Filmrezension

The Happy Film

Wie wird man effektiv glücklicher? Der Grafikdesigner Stefan Sagmeister stellte sich diese Frage und begann eine Recherche. Heraus kam eine bunte, bildgewaltige Dokumentation.
The Happy Film - Cover
Was braucht man zum glücklich sein? "The Happy Film" stellt diese Frage.

Stefan Sagmeister hat alles, was er braucht. Der gebürtige Österreicher lebt in New York und ist erfolgreich mit dem, was er macht. Er ist Grafikdesigner und gestaltet Plattencover für die Rolling Stones oder Jay-Z. Trotzdem ist er nicht glücklich. Etwas fehlt ihm im Leben. Er hat sich kurz vorher von seiner langjährigen Freundin getrennt und fühlt sich leer.

Stefan Sagmeister fühlt sich innerlich leer.
Stefan Sagmeister fühlt sich innerlich leer.

Deshalb wagt er ein Experiment: Ein Jahr lang wird er mithilfe verschiedener Techniken versuchen, seinen Geist zu zähmen und glücklicher zu werden.

„Kann ich meinen Geist so trainieren wie meinen Körper?“

 

Meditation, Therapie, Medikamente

Die erste Stufe: Meditation. Im fernen Osten besucht er ein Meditationszentrum, wo er Tag ein, Tag aus nach innerer Ruhe sucht. Schon nach kurzer Zeit erfährt er körperliche Qual:

Mein Rücken schmerzt wie Hölle.

Stefan Sagmeister

Die zweite Stufe: Therapie. Seiner Therapeutin erzählt er von seinen Gefühlen und seiner Bindungsunfähigkeit. Sie erkennt seine Stärken und seine Schwächen und gibt ihm Hausaufgaben auf. Dazu muss er auf der Straße fremde Frauen ansprechen und ihnen ein Kompliment machen. Ob er dadurch glücklicher wird? Sein persönliches Glücksbarometer bleibt stetig.

Eine Frau schwebt an großen Luftballons durch die Lüfte.
Sagmeister betreibt großen Aufwand für seine Bilder.

Die dritte Stufe: Medikamente. Zum ersten Mal in seinem Leben nimmt er Stimmungsaufheller. Und siehe da - nach einer Woche voller Lethargie und Müdigkeit stellt sich sein Körper um und er wird fröhlicher. Und er verliebt sich.

Das ist nicht das erste Mal. In allen drei Phasen nähert er sich Frauen an. Nur im letzten Akt ist die Liebe überschwänglich explosiv und gipfelt im Antrag. Ob er nur auf Drogen diesen emotionalen Höhenflug verspürt?

Der Trailer zum Film:

Knallbunt und ausnahmslos ehrlich

Aus dem geplanten einen Jahr des Experimentes wurden sechs. Herausgekommen ist eine Dokumentation, die eine eigene Dramaturgie aufweist. Die Liebschaften ziehen sich wie ein roter Faden durchs die einzelnen Lebensphasen. Hinzu kommt ein Todesfall, der die Stimmung auf den Tiefpunkt zieht.

Stefan Sagmeisters Erkenntnisse und Lebensweisheiten setzt er - ganz der Grafikdesigner, der sonst Stühle mit Buchstaben verziert - gekonnt in Szene. Er lässt Luftballons in Zeitlupe zerplatzen. Er entwirft eine Choreographie für balinesische Tänzerinnen, die Stoffbahnen heruntergleiten lassen und damit Wörter formen. Oder er hängt riesige Buchstaben im Geäst der Bäume auf.

Trotz eher einfach gehaltener Sprüche sind diese Hochglanzbilder poetisch. Sie erinnern an Werbefilme und sprechen so eine für Dokumentationen untypische Sprache. Hinzu kommen die Aufnahmen aus Sagmeisters Videotagebuch, in denen er ehrliche Einblicke in sein Innenleben gibt.

In Szene gesetzt: Stefan Sagmeister.
In Szene gesetzt: Stefan Sagmeister.

Die Rezension als Studiogespräch zwschen Redakteurin Nadja Baschek und Moderatorin Helena Schmidt können Sie hier nachhören:

Nadja Baschek im Studiogespräch mit Helena Schmidt
Nadja Baschek im Studiogespräch mit Helena Schmidt
 

Kommentieren

Der Film ist nun auf DVD erhältlich.