Konzertbericht: Faber

Hoch lebe das Kraftwort!

Faber bringt uns zum Schwitzen - weil er betörend schön Gitarrensaiten zupft, während er „ficken“ ins Mikrofon raunt. Aber auch, weil er einen Arsch voll Energie hat. Ein Erfahrungsbericht.
Faber im Felsenkeller
Am 28. September war Faber erneut zu Gast in Leipzig, diesmal im Felsenkeller.

Wer sich Interviews mit Faber anschaut, bekommt meistens folgendes Bild präsentiert: Ein unaufgeregter Typ, der sich Zeit lässt, wenn er auf die ihm gestellten Fragen antwortet und auch sonst nicht den Eindruck erweckt, es irgendwie eilig zu haben. Angenehm zum Anschauen, aber das genau der Mann Musik schreibt und performt, die Fans an den Rand des körperlichen Zusammenbruchs führt, scheint unwahrscheinlich. Doch wie so häufig: Der erste Eindruck trügt.

Verwunderlich, aber irgendwie auch nicht, schließlich tut der 25-jährige Schweizer selten, was man von ihm erwartet. Viele kennen ihn aus dem Dunstkreis AnnenMayKantereits und waren bestimmt versucht, ihn als noch einen x-beliebigen Kerl mit braunen Locken und Akustikgitarre abzustempeln – bis er den Mund aufmachte, klang wie ein 50-jähriger in der Midlifecrisis, der Worte wie „Nutte“, „ficken“ oder „Schwanz“ sang, die in der deutschen Popmusik gemieden werden, als seien sie die Pest. Deshalb polarisiert Faber so sehr wie die wenigsten seiner Kolleginnen und Kollegen. Man mag ihn oder man findet ihn scheiße. Eine wirkliche Grauzone gibt es nicht. 

Ein Faber im Felsenkeller

Die Anzahl derer, die ihn und seine Musik schätzen, ist spätestens mit der Veröffentlichung seines Debütalbums „Sei ein Faber im Wind“ (2017) abrupt angestiegen. Kein Wunder also, dass Faber und seine Band auf ihrer aktuellen „Sei ein Faber im Wind“-Tour einen Großteil der Shows ausverkaufen konnten, darunter auch ihr Konzert in Leipzig.

Als Faber kurz nach 20:00 Uhr die Bühne betritt, ist der Felsenkeller zum Bersten voll. Mit jeder Minute, die verstreicht, wird das Publikum hibbeliger. Dann wird das Licht gedimmt und Faber tritt auf die Bühne – allein, ganz klassisch in dunkler Hose und dunklem Hemd und mit Akustikgitarre. Er beginnt, ins Mikrofon zu säuseln; singt aber – wie sollte es anders sein – kein Liebeslied, sondern richtet sich angepisst an alle selbstbetitelten „besorgten Bürger“. Schon als er mit dem ersten Stück des Abends fertig ist, feiert ihn die Menge. 

 

Zwischen Schwanz und Schweiß

Und so soll es eine Ewigkeit weitergehen: Song für Song ist ihm das Publikum mehr zugetan, Song für Song geben sich alle der Atmosphäre des Abends ein bisschen mehr hin. Bis in die hintersten Reihen tanzen und schwitzen die Gäste, während Faber selbst vorgeschlagen bekommt, er möge doch sein Hemd ausziehen. Darauf antwortet er lächelnd und meint, er müsse ja gerade arbeiten und könne sich jetzt nicht einfach ausziehen. Das Vorhaben hält er jedoch nur teilweise ein, denn während er über zwei Stunden von Liebeskummer, unbefriedigten Millennials und Spießbürgerinnen und -bürgern singt, wird es irgendwann scheinbar so unerträglich heiß, dass er sich zumindest von seinem Hemd verabschiedet. Die Mädchen in der vordersten Reihe freut's, der Rest findet es wenigstens verständlich, bei den gefühlt 50° Celsius im Felsenkeller.

Der Kollaps lässt grüßen

Das Publikum ist dem Kollaps nah, aber Faber und Band powern Song für Song durch die Setlist. Als sich die Musiker nach einem letzten Akustik-Stück - mitten im Publikum - vom Leipziger Publikum verabschieden, pilgern entkräftete Menschen Richtung Bar, Garderobe und Ausgang, während ihnen der Schweiß in Sturzbächen über die Gesichter läuft. Spätestens jetzt ist allen klar: Faber ist alles andere als ein lahmarschiger Singer-Songwriter, der die ganze Zeit Billo-Schnulzen lallt. Zum Glück!

 

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Wer? Faber mit der „Sei ein Faber im Wind“-Tour

Wann? 28. September 2018

Wo? Felsenkeller