Geldprobleme beim Handballclub

HC Leipzig vor dem Aus?

Leipzigs Handball-Erstligist hat massive Geldprobleme – 900.000 Euro fehlen. Bringt er sie bis Ende der Saison nicht auf, droht Gravierendes: Der Verein könnte sich auflösen. Damit es nicht soweit kommt, bittet der HC Leipzig öffentlich um Hilfe.
Der HC Leipzig unter Druck - Es kommt auf den Zusammenhalt an
Der HC Leipzig unter Druck – es kommt auf den Zusammenhalt an.

Leipzig ist die einzige Stadt in den neuen Bundesländern, die mit zwei Handballvereinen in der Bundesliga vertreten ist – mit einer Frauen- und einer Herrenmannschaft. Gerade um den HC Leipzig gab es in den letzten Monaten immer wieder Spekulationen – eine schwierige finanzielle Situation sollte der Verein haben. Der Verein hatte am 16. Februar 2017 zum ersten Mal nach zwei Monaten wieder zu einer Pressekonferenz geladen, in der es explizit um die Zukunft des Vereins ging.

HC Leipzig mit dem Rücken zur Wand

Klar ist nun, dass der Verein es nicht weiter allein schafft. Hilfe ist von mehreren Seiten nötig. Dazu zählen Fans, Sponsoren, Stadt und auch Medien. Denn: Es fehlen mehrere hunderttausend Euro, um den Verein zu retten.

Insgesamt ist es so, dass wir um alles komplett zu entschulden, 900.000 Euro benötigen.

Kay-Sven Hähner, Manager des HC Leipzig

Ziel ist es, den Betrag bis Ende Juni, also zum Ende der Saison, aufzubringen. Ein großer Teil des Geldes, 500.000 Euro, muss jedoch bis Ende März aufgebracht werden. Dann muss der Verein die Lizenz für die kommende Bundesliga-Saison beantragen und finanzielle Liquidität nachweisen. Gelingt das nicht, droht das Aus des Leipziger Traditionsvereins.

900.000 Euro Finanzloch

Selbstkritisch und für Missmanagement verantwortlich zeigte sich HCL-Manager Kay-Sven Hähner:

Ich habe einige Dinge falsch eingeschätzt, das muss ich ganz klar sagen. Was denke ich eine der großen Fehlentscheidungen war, war die Champions-League-Qualifikation zu spielen.

Kay-Sven Hähner, Manager des HC Leipzig

Ein Minusgeschäft: teure Reisen, hohe Niederlagen, fehlende Zuschauer. Zudem eine zu hohe Belastung der Spielerinnen, woraus langfristige Verletzungen bei den Leistungsträgerinnen resultierten. So wurde der HCL auch in der Liga von den Spitzenplätzen verdrängt. Und welcher Sponsor sieht das wiederum gerne?

Hinzu kommt, dass teilweise Absprachen von Sponsoren nicht eingehalten worden seien, Gelder nicht bezahlt wurden. Andere Partner seien insolvent gegangen, wofür keiner etwas könne, so Hähner. Damit steht der Verein nun mit dem Rücken zur Wand:

Es gibt keinen Plan B, entweder wir schaffen das oder wir spielen dann dritte Liga und dann werden wir auch nie wieder hoch kommen. Also das ist keine Option für uns. Das kann nicht am Ende dieses Konzeptes und dieser Anstrengung sein.

Kay-Sven Hähner, Manager vom HC-Leipzig

Blick nach vorne? Wege aus der Krise

Der Verein hat sich mit den Spielerinnen in Kontakt gesetzt – Wechselfrist war der 15.02. Doch nur Torhüterin und Kapitänin Katja Kramarczyk gab bekannt, sich einem neuen Verein anzuschließen. Obwohl der größte Kostenpunkt die Personalkosten sind, sollen die Gehälter weiter gezahlt werden. Bisher will auch kein Hauptsponsor den Verein verlassen.

Zudem laufen seit Januar Gespräche mit der Stadt, auch mit Sportbürgermeister Heiko Rosenthal. Nach Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks hat die Stadt jedoch zuletzt angekündigt, dass sie nicht helfen werde, bis ihr die komplette finanzielle Situation des Vereins dargelegt ist. Manager Kay-Sven Hähner sicherte zudem zu, dass man zur Zeit jeden Stein umdrehen würde, genau geprüft werde, wo man kurz- und mittelfristig sparen könne. Mitunter sei auch ein Hallenwechsel sowie eine Verkleinerung des Kaders eine Option.

Für HC Leipzig Fans, die ihren Verein in der schwierigen Phase unterstützen wollen, hat der Verein ein Unterstützerkonto eingerichtet.

Letzte Konsequenz: Verein wird aufgelöst

Bringt der Verein das fehlende Geld bis Saisonende nicht bei, droht das Ende: Den HC Leipzig könnte es nicht weiter geben. Für die komplette Leipziger Sportlandschaft hätte dies auch Konsequenzen:

Eine Frauensportart in Leipzig wird es dann nicht mehr geben, das muss einem bewusst sein. Dann sind die Zeitungen voll mit Fußball bis zur zehnten Liga. Gern – aber wenn das die Vielfalt in einer Sportstadt ist, finde ich das nicht schön. [...] Dann geht eine große Ära von 20 Jahren Handball-Bundesliga mit vielen Titeln von der Bühne weg. Dass Leipzig das wieder schafft, finde ich aus heutiger Sicht nahezu ausgeschlossen.

Norman Rentsch, Trainer des HC Leipzig

Die Pressekonferenz lässt sich durchaus als Hilferuf sehen. Es ist zu respektieren, dass sich der Verein eigene Fehler eingesteht. Nun liegt es in den Händen vieler, ob er erhalten werden kann.

mephisto 97.6 Sportreporter Florian Eib im Gespräch mit Ina Beyer:

Der HC Leipzig steht vor einem finanziellen Loch
Nichts
 

Kommentieren

Pia Uffelmann, Florian Eib
16.02.2017 - 20:20
  Sport

Der HC-Leipzig hat ein Unterstützerkonto eingerichtet:

DE39860700240138430400

 

So schreibt die Twitter-Community über den HCL: