#Fridays for Future

Greta Thunberg spaltet die Meinungen

Weltweit demonstrieren heute in über 2000 Städten und 123 Ländern junge Menschen für eine konsequentere Klimapolitik. Auch in Leipzig ist der bisher größte Protest geplant. Doch der Aktivismus bekommt nicht nur Zuspruch zu hören.
Auch in Leipzig demonstrieren zahlreiche Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz.
Auch in Leipzig demonstrieren zahlreiche Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz.

Den Kommentar gibt es hier zum Nachhören:

Carolin Büscher über die Kritik an Greta Thunberg
 

Graue Mütze. Gelber Friesennerz, lange braune Zöpfe: Greta Thunberg ist die neue Ikone für jungen Aktivismus. Im vergangenen Jahr begann sie, jeden Tag die Schule zu schwänzen, um vor dem schwedischen Parlament zu protestieren. Ihr Ziel: das Zusammenwirken aller Staaten um das Pariser Abkommen einzuhalten, also die Erderwärmung auf nur 1.5 Grad zu beschränken. Oder Kurz: Die Zukunft unseres Planeten sichern, bevor es zu spät ist. Mit ihren Forderungen hat sie ganz nebenher eine globale Bewegung ausgelöst.

Greta kommt aus Schweden und ist gerade mal 16 Jahre alt. Ihre Popularität kam plötzlich. Auch weil sie auf dem auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bewegende Worte fand.

Adults keep saying: We owe it to the young people to give them hope. But I don’t want your hope. I want you to panic. I want you to feel the fear I feel every day. And then I want you to act.

Greta Thunberg in Davos

Das sind große Worte. Aber Greta thematisiert auch einfach ein großes Problem. Das sollte mittlerweile bei den meisten angekommen sein. Doch das hält insbesondere Männer in  Machtpositionen nicht davon ab, sich von ihr bedroht zu fühlen. Neben viel Zuspruch bekommt Greta Thunberg auch ganz schön viel Hass ab. Neben sexistischen Sprüchen sind da ausgerechnet auch Anspielungen auf ihr Aspergersyndrom bei. Vor allem hört die 16-Jährige aber dieses Argument: Vernunft kommt erst im Alter. FDP-Vorsitzender Christian Lindner beispielsweise twitterte vergangenes Wochenende:

 

Herr Lindners Zahnpasta-Lächeln macht ihn zwar zum Profi, aber eher für Profit als fürs Klima. Und dann hat er das ausgerechnet getwittert, als Sturmtief Eberhard über Deutschland fegte und zu massiven Schäden geführt hat. Das war der zweite Orkan innerhalb von zwei Wochen. So viel zum Thema Dringlichkeit. Aber lieber auf die Profis warten. Lustig auch, wenn man bedenkt, dass Lindner 2017 noch mit „Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer“ warb. Und er selbst mit 16 der FDP beigetreten ist - also alles andere als ein Profi war.

Unterstützung von "Scientists for Future"

Am Dienstag haben dann allerdings echte Profis Greta ihre Solidarität gezeigt. Hinter ihren Forderungen stehen nun unter dem Titel „Scientist for Future“ über 12.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Unter ihnen sind auch Personen des öffentlichen Lebens, etwa Ranga Yogeshwar oder Eckart von Hirschhausen. Sie machten deutlich: Die Erderwärmung wird nicht nur extremere Wetterverhältnisse mit sich bringen. Ressourcenknappheit kann zu Kriegen führen. Ärzte betonten zudem die zunehmende Infektions- und Allergiegefahr.

Professor Dr. Quaschning von der Hochschule für Wirtschaft und Technik Berlin gehört zu den Organisatoren von Scientists for Future. Auf der Pressekonferenz am Dienstag nahm er einen deutlichen Bezug auf Lindners Tweet.

Es gibt ja viele Stimmen aus der Politik die sagen „Ihr habt ja keine Ahnung – geht wieder zur Schule.“ Deswegen sitzen wir auch hier. Wir sind die Profis, wir sagen: Die junge Generation hat recht. Das ist jetzt der Anstoß, der Impuls, der vielleicht etwas verändern kann.

Prof. Dr. Quaschning, HTW Berlin

Und tatsächlich habe ich das Gefühl: Es verändert sich etwas. Täglich gehen mehr Leute auf die Straße. Der Bundestag kann die Forderungen der Protestierenden nicht mehr aus seinen Debatten ausschließen. Doch wirkliche Maßnahmen sind noch nicht eingeleitet. Die Bequemlichkeit überwiegt.

Es gibt keinen Plan B, weil es keine Erde B gibt

Letzten Freitag wurde Greta Thunberg von der schwedischen Presse zur „Frau des Jahres“ gekürt. Eine Jugendliche erhält einen Preis für Erwachsene. Am Donnerstag wurde sie dann sogar für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Der Medienrummel hält an. Einerseits zu Recht – ihr Engagement und das der vielen anderen jungen Leute ist beachtlich. Andererseits ist es in einer Weise traurig, DASS es hervorsticht. Konsequentes Handeln sollte die Normalität sein. Und nicht mit Anfeindungen oder überheblichen Tweets ins Lächerliche gezogen werden.

All die Kritik gibt Fridays For Future nur noch mehr Recht. Sie zeigt, dass sowohl „Profis“ als auch ein Großteil der Bevölkerung Angst davor haben, Kompromisse einzugehen. Einen gewissen Lebensstandard aufzugeben - etwa in puncto Ernährung oder CO2-Verbrauch - ist nicht nur für Machthaberinnen und Machthaber schwierig. Doch sollte uns unsere Flugreise oder unser täglicher Fleischkonsum wirklich mehr wert sein als ein lebenswerter Planet? Um es mit Gretas Worten zu sagen: Es geht nicht um unsere Hoffnung. Es geht darum, zu handeln. Und das kann im Kleinen und Großen jeder Mensch tun. Sei es in einer Demonstration, im individuellen Hinterfragen der eigenen Lebensweise, oder auf Regierungsebene. Es wird Zeit, an einem Strang zu ziehen.

 

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Mehr Infos zu der Bewegung #FridaysforFuture in Deutschland gibt es auf https://fridaysforfuture.de/