Vorteile und Probleme des Konzepts

Grundeinkommen: Wirklich gerecht?

Es klingt wie ein schöner Traum: Unabhängig davon, ob und was du arbeitest, landen monatlich 1.000 Euro auf deinem Konto. Unklar ist, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen wirklich die soziale Gerechtigkeit bringt, die es verspricht.
bedingunsloses Grundeinkommen
Könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen eine Alternative sein?

In Deutschland gibt es ein eng gewebtes sozialstaatliches Netz mit vielen Absicherungen. 2017 gab der Bund über 960 Milliarden Euro für Sozialleistungen aus. Manche sehen allerdings starke Versorgungslücken im System und finden, der Sozialstaat reicht mit seinen Leistungen nicht aus. Ein alternatives Konzept wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen: Jede Bürgerin und jeder Bürger und auch jedes Kind erhält jeden Monat denselben Betrag, beispielsweise 1.000 Euro. Individuelle Sozialleistungen, wie es sie aktuell gibt, würden schrittweise abgebaut werden.

Ich denke, natürlich entspricht das der Logik, dass wenn wir ein Grundeinkommen haben, dass dann für Kinder, nicht erst ab 18, ausbezahlt wird, dass dann so was wie Kindergeld wegfallen kann. Andere Sozialleistungen können auch wegfallen.

Jens-Eberhard Jahn, Mitglied der ökologischen Partei Deutschland und der bundesweiten Initiative Grundeinkommen

Positive Folgen eines Grundeinkommens

Die möglichen positiven Folgen eines Grundeinkommens sind spekulativ, aber vielfältig: Vor allem alleinerziehende Frauen würden mit einem Grundeinkommen entlastet. Sie gehören zu einer häufig von Armut bedrohten Gruppe der Bevölkerung. Mehr Freiheiten in der Jobauswahl und anderen lebenswichtigen Entscheidungen könnten ebenso positive Folgen sein. 

Menschen können sich frei entscheiden, welche Tätigkeit sie ausüben, sie können sich frei für oder gegen Kinder entscheiden und es ist kein Geldargument mehr, so wie es das heute ist.

Daniel Weißbrodt, Mitglied der Leipziger Initiative Grundeinkommen

Als „Leipziger für Grundeinkommen“ tritt die Initiative sogar zur Stadtratswahl an. 

Probleme bei dem Konzept des Grundeinkommens

Auch, wenn ein Grundeinkommen für mehr Gerechtigkeit sorgen soll, könnte es in die gegensätzliche Richtung umschlagen: Wenn alle Menschen den gleichen Betrag erhalten, geht der Staat nicht mehr auf individuelle Bedürfnisse ein. Arme erhalten genau so viel Geld wie Reiche, die schon genug verdienen und besitzen. Auch an die Mietpreise einer Stadt würde der Betrag nicht angepasst werden. Dadurch würden einige Menschen schlechtergestellt werden, als sie es jetzt sind.

Weil ein Hartz IV Bezieher zum Beispiel in München mehr als die 1.000 Euro hat, die beim Grundeinkommen meistens genannt werden.

Grundeinkommenskritiker und Armutsforscher Christoph Butterwegge

Und jetzt?

Möglicherweise kann das Sozialstaatskonzept durch den Vorteil der individuellen Leistungen doch mehr Gerechtigkeit bringen. 

Das scheint mir der richtigere Weg zu sein, auch, wenn ich den bestehenden Sozialstaat nicht idealisiere.

Grundeinkommenskritiker und Armutsforscher Christoph Butterwegge

Obwohl der Sozialstaat Deutschland schon viel für eine finanzielle Umverteilung unternimmt, gibt es durchaus noch Entwicklungspotenzial. Die Frage nach einem Grundeinkommen hat hierbei eine wichtige Rolle: Sie macht bestehende Ungleichheiten und die Forderung nach mehr Gerechtigkeit sichtbar. 

Ein Bericht von Enya Unkart über Chancen und Risiken eines Grundeinkommens
Beitrag - Bedingungsloses Grundeinkommen

 

 

Kommentare

Ich bedaure, aber: WO steht geschrieben, dass
- alle den gleichen Betrag bekommen müssen,
- die unterschiedlichen Mietpreise nicht berücksichtigt werden und vor allem
- individuelle Sozialleistungen (wie z.B. die selbst verdiente Altersrente?) dann komplett entfielen?
Eben: Nirgends. Weil das so nicht stimmt.
Ein BGE sollte natürlich einen gewissen MINDESTbetrag haben, unabhängig, ob das 1000, 1250 oder 1500€ sind. Aber nach oben ist es individuell bedarfsmäßig ja nicht gedeckelt - wieso auch? Es ist doch klar, dass man in München andere Mietkosten hat als in Hoyerswerda. Das muss individualisierbar sein, eben so wie krankheits-/behinderungsbedingte Mehrbedarfe. Andererseits wäre eine altersabhängige Abstufung durchaus sinnig: eine Alleinerziehende mit 2 Kindern hätte nach der Pauschalmethode plötzlich 3000€ plus Mietkostenzuschuss (z.B. 600€) = 3600€ monatlich netto zur Verfügung. Ich denke, das sprengt den Rahmen (und vor allem den BGE-Ansatz) absolut - eine Stufenlösung bis 7, bis 14 und über 14 Jahre würde hier gut reichen.
Meines Erachtens hat das BGE noch viel mehr Facetten als die überall häufig propagierten Faktoren "money for nothing" und "Arbeiten, was man will" - das ist ein sehr verengter Blickwinkel auf all das, was BGE real bewirken wird. Aber eines wird BGE ganz sicher nicht: die Faulheit fördern. Eher die Freiheit, die wir doch als höchstes Gut betrachten... und offenbar tun sich Politik & Wirtschaft genau DAMIT schwer.

@Udo Rathfelder Hallo Udo,

Dankeschön für Deine Kritik. Das Konzept eines Grundeinkommens wird von verschiedenen befürwortenden, sowie kritischen Stimmen verschieden ausgelegt - die Gestaltung ist daher nicht sicher. Es gibt zum Beispiel Personen, die die Idee eines individualisierten Grundeinkommens, wie du es beschrieben hast, vertreten. Ich denke wiederum, es entspricht der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, dass es eben bedingungslos, sprich für alle gleich, ist. 

Individualisierte Leistungen, wie zum Beispiel Wohngeldzuschüsse, entsprechen meines Erachtens eher dem Konzept des Sozialstaats als dem eines Grundeinkommens. Das ist aber, wie gesagt, je nach Auslegung des Konzeptes, unterschiedlich.

Ich würde Dir zustimmen, dass ein Grundeinkommen keineswegs zu Faulheit führt. Meines Erachtens ist das ein überholtes Argument. Auch ich sehe in Sachen Freiheit und persönlicher Entfaltung viele Vorteile des Konzepts. Probleme sehe ich nur, wie in dem Beitrag zu hören war, dass indivuelle Leistungen zu kurz kommen könnten. 

Liebe Grüße, Enya Unkart

 

 

 

Kommentieren

Wie könnte ein Leben mit dem Grundeinkommen aussehen?

Daniel Weißbrodt stellt sein Buch: „Kurzer Abriss der deutschen Geschichte 2022-2050. Wie das bedingungslose Grundeinkommen unser Leben und unsere Gesellschaft verändert hat“ auf der Buchmesse vor.

Christoph Butterwegge hat 2018 mit Kuno Rinke ein Buch zu den Vor- und Nachteilen eines Grundeinkommens veröffentlicht: „Grundeinkommen kontrovers. Plädoyers für und gegen ein neues Sozialmodell“