Notaufnahme

Heute mal kein Blaulicht

Für Ärzte und Pflegepersonal in Notaufnahmen ist der Winter anstrengend. Die Patienten sind zahlreicher, die Krankheiten schwerer als im restlichen Jahr. Das sagt die Statistik. Dass es auch Ausnahmen gibt, hat unser Besuch im Krankenhaus gezeigt.
Der Flur der Notaufnahme
Kein Patientenstau vor den Behandlungskabinen

Stille und ein paar vereinsamte Topfpflanzen empfangen mich im Wartebereich. An der Wand verläuft ein dunkelblaues Wellenband aus Lehnen von unbesetzten Stühlen. Es ist 18:00 Uhr, die meisten Arztpraxen der Stadt haben geschlossen, aber hier in der Notaufnahme: keiner da. Gähnende Leere. Wie es der Zufall will, fällt mein Besuch im Diakonissenkrankenhaus auf den bisher ruhigsten Tag des Jahres. Also trinke ich erst mal einen Kakao mit Dr. Robert Stöhr, dem Leiter der Notaufnahme.

Dr. Stöhr, Leiter der Notaufnahme im Diakonissenkrankenhaus

Dann nutzen wir die Zeit für einen Rundgang. Wir besichtigen den Schockraum, in dem – an anderen Tagen – Leben gerettet werden, und den unmöblierten, rosafarbenen Raum, in dem – an anderen Tagen – alkoholisierte Patienten ausnüchtern. Die Wandfarbe soll Aggressionen vorbeugen, wie mir der Notarzt erklärt. Vor drei Monaten erst wurde der Raum gestrichen, bisher sei man mit dem Ergebnis zufrieden.

Nur nicht hetzen

Auch im zentralen Pflegeraum herrscht eine gemütliche Atmosphäre. Manchmal gehe es hier schon zu wie im Taubenschlag, erzählt mir Dr. Stöhr. Aber richtige Hektik komme nie auf.

Wenn wir anfangen zu rennen, dann haben wir organisatorisch irgendwas falsch gemacht. Das ist wie wenn ein Krankenwagen zu schnell Blaulicht fährt, der kommt nicht beim Patienten an.

Dr. Robert Stöhr

Dabei liegt die stressigste Zeit des Jahres erst ganz kurz hinter uns:  die Erfahrung des Diakonissenkrankenhauses zeigt, dass im Januar und Februar die meisten Patienten die Notaufnahme aufsuchen. Der Winter bringt Glätte und Infektionskrankheiten mit sich, die Erkrankungen und Verletzungen seien oft schwerer, die Behandlung dauere länger und münde öfter in einen stationären Aufenthalt, so Dr. Robert Stöhr.

Zufahrt zur Notaufnahme
Nach dem Krankenhause hier entlang

Hinten im Hof können ankommende Rettungswagen parken. „Unmittelbar vor der Tür ist Platz für vier bis…“ – dann unterbricht sich Dr. Stöhr: „Ja, hier stehen durchaus auch mal zehn Rettungswagen in Spitzenzeiten“. Jeder Rettungswagen darf nämlich jede Klinik anfahren. Und die Krankenhäuser sind gesetzlich verpflichtet, alle Patienten aufzunehmen und zu behandeln oder die Weiterbehandlung zu organisieren. Heute gibt es allerdings keinen Stau: Während meiner drei Stunden kommt nur einer.

 

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Sophia Spyropoulos
2203 Reportage Notaufnahme
 

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Sophia Spyropoulos
26.03.2018 - 13:41