Bedeutende Leipzigerinnen

Höhere Schule statt Heim und Herd

Wer durch Leipzig spaziert, trifft schnell auf bekannte Persönlichkeiten der Stadt. Johann Sebastian Bach grüßt vom Sockel und auch Goethe und Leibniz haben ein Denkmal. Nach den bedeutenden Frauen Leipzigs muss man da schon etwas länger suchen.
Auch dieser Leipzigerin wird erst seit 2011 mit einem Relief in der Stadt gedacht: die Lyrikerin Lene Voigt.

Die einzige Frau, der in Leipzig ein großes Denkmal gewidmet wurde, ist Clara Zetkin. Dabei gibt es noch so viele andere Frauen, die genauso zur Stadtgeschichte dazugehören. Auf ihre Spuren hat sich mephisto 97.6 Redakteur Anton Walsch bei einem Stadtrundgang der Frauenkultur begeben. 

Anton Walsch über den Stadtrundgang „Leipzigs Frauen“:

Moderatorin Sophie Rauch im Gespräch mit Anton Walsch.

So gehört zum Beispiel die heutige Moritzbastei zu den Orten, der für Leipziger Frauen, aber auch für die gesamte Frauenbewegung im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle gespielt hat. Hier stand nämlich bis zur Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkriegs die „Höhere Schule für Frauenberufe“, die aus dem 1865 gegründeten Frauenbildungsverein hervorging. Neben Allgemeinbildung oder Handelskursen konnten Frauen hier zur Erzieherin ausgebildet werden, damals alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Dass es diese Schule in Leipzig gegeben hat, ist Frauenrechtlerin Henriette Goldschmidt zu verdanken, erzählt Stadtführerin Daniela Neumann.

Sie hat in Louise Otto-Peters eine Mitstreiterin gefunden, weil sie der Überzeugung waren, dass nur durch Bildung die Frauen wie die Männer am öffentlichen Leben gleichberechtigt teilhaben können.

Daniela Neumann, Stadtführerin

Henriette Goldschmidt, aber besonders auch Louise Otto-Peters und Auguste Schmidt, sind mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins in Leipzig 1865 aus der Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland nicht mehr wegzudenken. Schließlich war der Verein der Erste, der sich explizit für die Bildung und gleiche Chancen am Arbeitsmarkt für Frauen eingesetzt hat.

Gegen den Strom

Dass Frauen eigenständig einen Beruf ausüben, war zu dieser Zeit nicht üblich. Doch auch in Leipzig haben sich Frauen dem widersetzt. Bertha Wehnert-Beckmann zum Beispiel. Sie gilt als die erste Berufsfotografin Europas. Diesen Status musste sie sich hart erkämpfen. Allein für die Zulassung eines eigenen Fotoateliers brauchte es damals mehrere Versuche. Wehnert-Beckmann hatte dann aber nicht nur in Leipzig Erfolg. Sie fotografierte auch in New York politische Größen der damaligen Zeit. In der Elsterstraße 33 steht bis heute die Villa, in der sich damals ihr Atelier befand.

Wenn ich da an Bertha Wehnert-Beckmann denke, die 1843 in Leipzig versucht hat, einen Gewerbeschein zu bekommen, als Daguerreotypistin, das war eine Vorstufe der Fotografie, da ist ihr Ansinnen erst einmal abgelehnt worden. Also denke ich, so ganz selbstverständlich war das nicht.

Daniela Neumann, Stadtführerin

Man muss also nicht einmal bis zum Clara Zetkin-Denkmal laufen, um bedeutende Frauen der Leipziger Geschichte zu finden. Im kommenden Jahr dürften Frauen in Leipzig dann ohnehin stärker in den Fokus rücken: Louise Otto-Peters und Clara Schumann, die eine bedeutende Pianistin und Komponistin war, wären da 200 Jahre alt geworden. Wenn es soweit ist, stehen nicht nur Rundgänge und Konzerte, sondern auch ein Frauenfestival mit dem Titel „Clara und Louise“ auf dem Programm.

 

Kommentare

@Gerlinde Kämmerer Liebe Frau Kämmerer, 

besten Dank für den Hinweis. Der Beitrag ist da tatsächlich etwas unpräzise. Ich würde behaupten, dass die meisten dieser Denkmäler kaum bekannt und wenig präsent sind. 
 
viele Grüße
Anton Walsch 

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