Konzertbericht: Amber Run

Gut gebrüllt, Löwe!

Amber Run wissen wie man kämpft. Nachdem ihr Schlagzeuger die Band verließ und ihr Label sie fallen ließ, war ihre Zukunft ungewiss. Umso erstaunlicher ist ihre Rückkehr. Wir haben die Briten im Berliner Musik & Frieden gesehen.
amber run
Amber Run im Musik und Frieden

Fünf smarte junge Typen aus Nottingham, die Liebe zur Musik und jede Menge Ehrgeiz. Das klingt nach der perfekten Mischung für die nächste erfolgreiche Indie Boyband. Das dachte sich auf ein großes, internationales Plattenlabel, welches die Jungs von Amber Run 2014 entdeckte. Ganz groß sollten sie werden, die Fußstapfen von großen Indie Bands wie Bastille oder Kodaline waren schon vor ihnen in den staubigen Musikboden getreten wurden. Als mit ihrem ersten Album „5AM“ der erhoffte Durchbruch ausblieb und dann auch noch Freund und Schlagzeuger Felix Archer davonlief, war erstmal Schluss mit großen Aufnahmestudios und Radioauftritten. Amber Run wurden von ihrem Label fallen gelassen und hatten keine Lust mehr aufeinander.

Fans, Frodo, Flyte

Dem Himmel sei Dank, haben sie sich zu 4. Dann doch nochmal aufgerafft und brachten Anfang dieses Jahres ihr zweites Album „For A Moment, I Was Lost“ heraus. Die neue Platte ist weniger poppig, aber noch genauso live tauglich. Davon konnte sich das deutsche Publikum Anfang November überzeugen.

amber run
 

Die Reise ging nach Berlin. Um genau zu sein ins Musik & Frieden direkt an der Spree. Die vielen 14-18-Jährigen Fangirls, die sofort in Bandshirts die ersten drei Reihen vor der Bühne besetzen, waren vorhersehbar. Schließlich leben junge Bands wie Amber Run vom Engagement und der Hingabe ihres jungen Publikums. Trotzdem füllt sich der Raum später noch mit einer Mischung aus jeder Alters- und Geschlechtsgruppe. Bevor Amber Run die Bühne betreten, heizen erstmal eine andere Band aus England dem Publikum ordentlich ein.  

  

flyte

Flyte heißt die Alternative-Pop-Band aus London, deren Sänger aussieht, wie eine gelungene Mischung aus Daniel Radcliffe und Frodo Beutlin. Ihre Stärken sind ganz klar Harmonien. Ob mit Instrumenten oder nur mit ihren Stimmen bringen sie die gesamte Fan-Meute zum Verstummen und erhallten nach jedem Song eine Menge Applaus. Besonders das Alvvays Cover „Archie, Marry Me“, welches sie komplett Acapella singen, bleibt im Gedächtnis. Nachdem sie die Bühne verlassen, wünscht man sich fast, sie hätten noch länger gespielt.

 

Amber Run beginnen ihren Auftritt mit „Pilot“ und „Spark“. Zwei Ausflügen zu ihrem ersten Album. Die Songs scheinen aber noch genauso Präsent in den Köpfen der Fans zu sein, wie die neuen Tracks. Es wird eifrig mitgesungen, was die Band und vor allem Sänger Joe sehr glücklich macht. Immer wieder schaut er fassungslos ins Publikum, bedankt sich und irgendwie will man ihn einfach nur in den Arm nehmen und sagen „Ja, das ist echt und du verdienst das wirklich.“

Ihr habt das verdient!

Mit „Fickle Game“ kommt dann endlich der erste Hit der neuen Platte. Die langsame Ballade ist ein Fanliebling und Amber Run schaffen es, den melancholischen Sound des Songs auch live zu vermitteln. Von „Just My Soul Responding“ werden dann aber wieder alle aus dem Träumen herausgerissen. Mit viel Kraft schreit Sänger Joe ins Mikrofon, der Rest der Bandmitglieder tun es ihm mit ihren Instrumenten gleich.

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Die großen Knaller kommen nach der Zugabe. „Haze“ handelt von der Zeit in der mit Amber Run eigentlich so gut wie Schluss war. „Wir konnten uns nicht mal im selben Raum aufhalten.“, erklärt Joe. Ein offensichtlich schmerzhaftes Kapitel in der Geschichte der Band. Doch als bei „I Found“ gefühlt jede Stimme im Raum erklingt, sieht man deutlich, wie stolz die Briten auf sich sind. Und das zu Recht, schließlich machen sie nicht nur auf Platte qualitativ hochwertige Musik, sondern sind auch eine fantastische Live-Band.

Fazit

Amber Run sind wahrscheinlich eine der sympathischsten Gruppen auf diesem Planeten. Ob mit altem oder neuen Schlagzeuger sind sie ein wahres Live-Erlebnis. Das liegt sicher auch an der Dynamik, die durch ihre treue Fangemeinde entsteht, aber die vier Jungs aus Nottingham haben es verdient, jede Sekunde ihres Erfolgs zu genießen.

 

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Marie Jainta
13.11.2017 - 14:39
  Kultur