Frisch gepresst: Jake Bugg

Herzschmerz und Südstaatenromantik

Jake Bugg – das Wunderkind aus Nottingham. Mit „Hearts That Strain“ präsentiert er jetzt melodiösen Soft-Rock im Wild-West-Gewand.
Jake Bugg
Jake Bugg veröffentlicht mit "Hearts That Strain" sein viertes Album.

Eines kann Jake Bugg nicht nachgesagt werden: Faulheit. In gerade einmal fünf Jahren veröffentlichte der Brite vier Alben. 2012 machte Bugg mit seinem selbst betitelten Debüt zum ersten Mal auf sich aufmerksam. In seiner Heimat kletterte die Platte direkt an die Spitze der Charts. Mit den Nachfolgern „Shangri-La“ (2013) und „On My Own“ (2016) wurde es erst rockig und dann experimentell. Zügig wurde Bugg der „Wunderkind“-Status attestiert. Mittlerweile ist das Wunderkind 23 und in der internationalen Musikszene ein fest etablierter Name. Kein Wunder also, dass auch sein viertes Album „Hearts That Strain“ von allen Seiten auf Herz und Nieren getestet wird.

Die Reaktionen, die „Hearts That Strain“ letztendlich auslöst, sind verhalten. Wurde Jake Bugg sonst von Kollegen und Kritikern hochgelobt, zeigen sich die meisten jetzt eher enttäuscht. Die Frage ist: Warum?

Streicher statt Stromgitarre

Schon der Opener „How Soon The Dawn“ macht klar: Jake Bugg schaltet einen Gang runter. Er setzt auf Entschleunigung und baut vermehrt Country- und Blueselemente in sein klassisches Singer-Songwriter-Handwerk ein. Tragende Instrumente der Platte sind Klavier, Akustikgitarre und Streicher. In „Waiting“ holt der Brite nicht nur Noah Cyrus als Duettpartnerin ins Boot, sondern belebt auch kurzzeitig den Soul der 60er Jahre wieder. „Burn Alone“ hingegen klingt wie der Titelsong eines beliebigen Tarantino-Streifens.

Ein bisschen Liebe, ein bisschen Kummer

Textlich befasst sich Jake Bugg ausnahmslos mit den Themen, die ohnehin am besten funktionieren: Liebe und Verlust. Dass das dem ein oder anderen schnell zu eintönig werden kann, ist nachvollziehbar. Dabei bleibt Bugg seiner introspektiven, schnörkellosen Erzählweise treu. So auch in „Indigo Blue“:

My body is bruised, the colour of indigo blue
My mind confused, why I'm no one that you choose?
I wish the noise would cover up my conscience voice
Every bad dream I'm told that it's not my choice

Unaufgeregter Charme

„Hearts That Strain“ ist eine überraschende Wendung in der Diskographie des Singer-Songwriters. Während er auf den Vorgängeralben immer auf Dynamik bedacht war, sich an verschiedensten Einflüssen ausprobierte und sogar rappte, fährt er sich jetzt etwas fest. Dennoch kann auch dem jüngsten Album sein Charme nicht abgesprochen werden. „Hearts That Strain“ bemüht sich um Südstaatenromantik und kann diese auch bieten. Die Unaufgeregtheit fängt den Hörer auf und schirmt ihn von der Hektik des Alltags ab. Jake Bugg bietet uns einen Zufluchtsort, an dem wir außer Herzschmerz nichts zu befürchten haben.

 

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Jake Bugg: Hearts That Strain

Tracklist:

1. How Soon The Dawn
2. Southern Rain*
3. In The Event Of Demise*
4. This Time
5. Waiting*
6. The Man On Stage
7. Hearts That Strain*
8. Burn Alone*
9. Indigo Blue
10. Bigger Lover
11. Every Colour In The World

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 01.09.2017
Universal Music

Jake Bugg kommt auf seiner "Hearts That Strain"-Tour auch für zwei Konzerte nach Deutschland:

30.10.2017 - Köln, Kulturkirche
01.11.2017 - Berlin, Passionskirche

Tickets gibt's hier.