#Diskriminierungist...

Hauptsache jung, hübsch und oben ohne?

Mitte Mai hat sich der Leipziger Stadtrat für ein Verbot von sexistischer Werbung entschieden. Doch was fällt alles darunter? Und warum wurde jetzt der Schritt zum Verbot gemacht?
Sexistische Werbung am Leipziger Johannisplatz
Sexistische Werbung am Leipziger Johannisplatz

Werbung begleitet uns überall hin. Egal ob es unser täglicher Weg zur Arbeit oder Uni ist. Oder wir einkaufen gehen. Oder wir mal wieder im Internet unterwegs sind. Überall ist Werbung. Wir haben uns auch alle daran gewöhnt. Problematisch wird es nur, wenn die Werbestrategien diskriminierend werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die sexistische Werbung. Was sich genau dahinter verbirgt, erklärt Stevie Schmiedel, Geschäftsführerin beim Verein Pink Stinks:

Sexistische Werbung hat nicht immer mit nackter Haut zu tun. Sexismus in der Werbung finden wir dort, wo ein Geschlecht diskriminiert wird und meistens sind das Frauen. Das heißt Sexismus besteht dort, wo wir sehr oft zum Beispiel eine Frau als reine Dekoration sexualisiert neben irgendeinem Produkt finden. Oder aber eine Eigenschaft mit einem Geschlecht zusammengebracht wird, das sehr Stereotyp ist.  

Wie mit sexistischer Werbung in Leipzig umgegangen wird und wie die aktuelle Lage aussieht, hören Sie im Beitrag:

Ein Beitrag von mephisto 97.6 Redakteurin Sophie Rauch.
 

Sexistische Werbung eine Gefahr?

Die Stadt Leipzig greift jetzt gegen solche Werbung ein und hat ein Verbot erlassen. Aber ist sexistische Werbung so gefährlich, dass sie verboten gehört? Das erklärt Gesine Märtens. Sie sitzt im Stadtrat für die Grünen und hat das Verbot mitangestoßen:

Das die meisten wissen worum es geht. und wenn wir zum Beispiel ein Leipziger Beispiel nehmen: Es gab ja viel diskutiert eine Werbung für Pizza. Da war es ja so, dass Stroer selbst die Werbung abgelehnt hatte. Die also schon sehr genau wisssen, was diskriminierend ist und was nicht. Aber es im privatwirtschaftlichen Rahmen möglich war. 

Gesine Märtens, Grünen-Stadträtin

Christian Kriegel aus der Stadtratsfraktion der AfD sieht das anders:

Und ich muss sagen, was ich is jetzt im öffentlichen Raum gesehen habe ist weder diskriminierend gegen Frauen noch anstößig.

Christian Kriegel, AfD-Stadtrat

Nur weil jemand das nicht so empfindet, heißt das noch lange nicht, dass es nicht so ist. Stevie Schmiedel von Pink Stinks sieht das Problem eher bei Werbung von kleineren Unternehmen:

In Deutschland haben wir momentan den Fall, dass die große Werbung an den großen Billboards und Digitalscreens eher nicht sexistisch ist – immer Stereotyp aber die Grenze zur Diskriminierung die wird meistens nicht überschritten. Hingegen haben wir die Werbung, die täglich von Handwerksbetrieben und kleinen mittelständischen Betrieben am PC selber gebaut wird. Das haben wir immer mehr und steigend. Das heißt wir verzeichnen im Internet immer mehr Werbung und die ist eben oft auch sehr sexistisch.

Stevie Schmiedel, Pink Stinks e. V.

In den Augen der AfD solle bei Vorgehen gegen Sexismus woanders angefangen werden. Christian Kriegel sieht eine viel größere Gefahr bei der Pornografie, die im Internet sehr leicht in Kinderhände kommen kann.

Aber solange es sowas gibt und Kinder zu sowas auch in späten Stunden Zugang haben. Brauchen wir uns über sowas hier nicht unterhalten. Das ist ja albern.

Christian Kriegel, AfD-Stadtrat

Aufklärung anstatt Verbote

Laut Kriegel sei ein Verbot mit einer Zensur der Werbetreibenden gleichzusetzen. Für Stevie Schmiedel ist ein alleiniges Verbot jedoch nicht ausreichend. Neben einem Verbot sei auch die Aufklärung über das Problem von sexistischer Werbung wichtig:

Vielleicht ist es manchmal nicht ganz positiv gleich auf die Menschen mit einem Verbot zu zu rennen ohne das sie verstanden haben, was denn dort verboten wird. Vielleicht ist eine Kombination gut.

Stevie Schmiedel, Pink Stinks e. V.

Durch Aufklärungsarbeit in Firmen und Werbeagenturen soll effektiver gegen sexistische Werbung vorgegangen werden. Gesine Märtens von den Grünen findet diesen Punkt auch wichtig:

Das ist auch unser Ziel. Also es wird ganz sicher so sein oder wir werden dafür sorgen, das anregen, dass die Änderung der Sondernutzungssatzung begleitet wird mit einem Informationsmaterial, was es zu erstellen gibt und mit Informationsveranstaltungen.

Gesine Märtens, Grünen-Stadträtin

Somit soll Firmen bewusster werden, was genau falsch gemacht wurde, denn es sein ein Vermittlungsprozess auf der einen Seite und auf der Anderen auch ein Lernprozess. Für gesine Märtens ist es wichtig, dass das Verständnis wächst, was sexistische Werbung mit uns mache und warum sie von den Grünen nicht mehr gewollt wird.

Sexismus ist nach wie vor ein aktuelles Thema. Ein Thema, das die Gesellschaft polarisiert und provoziert. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass es sich auch immer um eine Form der Diskriminierung von Frauen und Männern handelt. 

Sexismus sucks!

Aber wie sieht es mit dem Sexismus im Allgemeinen aus? Und ist nicht auch das vermittelte Frauenbild ein Problem der Werbung?

Redakteurin Sophie Rauch hat sich so ihre Gedanken gemacht und läst sich über Pizzafett und Hausfrauen aus:

Ein Kommentar von mephisto 97.6 Redakteurin Sophie Rauch.

mit Anneke Elsner

 
 

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