute Bildungs- und Entwicklungschancen bieten kann. Darüber hinaus sehen wir aber auch, dass eine Mehrheit der Eltern, die unterhalb der Armutsrisikogrenze liegen, zu hoch belastet sind. Der Besuch einer Kita muss für diese Kinder kostenfrei sein. Wir schlagen vor, dass für Eltern mit einem niedrigen Einkommen, eine Beitragsfreiheit eingeführt wird.
Wenn diese Maßnahmen finanziell abgesichert sind, kann man längerfristig über eine Beitragsfreiheit für alle Eltern bzw. Kindern nachdenken. Allerdings genügend die Mittel, die der Bund bereitstellt, noch nicht, um alle Forderungen gleichzeitig zu erfüllen. Darum würden wir einen Stufenplan vorstellen. Zunächst wollen wir uns dem Ausbau der Qualität sowie der Beitragsfreistellung von Eltern mit niedrigerem Einkommen widmen.

 

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