Abgas-Skandal

Grenzwerte überschritten

Vor einigen Wochen wurde bekannt, dass das Porsche-Werk in Leipzig auch vom Diesel-Skandal betroffen ist. Welche Folgen auf die Besitzer zukommen und wo sie Unterstützung bekommen, erklärt die Verbraucherzentrale Sachsen im Interview.
Im September 2015 räumte Volkswagen USA die Manipulation der Abgaswerte ein.

Der Grund für den Diesel-Sandal sind illegale Abschalteinrichtungen, die einen falschen Schadstoffwert ergeben. Vor allem sind Dieselautos der Firmen VW, Porsche, Audi und Skoda betroffen sind. Das VW-Tochterunternehmen Porsche ist nun verpflichtet, die Modelle nachzurüsten. Demnach werden 22.000 Fahrzeuge zurückgerufen, davon 7.500 in Deutschland.

Unterstützung wird zugesichert

Die Verbraucherzentrale Sachsen äußert sich nun. Sie wollen den betrogenen Dieselbesitzern helfen. mephisto 97.6 hat ein Interview mit Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen zu dem Thema geführt.

Wie wird sich das Ihrer Meinung nach auf die Verbraucher auswirken?

Katja Henschler: Ja, die Verbraucher müssen jetzt mit Fahrverboten rechnen, wenn es denn erwiesen ist, dass die Grenzwerte überschritten sind und müssen sich zunächst den Fahrverboten auch stellen. Die Frage ist natürlich, was kann ich als Autofahrer dann tun.

Was kann man denn als Autofahrer tun?

Katja Henschler: Die Ansprüche, die die Dieselfahrer haben, also aus unserer Sicht haben die Autofahrer Ansprüche gegen die Hersteller und gegen die Händler. Es wurde getäuscht. Die Dieselfahrer haben nicht die Fahrzeuge bekommen, die dem entsprechen, was im Kauvertrag geregelt ist. Und wir wollen jetzt dabei helfen, dass die Dieselfahrer ihre Ansprüche auch geltend machen und entweder ihren Kaufvertrag rückabwickeln oder eben einen Anspruch auf Lieferung eines mangelfreien Fahrzeuges mit vereinbarungsgemäßen Abgasausstoßen auch durchsetzen.

Ich konstruiere jetzt eben den Fall: Die Person X hat sich ein Neuwagen geholt, ein Dieselfahrzeug. Nun könnte er mit hohen Sanktionen konfrontiert werden. Da ist Ihrer Meinung nach, (…) das, was gemacht werden muss vonseiten der Händler, dass man dem Käufer einräumen muss, das Fahrzeug umzutauschen?

Genau wir sehen hier direkt einen Anspruch der Autobesitzer, der Dieselfahrer auf einen rechtlichen Anspruch, auf Rückabwicklung, auf Lieferung eines Fahrzeugs mit ordnungsgemäßem Abgasabstoß. Und den sollte man eben auch geltend machen. Sich gegen Fahrverbote zu wehren, hieße sich auf den verwaltungsrechtlichen Weg zu begeben, das ist unter Umständen ein langer Weg. Aber inwieweit die Gerichte die Ansprüche der Dieselfahrer aussprechen, das werden wir jetzt prüfen. Wobei wir sehen, dass das viele Gerichte in der Vergangenheit gemacht haben. In den letzten Monaten gab es also eine ganze Menge an Urteilen, die wirklich die Ansprüche der Dieselfahrer auch zuerkannt haben.

Was muss dann noch genau abseits von diesen Vorschlägen getan werden, um die Verbraucher wirklich effektiv zu schützen?

Wir fordern einen zweiten Dieselgipfel, an dem in jedem Falle die eigentlich Betroffenen nämlich die Verbraucher beziehungsweise die Verbraucherverbände mit am Tisch sitzen, dann eben natürlich auch die Umweltverbände, um echte Sanktionen und Maßnahmen den Herstellern aufzulegen. Also es muss zwingend eine Umrüstung geben, aus unserer Sicht, oder eine Nachrüstung, dass die Fahrzeuge ohne manipulierte Software sind. (…) Wir sind absolut unzufrieden mit der Lösung, die auf dem letzten Dieselgipfel erzielt worden ist. Der im Übrigen auch komplett ohne Verbraucherverbände stattfand.

Das gesamte Interview von mephisto 97.6 Redakteur Linus-Benedikt Zosel mit Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen können Sie hier nachhören:

mephisto 97.6 Redakteur Linus-Benedikt Zosel im Gespräch mit Katja Henschler.
1808 IV Diesel
 

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Pia Ebeling
18.08.2017 - 20:19