Fair-Trade-Town

Handelt Leipzig fair?

Die Stadt Leipzig hat sich vor ein paar Wochen als Hauptstadt des fairen Handels beworben. Aber was macht eine Fairtrade-Stadt aus? Wir haben uns mit Initiatoren des Netzwerks „Leipzig Handelt Fair“ unterhalten.
Der Weltladen an der Zschocherschen Straße in Plagwitz.
Der Weltladen an der Zschocherschen Straße in Plagwitz.

Der Beitrag zum Nachhören:

Ein Beitrag von Luise Tasler über fairen Handel in Leipzig.
 

Also im Endeffekt ist es wie Entwicklungshilfe, aber aus sich heraus. Wir kaufen die Produkte hier, die wir sowieso brauchen, und die Leute im globalen Süden bauen die sowieso an. Sie bekommen ordentlich Geld dafür und dadurch können sie (...) einfach ein Leben aufbauen, ein menschenwürdiges Leben.

Lisa Marquardt, "Leipzig Handelt Fair"

Überraschender Erfolg

Lisa Marquardt arbeitet für den „Eine Welt e.V“. und damit gleichzeitig für das Netzwerk „Leipzig handelt fair“. Das Netzwerk entstand vor vier Jahren, als sich die Stadt Leipzig als Fair-Trade-Town bewarb. Insgesamt reichte sie über 60 Projekte bei dem Wettbewerb ein. Rudolf Pohl arbeitet im Dezernat für Umwelt, Ordnung und Sport und war damals bei der Bewerbung maßgeblich beteiligt. Er erinnert sich an den überraschenden Erfolg.

Da haben wir den vierten Platz gemacht. Das war wirklich schon ein riesen Ding damals. Nur wir haben eigentlich mehr Handlungsbedarf aufgefunden (...) als wir mit den Projekten erledigen konnten. Und das hat uns die letzten vier Jahre eben auch beschäftigt. 

Rudolf Pohl, Stadtverwaltung, Dezernat Umwelt / Ordnung / Sport

Fair-Trade im lokalen Einzelhandel

Langfristig will die Stadtverwaltung den fairen Handel auch bei lokalen Betrieben etablieren. Vor allem bei Einzelhandel und Gastronomie - da gäbe es noch viel zu tun, meint Rudolph Pohl. Deshalb hat die Stadt Leipzig auch zwei Fördermittelstellen bewilligt. Eine davon hat Lisa Marquardt inne. Sie steht in ständigem Kontakt mit den Gewerbetreibenden und berät diese. 

Das Netzwerk will Fair-Trade im Einzelhandel und in der Gastronomie auch anschaulicher machen. Deshalb hat es auf seiner Website einen sogenannten Einkaufsführer eingerichtet. Das ist eine interaktive Karte von Leipzig. Mit der soll für Verbrauchende transparent werden, wo es in der Stadt „faire“ Geschäfte und Lokale gibt. Gekennzeichnet werden die durch grüne Punkte.

Vage Bedingungen

Um als Geschäft in den Einkaufsführer aufgenommen zu werden, gibt es bestimmte Bedingungen. Bisher sind die aber noch etwas vage. Geschäfte müssen zum Beispiel mindestens zwei "faire" Produkte im Sortiment haben. Cafes und Restaurants brauchen nur ein Getränk aus fairer Herstellung zu verkaufen. Auch Lisa Marquart findet, dass bei der Aufnahme noch strengere Vorgaben gelten sollten. Trotzdem ist sie der Meinung:

Es ist total schön, dass da immer mehr Cafés und Restaurants mitmachen und zumindest mal mit Kaffee anfangen und das ist ja auch son Gesamtprozess. Ich meine also, wenn man einmal anfängt, dann ist der Stein ins Rollen gekommen. 

Lisa Marquardt

Verwirrende Siegel

Auch große Discounter, wie Netto, Kaufland und Konsum sind auf dem Einkaufsführer eingetragen. Das liegt daran, dass sie viele Produkte im Sortiment haben, die fair hergestellt wurden. Trotzdem erleichtert das den Einkauf von FairTrade-Produkten nicht immer, weiß Dr. Birgit Brendel vom sächsischen Verbraucherschutz. Ein Problem sind vor allem die unterschiedlichen Bezeichnungen auf vermeintlich „Fairen“ Produkten.

Die vielen verschiedenen Siegel auf den Produkten, das ist ein Punkt der für Verbraucher kritisch ist. Da FairTrade nicht rechtlich definiert ist, kann man also praktisch auch ein Siegel aufgeben. Es gibt das klassische Fair-Trade-Siegel und dann gibt es noch de Siegel einzelner Anbieter, also (...) „El Puente“ und „GEPA“ und dann gibt es noch „BANA Fair“.

Dr. Birgit Brendel, Verbraucherzentrale Sachsen

Nach diesen Siegeln solle man sich beim Einkauf richten, so Brendel. 

Grauzonen

Ähnliche Grauzonen stellen auch die Stadtverwaltung vor Probleme, sagt Rudolf Pohl. Sie versuche gerade, die gesamten kommunalen Einkäufe auf fair gehandelte Produkte zu reduzieren. Damit verlangt die Stadt von ihren Lieferanten, bei den Produkten auf faire Bedingungen in der Herstellung achten. Aber das sei nicht so einfach:

Also wir schreiben schon da rein, dass der Anbieter nachweisen soll, dass die sozialen Kriterien bei der Entstehung und Lieferung seiner Produkte berücksichtigt waren. Da ist es natürlich eine große Hilfe, wenn ein Hersteller Zertifizierungsverfahren durchlaufen hat. 

Rudolf Pohl

Ein Zertifizierungsverfahren sei für die Zulieferer aber oft sehr aufwendig. Deshalb können sie in ihrem Sortiment nicht immer ein Fair Trade Siegel vorweisen. Die Stadt könne Fair-Trade-Zertifikate also nur zu einer Bedingung, aber nicht zu einem Ausschlusskriterium für Zulieferer machen.

Langer Weg

Das macht deutlich: der Weg zu einer Stadt, die ausschließlich fair handelt, ist lang und bedarf vieler kleiner Schritte. Zum Beispiel das Bewusstsein für fairen Handel zu stärken, bei den Verbrauchenden und den Betrieben.

 

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