Konzertbericht

Goldene Zeilen mit Bleistift

Nach seinem erfolgreichen dritten Album, hat der Berliner Rapper Chefket nun die “Nachtmensch”-Tour gestartet. Im Conne Island zeigte er, dass er nicht zu Unrecht den Titel der “glücklichsten Rapper der Welt” trägt.
Chefket im Conne Island
Chefket im Conne Island

Erwartungen

Das neue Album von Chefket, “Nachtmensch”, ließ ihn zum ersten Mal in den Top-Ten der Charts landen. Ob das seine Musik geändert hat oder ob diese Chart-Platzierung erst aufgrund seiner veränderten Musik zustande kam, sei dahin gestellt. Ich hoffte auf jeden Fall auf ein ordentliches Angebot aus älteren Liedern, wie “Identitäter” und “Einerseits/Andererseits” und Songs seines neuen Albums. Das alles verpackt mit seinen krassen Live-Skills!

Der erste Eindruck

Kaum ist der Chef auf der Bühne, johlt die Menge und ist sofort dabei! Der Beat wird nun extra hochgedreht und das Publikum nickt mit dem Kopf und hebt den Arm im Takt. Mit seiner sympathischen Art zieht er auf jeden Fall das Publikum direkt auf seine Seite und es ist eigentlich klar warum wir alle hier sind. Nachfragen müsste er eigentlich nicht. “CHEF-KET!!”

Musik

Ja, die Musik. Chefket beginnt mit alten Liedern seiner letzten EPs aber auch Songs seines zweiten Studioalbums von 2009, wie zum Beispiel “Schritt zurück”, kommen nicht zu kurz. Das Publikum kann hier nicht nur die Hook mitsingen. Die Ausgewogenheit zwischen Chefkets wirklich krassen Rap-Skills und seinem angenehmen Gesang lässt in der ersten Hälfte des Konzerts das Publikum ausrasten. Begleitet wird er von zwei Backgroundsängerinnen, was ich ein bisschen schade finde, da ich es immer bei Chefket gefeiert habe, dass er eben keinen wirklichen Back-up braucht.  Als dann eine der Backgroundsängerinnen - Flinte - von ihm nach vorne geholt wird, damit sie ihren neuen eigenen Song vorträgt, schaue ich in ein paar ratlose Gesichter. Ihr poppige Liebeslied “Liebe ist ein Arschloch” reißt dann doch das Konzept von Chefkets Performance ein wenig auseinander. Danach werden vor allem Lieder seines neuen Albums gespielt, untermalt mit feinen Pianoklängen und nachdenklichen Texten.

Show

Hier zeigt sich wirklich Chefkets Qualität. Mit einem breiten Grinsen und einem “Freestyle Rap” schlägt er am Anfang sofort die Brücke zum Publikum. “Wer kann den Running Man von euch”, fragt er und schon ist jemand aus der ersten Reihe gefunden. Auch wenn wenig zu sehen ist, feiern Chefket und das Publikum die Freiwillige und belohnen sie mit ihrem ersten Stage-Dive. “Rap-Genießer feiern alle Lieder und ihm B-Boy-Kreis wird gedanct”, rappt er und lässt den Kreis vor der Bühne bilden. “Egal was derjenige macht, feiert sie oder ihn!” - und los geht’s! Am Ende lässt er sich noch zu zwei Zugaben hinreißen und landet noch einen Kracher mit “Live-Mcs”, bei dem er die Parts von Megaloh und Amewu übernimmt und umtextet. “Heb’ die Hände hoch, wenn du den Scheiß hier liebst!” - Das lass ich mir nicht zweimal sagen.

Was in Erinnerung bleibt

Am Ende lässt sich festhalten, dass Chefket wirklich von sich behaupten kann einer der besten Live-MCs hier in Deutschland zu sein. Auch wenn bei den neuen Liedern nicht unbedingt so viel mitgesungen wurde wie bei seinen “Klassikern”, hat das nicht wirklich die Stimmung geschmälert. Chefket traf mit seiner Auswahl an neuen und alten Songs genau meinen Geschmack und ich konnte ihn und seine sympathische Art wirklich feiern. In den fast zwei Stunden Konzert zeigt er, dass er “der glücklichste Rapper der Welt” ist.

 

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Max Linden
31.10.2015 - 13:52
  Kultur