Filmrezension "Fifty Shades of Grey 3"

Hau mich, du Schweinehund!

Die Vorlage zählt zu den erfolgreichsten Romanreihen aller Zeiten und der Erfolg reißt nicht ab. Mit "Befreite Lust" findet die SM-Romanze "Fifty Shades of Grey" im Kino nun endlich ihr Ende.
Szene aus "Fifty Shades of Grey 3"
Endlich wird geheiratet, aber jetzt reicht´s auch!

Die Literaturszene wurde in den Jahren 2011/12 von einem großen Thema dominiert: "Fifty Shades of Grey". Die ursprüngliche "Twilight" - Fanfiction rund um eine unerfahrene Studentin und einen reichen SM-Fan sorgte für einen Hype und kontroverse Diskussionen, die es so zuletzt höchstens noch bei den "Feuchtgebieten" von Charlotte Roche gab. Bis heute erscheint die Romantrilogie von E.L. James regelmäßig in den Bestsellerlisten und der Erfolg will (auch aufgrund der Verfilmungen) einfach nicht abreißen. Eine Tatsache die immer noch rätselhaft erscheint.

An der Qualität der Romane kann es eigentlich nicht liegen. Die Autorin besitzt keinen eigenen Stil und das Thema SM ist in der Kunst nun wahrhaft keine Neuheit mehr. Die "Fifty Shades" - Reihe ist schnell dahingeschriebene Unterhaltung. Eine eigentlich platte moderne Aschenputtel-Version in einer überzeichneten Luxuswelt mit jeder Menge Geschmachte und einer großen Portion Sex, die Erotikliteratur plötzlich salonfähig gemacht hat. Mit "Befreite Lust" läuft nun die Verfilmung des finalen Teils der Trilogie in den Kinos. Und tatsächlich! Die Lust wird wahrhaft befreit...wenn der Film dann endlich vorbei ist.

Janick Nolting im Gespräch mit Moderatorin Peggy Fischer über das Phänomen "Fifty Shades of Grey"
Janick Nolting im Gespräch mit Moderatorin Peggy Fischer über das Phänomen "Fifty Shades of Grey"

Erst die Hochzeit, dann der Streit

In den ersten beiden Teilen konnte man ausführlich die Annäherung zwischen Anastasia Steele (Dakota Johnson) und Christian Grey (Jamie Dornan) erleben. Sie ist ein naives Mauerblümchen, er ein reicher, absolut unsympathischer Sadist, der eine schwere Kindheit hatte und von einer älteren Domina (Kim Basinger) verdorben wurde. Zitat von Grey: "Ich schlafe nicht mit Frauen, ich ficke hart." Erst liebt sie ihn, dann doch nicht. Erst hat sie keine Lust auf seine SM-Spiele, dann erlebt sie doch zehn Orgasmen gleichzeitig. Ach ja! Und die Luxuswelt ist eigentlich auch ganz nett. Nach einer dramatischen Trennung und der Wiedervereinigung heiraten Ana und Christian nun endlich, fahren in die Flitterwochen, vergnügen sich in jeder freien Minute. Doch natürlich lässt der erste Ehestreit nicht lange auf sich warten, denn das Thema Kinder steht im Raum und Ana hat nach ihrer Hochzeit immer noch nicht den Namen ihrer Email-Adresse geändert. Wie kann sie nur! Und dann wäre da noch Anas Ex-Chef (Eric Johnson), der ganz böse auf das Paar ist und zu drastischen Maßnahmen greift.

Was passiert hier?

