Fantasy Filmfest 2017

Große Haie, dumme Mädels

Spätestens seit dem Thriller „Open Water“ dürfte jeder Filmfan ein ungutes Gefühl in der Magengegend haben, wenn es um das Thema Tauchen geht. In „47 Meters Down“ enden nun erneut zwei Touristinnen als Haifutter – in 47 Metern Tiefe.
47 Meters Down
Noch verläuft der Tauchspaß friedlich...

Die zwei Schwestern Lisa (Mandy Monroe) und Kate (Claire Holt) wollen in ihrem Urlaub in Mexiko so richtig Party machen. Eines Abends treffen sie auf zwei Männer, die sie am nächsten Tag zu einem ganz besonderen Trip einladen wollen: eine Cage-Diving-Tour. Heißt, die Touristinnen werden in einem Käfig ins Wasser hinabgelassen, von wo aus sie Haie beobachten können. Warnungen werden in den Wind geschlagen, und dass das Boot und der rostige Käfig keinen vertrauenserweckenden Eindruck machen, hält die beiden nicht von ihrem Plan ab. Und was passiert dann? Natürlich! Die Kabel reißen und der Käfig rauscht ungebremst in die Tiefe. Lisa und Kate sind in 47 Metern Tiefe im Käfig gefangen, während sie von hungrigen Haien umkreist werden und der Sauerstoff langsam knapp wird.

Tief Luft holen!

Wenn ein Tier in der Filmlandschaft in den letzten Jahren überstrapaziert wurde, dann ist es der Hai. Vordergründig im Trashgenre gab es Haie in allen Varianten zu erleben: Haie mit zwei Köpfen, mit drei Köpfen, Haie im Wirbelsturm, Haie, die im Sand und im Schnee nach knapp bekleideten Damen schnappen und noch vieles mehr. Da tut es mittlerweile schon gut, wenn man endlich mal wieder einen ganz normalen Hai ohne Superkräfte als Gegenspieler in einem Film erleben kann. Andererseits wurde die Konstellation gestrandeter Mensch und hungriger Hai in Filmen bisher zu oft behandelt, um noch wirklich schocken zu können. Erst 2016 saß Blake Lively in The Shallows auf einem Felsbrocken fest und wurde von einem Hai belagert.

47 Meters Down hat in der Hinsicht eigentlich schon verloren, bevor der Film überhaupt beginnt. Auch die beiden Hauptfiguren wissen wenig zu begeistern. Sie sind eben die klischeehaften Schönheiten, die kaum Persönlichkeit bekommen. Eine ist etwas schlauer, die andere etwas naiver. Eine äußert Zweifel an dem Ausflug, die andere will unbedingt ihren Mut beweisen. Wenn sie dann noch anfangen, in größter Not über ihre Beziehungsprobleme zu reden, wünscht man sich als Zuschauer regelrecht die nächste Haiattacke herbei. Wer bei 47 Meters Down einen originellen Film erwartet, ist sowieso an der falschen Adresse. Alle anderen werden zumindest 90 Minuten gut unterhalten werden.

47 Meters Down
Zwei Schwestern stürzen sich in einen feucht-fröhlichen Horrortrip

Effektives Unterwasser-Kammerspiel

47 Meters Down hat nichts zu bieten, was es nicht schon einmal so in einem anderen Film zu sehen gab. Regisseur Johannes Roberts ist trotzdem ein bisweilen sehr intensiver Survivalthriller gelungen. Die Situation, in die die beiden Frauen geraten, schnürt natürlich jedem die Kehle zu und die Frage, was man selbst in dieser Situation tun würde, drängt sich auf. Trotzdem schleichen sich in das Horrorszenario einige Längen ein. Das liegt daran, dass die Situation im Nachhinein betrachtet eigentlich gar nicht so gefährlich ist, wie sie anfangs scheint. Und sie wäre noch ungefährlicher, wenn die Hauptfiguren nicht permanent so dumm handeln würden. So gibt es einige Wendungen, bei denen man sich als Zuschauer nur an den Kopf fasst und am liebsten die Leinwand anschreien möchte, weil die Figuren selbst Schuld daran sind, dass sich ihre Situation immer mehr verschlimmert. Auch der bedrohliche Hai verhält sich eher selten wie ein echter Hai, sondern mehr wie ein typischer Horror-Hai eines Drehbuchautoren, der immer nur dann angreift, wenn es für die Frauen zu gut läuft.

Fazit

Wer von Haifilmen und Survivalthrillern nicht genug bekommen kann, der wird auch mit 47 Meters Down einen unterhaltsamen Trip erleben. Die vielen Logiklöcher und konstruierten Wendungen sorgen jedoch dafür, dass einem die beiden Protagonistinnen mit fortschreitender Laufzeit herzlich egal sind.

 

 

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