Barrierefreiheit

Haben Sie eine Rampe da?

Wie ein Rollstuhlfahrer Leipzig erlebt und welche Umbauten im Figurentheater Westflügel für mehr Barrierefreiheit sorgen sollen.
Für Rollstuhlfahrer beinahe unüberwindbar: eine Treppe im Hauptbahnhof

Den Bus zur Arbeit verpasst, beim Einkaufen die Milch vergessen – diese kleinen Missgeschicke des Alltags kennt jeder. Aber was, wenn man gar nicht alleine in den Bus einsteigen kann? Wenn die Milch viel zu weit oben steht? Das wiederum ist für Rollstuhlfahrer wie Marc Konrad Alltag. Er hat vor Kurzem mit Marcus Mötz vom Leipzigblog Weltnest einen Nachmittag in Leipzig verbracht, um zu testen, wie barrierefrei die Stadt tatsächlich ist.

"Generell [...] ist Leipzig eine sehr schöne und teilweise auch gut barrierefrei ausgestattete Stadt."

Dabei stieß selbst Marc auf neue Erkenntnisse, so ist beispielsweise in der Tiefgarage des Augustusplatzes der Fahrstuhl irritierend weit vom Behindertenparkplatz entfernt.

Theater ohne Grenzen

Gar keinen Fahrstuhl gibt es bisher im Figurentheater Westflügel. Hier können seit 2006 Puppentheaterstücke, Konzerte, Performances und vieles mehr besucht werden. Rollstuhlfahrer wurden dabei allerdings mit einer Schwierigkeit konfrontiert: Der Aufführungssaal befindet sich im ersten Obergeschoss. Die Besucher mit Behinderung mussten die Treppe hinaufgetragen werden. Laut Jonas Klinkenberg vom Westflügel kostet es allerdings viele Rollstuhlfahrer Überwindung, diesen Arbeitsaufwand zu verursachen. Damit sich künftig niemand mehr schlecht fühlen muss und alle Besucher gemeinsam Theater erleben können, soll nun der Fahrstuhl in einen bereits vorhandenen Schacht eingebaut werden. Auch eine Behindertentoilette und eine Rampe am Eingang gehören im Westflügel zum Projekt Barrierefreiheit. Bisher habe es an Geld gefehlt, jetzt seien aber erste Förderungen angekommen. Jonas Klinkenberg erklärt noch etwas näher, was das Theater behinderten Menschen geben kann.

"Das Schöne ist bei uns am Theater, dass tatsächlich auch viele mit eingeschränkten Sinnen doch etwas von dem Theater haben, also wenn ein Sinn nicht ganz so gut funktioniert, ist es oft so, dass das Theater trotzdem genug anderen Input bietet. Das heißt jetzt, dass man vielleicht blind ist, aber trotzdem die Musik hört, manche Stücke sind sehr musikhaltig, andere Stücke sind eben einfach nur visuell, sodass man dazu auch nichts hören müsste."

An mehreren Stellen in Leipzig bemüht man sich also um eine behindertenfreundliche Stadt. Beispiele wie der Westflügel zeigen, dass Offenheit und manchmal ein bisschen Kreativität gefragt sind, aber dass es grundsätzlich möglich ist, Grenzen abzutragen. 

Ein Beitrag über Barrierefreiheit in Leipzig von Alexandra Huth.
 
 

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Alexandra Huth
22.08.2014 - 19:38

Mehr Informationen zum Figurentheater Westflügel gibt es hier.

Das Video zur "Barrierefreiheit in Leipzig" von Weltnest finden Sie hier