Gewöhnliche Romanzen, zu denen "Shades of Grey" eigentlich zählt, enden normalerweise mit der Hochzeit. Dort fängt "Befreite Lust" erst an und eigentlich gibt es nichts mehr zu erzählen. So schleppen sich die 100 Minuten von einer unnötigen Szene, von einem lächerlichen Dialog zum nächsten. Die ganze Zeit über passiert nichts und dann, wenn es interessant wird, kommt der sinnlose Thrillerplot und der Film ist quasi schon vorbei. Es gibt nur unzählige schöne Landschaftsaufnahmen, Popsongs, Luxushäuser, Privatjets, Yachten und nackte Brüste. Könnte eigentlich auch eine Folge von den "Geissens" sein. Das anfängliche SM-Drama hat sich endgültig zur kitschigen

Jamie Dornan in "Fifty Shades of Grey 3"
Mr. Grey lädt zum letzten Mal ins Spielzimmer

Familienromanze gewandelt und auch die Sexszenen sind nicht der Rede wert. Insgesamt kommt man vielleicht auf zehn Minuten Softerotik mit den gewohnten Kuschelpop-Songs. Sicherlich werden sich viele noch an Teil eins erinnern, wo zu Beyoncé im Takt der Hintern versohlt wurde. Zwischendrin gibt es Jamie Dornan als lebendes Eis-Buffet. Eine ganz nette Szene, in der sich in die aufgesetzt wirkende Erotik endlich etwas selbstironischer Humor einschleicht.

Von dem Humor gibt es theoretisch eine ganze Menge, nur leider unfreiwillig. In einer Szene flieht Ana zu cooler Musik vor ihrem psychopathischen Chef. Die Autoverfolgungsjagd erregt sie dabei offenbar so sehr, dass sie auf dem Parkplatz auf Christians Schoß springt und die beiden erstmal Sex haben. Ein Paradebeispiel für das Drehbuch, denn es gibt eine ganze Reihe solcher Szenen, bei denen der Film auf dem schmalen Grat zwischen Humor und absoluter Fassungslosigkeit wandelt.  

Schund mit Charme

"Fifty Shades of Grey" war schon immer sehr hochwertig produziert und Jamie Dornan und Dakota Johnson geben sich alle Mühe, aus den lachhaften Dialogzeilen noch etwas rauszuholen. Auf der Ebene des Drehbuchs ist jedoch alles schiefgegangen, was irgendwie schiefgehen kann. Schlechtere Dialoge gibt es normalerweise höchstens in den Trashproduktionen der Asylum-Studios zu sehen. Ach ja! Zwischendrin singt Mr. Grey auf einmal. Aus dem erhofften Musical wird dann aber leider auch nichts, wobei Potential erkennbar ist. Das Phantom des SM-Kellers, Porno Horror Picture Show, Fifty Shades on Ice...die Möglichkeiten für mehr Profit sind unbegrenzt! Immerhin schreibt die Autorin ihre Reihe aktuell einfach nochmal aus der Sicht ihrer männlichen Hauptfigur, um die Fans erneut zum Kauf zu bewegen. Man kann der Reihe mit ihrer unfreiwilligen Komik einen gewissen Charme jedoch nicht absprechen. Immerhin schaffen die "Fifty Shades" - Filme das, was vielen Komödien heute nicht gelingt: Man kann herzhaft lachen. "Fifty Shades of Grey" ist eigentlich die ultimative moderne Trash-Trilogie. 

Fazit

Teil eins war noch eine solide Romanze, aber mit dem Wechsel auf dem Regiestuhl in Teil zwei - die Regisseurin hatte sich nach einem Streit mit E.L. James von der Reihe verabschiedet - ging es rasant abwärts. Der Abschluss mit "Fifty Shades of Grey: Befreite Lust" kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, denn die Geschichte versinkt endgültig in platter Küchenpsychologie und lachhaftem Kitsch.

 

Kommentieren

Fifty Shades of Grey: Befreite Lust

Regie: James Foley

Drehbuch: Niall Lenoard

Kinostart: 08. Februar 2018

FSK 16

Laufzeit: 106 Minuten

Cast: Dakota Johnson, Jamie Dornan, Kim Basinger, Rita Ora, Luke Grimes, Eric Johnson und viele mehr

Der Film erscheint voraussichtlich im Juni 2018 in einer längeren Fassung auf DVD und Blu Ray.